Kein Bedarf und wenig Ressourcen bei Gemeinden

Internetauftritt ja – Soziale Netzwerke nein

Von Martin

Seit 2004 haben die Tal-Gemeinden einen einheitlichen Rathaus-Internetauftritt. Kostenpunkt: einmalig 25.000 Euro für alle zusammen. Einheitlich ist allerdings auch der Auftritt bei den sozialen Netzwerken: keiner der fünf Orte hat einen.

Als größte Hürde, um beispielsweise das bekannteste soziale Netzwerk „facebook“ für die eigenen Ziele zu nutzen, werden rund um den See vor allem die nicht vorhandenen Ressourcen genannt. Gleichzeitig verweisen die Rathäuser auf andere mediale Kanäle, mit denen sie mit den Bürgern in Kontakt bleiben.

Acht Jahre sind eine lange Zeit

Einfache Bedienbarkeit sowie Pflege und nicht zuletzt auch ein stimmiges Angebot hinsichtlich Preis, Leistung und Technik. Die Kriterien, die die Bürgermeister vor acht Jahren für ihre eigenen Webseiten festgelegt haben, waren wohl überlegt.

Seither hat sich am „Look“ der Seiten auch nichts mehr geändert. Dabei sind acht Jahre im Internet eine lange Zeit. Trotzdem scheint das Informationsangebot für die Bürger ausreichend. Das zeigen auch die aktuellen Zugriffszahlen.

Alleine das virtuelle Gmunder Rathaus besuchten im vergangenen Monat etwa 4.000 Bürger. Für Geschäftsleiter Alfons Besel sind diese Zahlen zufriedenstellend. Kreuth erreichte im gleichen Zeitraum rund 3.516 Bürger. Tegernsee 4.209. Rottach weckt das größte Interesse seiner Einwohner: 4.517 klickten auf die Rathausseite der Gemeinde. Bad Wiessee kam abgeschlagen mit rund 1.000 Besuchern auf den letzten Platz.

Finden lässt sich auf den Seiten der Gemeinden nicht nur die Telefonnummern von Verwaltungsmitarbeitern oder die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung. Auch Satzungen oder ein aktueller Vereinsführer ist hier aufgeführt. Selbst den Gemeindeboten kann man sich bei den meisten Kommunen als Datei herunterladen.

Ein-Wege-Kommunikation in Richtung Bürger

Rund um den See investieren die Verwaltungsmitarbeiter durchschnittlich eine Stunde in der Woche in die Pflege der Internetseiten. Manchmal fehlt es jedoch ein wenig an Aktualität. Auf der Wiesseer Seite ist beispielsweise immer noch Alois Wiefarn als Bauamtsmitarbeiter angegeben. Wiefarn arbeitet seit Ende 2011 jedoch nicht mehr im Rathaus.

Und auch eine Übersicht der nächsten Gemeinderats- oder Bauausschusssitzung findet man unter rathaus-bad-wiessee.com in diesem Jahr nicht mehr. Wer die Termine für 2012 wissen will, muss in dem Fall den verantwortlichen Mitarbeiter in der Verwaltung kontaktieren.

Die Rollen sind somit auch klar verteilt. Die Gemeinden informieren – mal mehr, mal weniger – und die Bürger konsumieren. Dieses Modell entspricht jedoch mehr einem Monolog als einem Dialog. Vergleichbar mit öffentlichen Gemeinderatssitzungen, bei denen die Bürger zwar anwesend sein dürfen, eine aktive Beteiligung jedoch nicht erwünscht ist.

Diese Beteiligung erreichen die Kommunen in der Regel nur über Bürgerversammlungen oder Workshops. Doch deren Abbildung ins Internet kann auf Basis der bisherigen Ein-Wege-Kommunikation nicht entstehen. Auch wenn Alfons Besel das ein wenig anders sieht: „Ein Austausch zwischen Bürgern und Gemeinde erfolgt unter anderem über den Gemeindeboten, den Internetauftritt, die Zeitungen, öffentliche Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen.“

Gemeinden haben keine Zeit und kein Geld für Facebook

Besel stellt, außerhalb der datenschutzrechtlichen Bedenken, vor allem den Mehrwert eines dauerhaften Auftritts bei Facebook in Frage. So ähnlich denkt man auch im Wiesseer Rathaus: „Eine Facebook-Seite würde nur die vorhanden Daten der Internetseite beinhalten und außer Mehrkosten keinen zusätzlichen Nutzen für die Bürger ergeben“, so Geschäftsleiter Michael Herrmann.

„Um die Aktualität zu garantieren, müssten wir täglich dran bleiben“, sagt Rottachs Geschäftsleiter Josef Brummer. Dem schließt sich auch Tegernsees Kämmerer Jürgen Mienert an und ergänzt: „Wegen der Behördeneigenschaft der Stadt müssen Bürgeranfragen über Facebook juristisch einwandfrei beantwortet werden.“ Eine rechtliche Hürde, mit der sich bisher noch keine Gemeinde auseinandergesetzt hat.

Für Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider stehen an erster Stelle die gesetzlich übertragenen Aufgabe einer Kommune. „Da können wir uns nicht auch noch um einen – sicher nicht überlebensnotwendigen – Facebook-Auftritt kümmern.“

Die TTT ist bereits seit langem aktiv

Dagegen ist man bei der TTT mehr als überzeugt von der Sinnhaftigkeit einer Facebook-Präsenz. Das mag vor allem an der Zielgruppe liegen. Touristen informieren sich verstärkt auch über sogenannte soziale Medien. Empfehlungen werde immer wichtiger für die Entscheidung zugunsten eines Urlaubsortes.

Insgesamt 7.183 Fans (Stand: 15. März 2012) interagieren mit den Online Marketing Verantwortlichen bei der TTT. Zuständig für Strategie und Umsetzung ist Michael Erny. „Seit 2009 betreiben wir eine eigene Facebook-Seite.“

Das Ziel skizziert Erny folgendermaßen: „Wir wollen mit den Fans in Echtzeit kommunizieren und ihnen Anreize für einen Ausflug oder einen längeren Aufenthalt am Tegernsee verschaffen.“ Für Erny ist Facebook ein ideales Kommunikationsmittel, um mit der riesigen potentiellen Reichweite neue Kunden zu erreichen.

Dabei sieht er vor allem den permanenten und interaktiven Austausch mit den Fans als größten Vorteil und sieht die TTT auf einem guten Weg. „Die kontinuierlich steigende Zahl unserer „Fans“ verdeutlicht die zunehmende Akzeptanz der sozialen Medien der Gäste am Tegernsee und die Wichtigkeit einer eigenen Seite als Informationsplattform über die Ferienregion Tegernsee.“

Gmund als Vorreiter?

Die Touristiker haben also erkannt, dass Kommunikation über reine Information siegt. Das ist schön für den Touristen. Doch was hat der Bürger davon? Das Totschlagargument „Ressourcen-Knappheit“ ist zwar auf den ersten Blick einleuchtend. Doch der Ansatz für eine Nutzung von Facebook als reines Kommunikationsinstrument muss nicht zwingend bedeuten, dass man „so etwas“ dauernd betreibt.

Die Übertragung einer Bürgerwerkstatt – wie es sie für das Projekt Maximilian gab – in den virtuellen Raum eröffnet viele Chancen. Die Gemeinde könnte so über den kompletten Projektzeitraum im engen Kontakt mit den involvierten Bürgern bleiben.

Der Ansatz: Die ersten Ideen und Informationen aus einer Bürgerwerkstatt oder einem Workshop könnten auf einer geschlossenen Facebook-Seite ausgearbeitet, diskutiert oder verworfen werden. Die Gemeinde würde erste Entwürfe präsentieren und Meinungen einholen, Termine bekanntgeben und Experten zu Wort kommen lassen. Eben permanent mitteilen, woran sie gerade arbeitet und wie der Stand der Dinge ist.

Eine Idee, die auch Gmunds Geschäftsleiter Besel als nicht unattraktiv bezeichnet. Den Beitrag zur Bürgerbeteiligung 2.0 habe er aufmerksam gelesen. „Ich habe mir Notizen gemacht und wer weiß, vielleicht werden wir das beim nächsten Großprojekt mal austesten.“

Direkter Onlinedraht zu den Bürgern. Warum nicht mal aus der geheimen Ortsplanungskonferenz informieren?


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