Ausuferndes Sponsoring - Sparkasse prüft Schadensersatz

Jagdfreunde helfen sich

achenkirch schießstand

Die Sponsoring-Praxis der Sparkasse unter ihrem Ex-Chef Georg Bromme sorgt weiter für viel Diskussionsstoff. Nun hat der neue Verwaltungsrat entschieden, Schadensersatz von den Verantwortlichen einzufordern. Dabei ist den Prüfern auch das Sponsoring für den Schießstand in Achenkirch sauer aufgestoßen. In Tirol ist man da ganz anderer Meinung.

Idyllischer und näher an der bayerischen Grenze könnte er nicht liegen, der Schießstand des Jagdbezirks Schwaz. Bereits in Achenwald schlängelt sich die schmale Schotterstraße hinab zur Ache. Von oben stürzt bei entsprechendem Wasserstand ein etwa 100 Meter hoher Wasserfall herab, nahe der Terrasse der Blockhütte, die den Freiluft-Schießstand beherbergt. Dass der so gut dasteht, ist auch dem leidenschaftlichen Jäger und Ex-Vorstand der Sparkasse geschuldet: Georg Bromme.

Über 20.000 Euro soll Bromme in mehreren Tranchen dem Tiroler Jägerverein und dem Tiroler Landesjagdschutzverein gespendet haben, über einen Zeitraum von acht bis neun Jahren. „Die letzte Spende mit 5.000 Euro kam, als wir zum einen die Stahlseilanlage des Schießstandes und die Lärmdämmung komplett erneuerten“, bestätigt auf Nachfrage der frühere Schwazer Jägerbezirkschef Heinrich Rinner das Sponsoring Brommes.

Sparkasse sieht keinen Grund für Sponsoring

Davor waren es 4.000 Euro Zuschuss für ein neues Stromaggregat, ein etwa gleich großer Betrag floss in eine neue Toilette. Geld der Bank wurde auch in einen neuen Zaun gesteckt. „Wenn Reparaturen nötig waren“, so Rinner, „war Bromme mit seiner Bank zur Stelle. Dabei sollte man nicht vergessen, dass der Stand mit etwa 70 Prozent gerade aus dem Tegernseer Raum von den Gebirgsschützen und den bayerischen Jägern mitbenützt wird“.

Daher habe er als Jägermeister auch nie ein Problem mit dem Sponsoring der Sparkasse gehabt, denn diese habe sich damit sicher auch bei ihren Kunden gut verkauft, so Rinner. Für ihn ist die damalige Entscheidung Brommes nachvollziehbar:

Hier ist die Möglichkeit auf 200 Meter zu schießen, das gibt es in Bayern weit und breit nicht. Das ist eine Besonderheit, die die Kreissparkasse bezuschusst hat.

Es seien zwar viele Jäger aus dem Landkreis Miesbach mit in Achenkirch gewesen, weiß auch Peter Friedrich Sieben, der Pressesprecher der Kreissparkasse „aber unsere Dienstaufsicht sagt, der Schießstand befinde sich außerhalb unseres Geschäftsbereichs“. Man könne schließlich auch nicht Sponsoring am Strand von Jesolo vornehmen, nur weil dort viele Deutsche hinfahren, heißt es in Bankkreisen.

„Kesseltreiben auf Jagdfreund Bromme“

Ein besonderes Anliegen Rinners ist es, darauf hinzuweisen, dass Georg Bromme aus seinem großzügigen Sponsoring nie persönlich einen Vorteil gezogen habe. „Ganz entschieden verwehren möchte ich mich gegen das Gerücht, Herr Bromme hätte bei uns Gamsen schießen dürfen. Das ist nie passiert“, versichert Jagdfreund Rinner, „Er hat auch keine großartigen Schießveranstaltungen mit Freunden organisiert. Ich habe das komische Gefühl, auf Herrn Bromme findet in Bayern ein Kesseltreiben statt“.

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In Tirol dagegen wird er wohl weiterhin als der Bankchef mit den Spendierhosen in Erinnerung bleiben, denn dort wurde er mit Ehrungen geradezu überhäuft. Auf dem österreichischen Schloss Thurnegg Rotholz im Zillertal ehrte man Bromme im Dezember 2012 wegen seiner „besonderen Dienste um das Jagdwesen“.

In Kufstein erinnern sich die Jagdhornbläser noch an eine Spende aus D-Mark-Zeiten, etwa 1000 Mark sollen es gewesen sein. Nach der Hubertusfeier bedankten sich die Tiroler Jagdaufseher aus Schwaz in ihrem Mitteilungsblatt im November 2011 bei der Kreissparkasse Miesbach, „die zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen hat“.

Verwaltungsrat der Kreissparkasse macht Schadenersatz geltend

Weniger Verständnis für Brommes Tiroler Spenden zeigten die Kontrolleure der Regierung von Oberbayern: auch dieses Sponsoring Brommes sei rechtswidrig gewesen und nicht nur Jakob Kreidls und Arnfried Färbers ausufernd gesponserte Geburtstagsfeiern. Die Rechtsaufsicht hatte daher der Kreissparkasse aufgetragen, die Spenden von den Begünstigten zurück zu verlangen. Zudem seien auch Ersatzansprüche gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden zu prüfen.

Damit befasste sich gestern nun erstmalig der neue Verwaltungsrat der Kreissparkasse. Er beschloss, „die Forderungen, bei denen ein Anspruch besteht, geltend zu machen. Bei einigen Sachverhalten hat er weitere Informationen angefordert“, heißt es von Seiten der Sparkasse. Zudem wolle der Verwaltungsrat dafür sorgen, dass die Verfahren gegen die Beschuldigten „zeitnah abgeschlossen“ werden.

Auf Nachfrage erklärte Peter Friedrich Sieben heute, dass der Sparkassen-Chef Martin Mihalovits und der neue Landrat Wolfgang Rzehak bei den fraglichen Punkten aus der Sitzung herausgegangen sind, um mögliche Interessenskollisionen auszuschließen. Das Ziel, so Sieben weiter, sei es gewesen, dass der neue Verwaltungsrat alleine über die weitere Vorgehensweise entscheiden kann. Die anstehenden Forderungen dürften sich, so Insider, nicht nur gegen den ehemaligen Sparkassen-Chef Georg Bromme richten. Auch der frühere Landrat Jakob Kreidl sowie der unter Kreidl tätige Vize-Landrat Arnfried Färber könnten im Visier der Juristen stehen.

Das Sponsoring für den Schießstand ist im Visier der Aufseher.
Das Sponsoring für den Schießstand ist im Visier der Aufseher.

Bleibt fraglich, ob dies auch für Brommes Sponsoring der Oberbayerischen Jagdaufseher gilt. Diese lobten nach ihrem 17. Bezirksschießen 2011 ihren Georg Bromme: „Der Ehrengabentisch war mit Spenden der Kreissparkasse Miesbach sehr hochwertig bestückt“.

Weiter heißt es: „Der diesjährige Wettkampf hatte auch einen neuen Höhepunkt, und so wurde erstmalig eine Oberbayerische Jagdaufseherin, Marianne Bromme, für ihre präzisen Schüsse mit der handbemalten Ehrenscheibe über die 200 Meter Distanz belohnt“. Da verwundert es nicht, dass beide Brommes vom so gesponserten Verband „ein neu geschaffenes Verdienstabzeichen“ für besonders engagierte Mitglieder bekamen.


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