Klausur am Spitzingsee: Miesbacher CSU hält an Landrat fest

Jakob Kreidl kandidiert weiter

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Offiziell beschäftigte sich die gestrige CSU-Klausur am winterlichen Spitzingsee nur ganz allgemein mit der Kommunalwahl im März. Doch ein Thema überlagerte alle anderen Tagesordnungspunkte: Jakob Kreidls Plagiatsaffäre und seine Nebentätigkeiten. Dabei war bis zu Beginn der Sitzung unklar, ob der Landrat zu den Diskussionen um seine Person überhaupt Stellung beziehen würde.

Vermutlich deshalb kamen auch alle, die in der Kreis-CSU etwas zu sagen haben: allen voran Alexander Radwan, der Bundestagsabgeordnete für den Stimmkreis, etliche Bürgermeister wie Josef Höß aus Holzkirchen, Georg von Preysing und Josef Bierschneider aus dem Tegernseer Tal, sowie CSU-Kreisräte und Kreistagskandidaten aus dem gesamten Landkreis.

Appell an die Geschlossenheit

Der Tagungsraum im Arabella-Hotel war bis auf den letzten Platz besetzt. Noch nie seien so viele Mandatsträger zusammengekommen, berichten Teilnehmer. Vor Beginn der Veranstaltung waren durchaus noch kritische Töne zu hören. „Für eine Umkehr ist es jetzt schon zu spät“, meinte beispielsweise Olaf von Löwis, Bürgermeisterkandidat für Holzkirchen, „das Krisenmanagement wirft aber einen Schatten auf unseren Wahlkampf.“

Intensive Gespräche vor der Klausur.
Intensive Gespräche kurz vor der Klausur. Landrat Jakob Kreidl mit CSU-Kollegen vor dem Sitzungsraum.

Für ein anderes Parteimitglied ist das, „was da intern abläuft, unter aller Sau“. Doch allen war klar, ein Verzicht Kreidls würde die Partei spalten. Also kam es nicht zum Showdown, die CSU Miesbach steht weiter hinter ihm.

Kreidl im Hamsterrad

Geschickt hatte Kreidl zu Beginn der Veranstaltung nochmals an die Geschlossenheit innerhalb der Partei appelliert, „damit man bei den Planungen für die nächsten sechs Jahre zu guten Ergebnissen und Arbeitsabläufen komme“.

Zudem hatte der 61-Jährige wenige Tage vor der Klausur in einem „persönlichen Brief“ an alle Mitglieder der Kreis-CSU Asche auf sein Haupt gestreut: „Ein mir bis dahin nicht bewusster Fehler aus meiner Vergangenheit holte mich plötzlich wie aus dem Nichts mit voller Wucht ein.“ Sein Irrtum sei ihm erst allmählich bewusst geworden, so Kreidl in dem internen Schreiben. Die alles infrage stellenden Reaktionen hätten ihn sprachlos gemacht. Kreidl weiter:

Man befindet sich wie in einem Hamsterrad, aus dem man sehr schwer wieder herauskommt.

Heute würde er vieles anders machen. Aber im Nachhinein sei man immer schlauer. Kein Wort verliert Kreidl im Brief über seine unverhältnismäßigen Aufsichtsratsbezüge und die „Verwandtenaffäre“. Dennoch ging seine Rechnung auf: Niemand forderte ihn bei der gestrigen Klausur zum Verzicht seiner Kandidatur auf.

„Es gab aus der Runde kritische Nachfragen, die Kreidl beantwortet und in großen Teilen auch belegt hat“, erklärt Versammlungsleiter Josef Bichler auf Nachfrage:

Wir gehen mit Jakob Kreidl in die Wahl, weil die Kreistagsfraktion mit ihm die beste Voraussetzung sieht, auch in der nächsten Legislaturperiode bis 2020 viel für den Landkreis tun zu können. Es gab viele Fragen. Alles kam auf den Tisch. Nichts wurde von mir als Versammlungsleiter abgewürgt.

Ein anderer Teilnehmer fasst es so zusammen: „Der Zeitpunkt war jetzt einfach schon zu spät, um ihn zu einem Rückzug zu drängen. Man muss einfach abwägen, wo liegt der größere Schaden: wenn wir einen guten Landrat mit Blessuren absägen oder versuchen, das Beste daraus zu machen und nach vorne zu schauen.“ Auf Letzteres habe man sich dann einstimmig geeinigt.

Zur gestrigen Klausur der CSU waren neben Versammlungsleiter Josef Bichler (rechts) viele CSU-Bürgermeister und Kreistagskandidaten ins Arabella-Hotel gekommen.
Zur gestrigen Klausur der CSU waren neben Versammlungsleiter Josef Bichler (rechts) und Kreisgeschäftsführer Anian Bichlmaier (links) viele CSU-Bürgermeister und Kreistagskandidaten ins Arabella-Hotel gekommen.

Auch die internen Kritiker seien dann der Ansicht gewesen, dies sei wohl der richtige Weg. Weiter meint das prominente Parteimitglied: „Ich war sehr überrascht, wie offen die Aussprache war, sie war hart und intensiv. Ich bin mit einem beklemmenden Gefühl hin und erleichtert wieder weggefahren. Er war in einer geläuterten Weise offen und selbstzerknirscht.“

Damit hat Kreidl offensichtlich gepunktet. Die Kreis-CSU scheint erst mal befriedet. Nun ist der Wähler am 16. März gefragt. Er entscheidet über Kreidls politische Zukunft.


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