Jetzt reden die Betreiber – (sich raus?)

von Sabiene Hemkes

Der italienische Gesundheitskonzern SERENI ORIZZONTI 1 SPA, Betreiber der Seniorenresidenz in Schliersee, bezieht auf Nachfrage der Tegernseer Stimme Stellung zu den Vorwürfen des Abrechnungsbetrugs. Ein Vorwurf, der für die Italiener nicht wirklich neu ist.

Die Seniorenresidenz Schliersee ist Teil des italienischen Gesundheitskonzerns SERENI ORIZZONTI 1 SPA

Am vergangenen Mittwoch (wir berichteten) durchsuchten zwei Staatsanwälte der Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen in Bayern (ZKG) und 33 Beamte der Kripo Rosenheim die Seniorenresidenz in Schliersee. Der konkrete Verdacht gegen die Betreiber der Einrichtung: Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen.

Für die nächsten Tage kündigt der Vittorio Pezzuto, Leiter für externe Kommunikation des italienischen Unternehmens SERENI ORIZZONTI 1 SPA Gruppe, die Kontaktaufnahme mit der ermittelnden Behörde in Nürnberg an. Sein Unternehmen will, so behauptet er, klären, welche Beschuldigungen gegen die S.O. Nursing Homes GmbH erhoben werden.

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Die S.O. Nursing GmbH, die zur Firmengruppe des italienischen Gesundheitskonzerns gehört, und in deren Auftrag als deutscher Betreiber der Schlierseer Residenz fungiert, steht unter dem Verdacht Abrechnungsbetrug begangen zu haben. Pezzuto sagt:

 

Wir haben umgehend, unter Mitwirkung eines externen und unabhängigen Sachverständigen, eine interne Untersuchung eingeleitet.

 

Valentino Bortolussi, der seit dem 4. Juli 2018 als Geschäftsführer der deutschen GmbH eingesetzt ist, kommt in der Unternehmenserklärung nicht zu Wort.

“Völlig getrennte Verfahren”

Pezzuto betont in seinen Ausführungen weiter, dass die Vorwürfe gegen sein Unternehmen in Schliersee in keinerlei Zusammenhang mit einem laufenden Verfahren gegen das Mutterunternehmen in Italien stehen.

Hintergrund: Gegen die SERENI ORIZZONTI 1 SPA, die allein in Italien 80 Pflegeeinrichtungen betreibt, läuft ein großer Prozess, das berichten mehrere Medien. Urteile werden in kürze dazu erwartet. Auch dort geht es um ein ähnliches Vergehen. Das Unternehmen soll bis zu zehn Millionen Euro unrechtmäßig abgerechnet haben. Man hat sich mit den Behörden auf einen Vergleich geeinigt. Über 3,7 Millionen Euro müssen demnach zurückgezahlt werden. Dem Unternehmensgründer Massimo Blasoni droht zusätzlich ein Haftstrafe. Blasoni ist inzwischen aus der Unternehmensleitung ausgeschieden. Pezzuto weiter:

 

Auszuschließen ist ebenfalls, dass es Zusammenhänge mit dem italienischen Ermittlungsverfahren, welches über zum Teil Jahre zurückliegende und größtenteils entkräftete Untersuchungen beinhaltete, gibt.

 

Zum Schluss informiert der Unternehmenssprecher in seiner Stellungnahme noch darüber, dass alle Covid-Rückerstattungsanträge und Verhandlungen mit den Pflegekassen ihrerseits von einer deutschen Rechtsanwaltskanzlei begleitet werden, um eine korrekte Abwicklung zu gewährleisten.

Unregelmäßigkeiten bei “Covid-Rückerstattungen” gehörten bisher nicht zu den bekannt gewordenen Vorwürfen gegen das Pflegeheim in Schliersee. Aber Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden, sind immer interessant…

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