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Jodbad-Investor überrascht Wiesseer

Von Maxi Hartberger

Für die Wiesseer Gemeinderäte war es die Überraschung auf der gestrigen Sitzung: Wie gestern Abend bereits berichtet, wurde der Jodbad-Abriss auf Oktober 2017 verschoben. Was das jetzt für das Riesenprojekt bedeutet.

Statt im Januar soll das Jodbad erst im Oktober 2017 abgerissen werden.
Statt im Januar soll das Jodbad erst im Oktober 2017 abgerissen werden.

„Diese Nachricht kommt für uns alle überraschend“, brachte es Bürgermeister Peter Höß auf der gestrigen Gemeinderatssitzung in Bad Wiessee auf den Punkt. Die Rede ist von den neuen Änderungen rund um das Jodschwefelbad. Was zeitgleich zu der Sitzung in einer Pressemitteilung bekannt wurde, wurde gestern auch den Gemeinderäten offenbart.

Florian Kamelger, CEO der Sports Medicine Excellence Group, die ein Gesundheitshotel an Stelle des Jodbads planen, verkündete ein neues Abriss-Datum für den Jodbad-Komplex: „Der Rückbau wurde von Januar auf Oktober 2017 verschoben.“

Grund hierfür seien vor allem die Vorschriften der Naturschutzbehörde: „Der Abriss ist aufgrund der Vögel und Fledermäuse nur bis zum 28. Februar und dann erst wieder ab Oktober erlaubt“, erklärte Kamelger. Da das vorhergesehene Zeitfenster damit sehr knapp wurde, habe man sich für einen Aufschub entschieden:

Bevor wir ein halb abgerissenes Jodschwefelbad in der Ortsmitte hinterlassen, haben wir den Rückbau auf Oktober geschoben.

Der Abriss verschiebt sich demnach nun neun Monate. „Der Baustart wird dann fünf bis sechs Monate später erfolgen“, so Kamelger weiter. Höß habe sich das Ganze von der Naturschutzbehörde bestätigen lassen und sieht den Aufschub als sinnvoll, „bevor wir ein halbabgerissenes Gebäude dort stehen haben.“ Damit kehre man jetzt zum ursprünglichen Zeitplan zurück.

Das habe natürlich auch Auswirkungen auf die umstrittene Interimslösung. Demnach sollte das Obergeschoss des Badeparks für etwa 150.000 Euro so umgebaut werden, dass die Jodbad-Anwendungen als Zwischenlösung in den bisher leer stehenden Räumen angeboten werden.

Interimslösung weiter gefordert

Eigentlich hätte man dann laut Kamelger beim Abriss umständlich um das Wasserbecken, das weiter für besagte Interimslösung genutzt werden sollte, herumbauen müssen. Zusätzlich hätte es laut Höß eine Phase gegeben, in der es überhaupt keine Jodbäder gegeben hätte. „Durch das Verschieben des Rückbaus kann das Becken jetzt problemlos weiter für Bäder genutzt werden“, so Wiessees Bürgermeister.

Gemeinderat Kurt Sareiter (CSU) wollte wissen, wann denn dann das Jodbad überhaupt geschlossen werde. Geplant war ursprünglich Dezember. „Der Betrieb könnte jetzt bis Januar weiterlaufen“, antwortet Höß. Allerdings gebe es immer wieder Probleme mit Rohrbrüchen, sodass immer noch „so schnell wie möglich eine Interimslösung her muss.“ Allerdings stehe man jetzt nicht mehr so mit dem Rücken zur Wand:

Die Interimslösung wird bestimmt eineinhalb Jahre laufen. Jetzt haben wir für die Planung mehr Zeit und Spielraum.

Bernd Kuntze-Fechner (SPD) sieht den Aufschub in Bezug auf die zwischenzeitliche Lösung ebenfalls positiv: „Jetzt muss die Interimslösung nicht so übers Knie gebrochen werden und ich bin froh, dass wir aus dem Zeitdruck ein wenig rauskommen.“

Artenschutz geht vor

Auch Markus Trinkl (Wiesseer Block) „finds a sau guade Sach.“ Er sehe es als Vorteil, dass der Abriss dann im Herbst in einem Rutsch erledigt werden kann. Mit dem Abriss-Datum im Januar „hätte es gut gehen, aber eben auch bitter böse enden können.“ Die Vorschriften der Naturschutzbehörde müsse man akzeptieren:

Die Viecher kean hoid g’schützt.

Vize-Bürgermeister Robert Huber äußerte sich gestern ebenfalls zu der überraschenden Wendung rund um das Jodbad-Areal: „Wir haben es hier mit einem Riesenprojekt zu tun – wir sollten uns also langsam damit abfinden, dass es immer wieder Verzögerungen und Änderungen gibt.“ Huber kann dem Ganzen nur etwas Positives abgewinnen:

Wie lang musste man warten bis in Kaltenbrunn oder am Gmunder Maximilian was passiert? Auch das Guggemoos in Tegernsee steht leer. Es gibt etliche Beispiele hier im Tal. Wir haben hier ein tolles Projekt in Bad Wiessee – andere Gemeinden würden sich sowas wünschen.

Bad Wiessee sei mit dem Jodschwefelbad, dem Lindenplatz, den Planungen rund um die Seepromenade und anderen Projekten „bayernweit einzigartig.“ Laut dem Vize-Bürgermeister sei man außerdem voll in der Planung – trotz einiger Verzögerungen.

Doch das neue Abriss-Datum hat auch Auswirkungen auf die Planungen des millionenteuren Badehauses. Bürgermeister Höß rechnet nicht damit, dass das neue Badehaus vor dem zweiten Halbjahr 2018 fertig gestellt ist und in Betrieb gehen kann.

So ähnlich sollte das geplante Hotel auf dem Wiesseer Jodbad-Areal aussehen. Doch Architekt Matteo Thun hat neue Ideen für die Fassade.
So ähnlich sollte das geplante Hotel auf dem Wiesseer Jodbad-Areal aussehen. Doch Architekt Matteo Thun hat neue Ideen für die Fassade.

SME-Manager Kamelger gab neben des neuen Abriss-Datums allerdings noch weitere Neuerungen rund um das Jodbadareal bekannt: „Wir sind auch in anderen Bereichen mit großer Euphorie in unserer Planung weitergekommen“.

So habe man gemeinsam mit dem Team des Architekten Matteo Thun den Spa- und Sportbereich überarbeitet und überlegt, wie man die Wandelhalle trotz der Denkmalschutz-Probleme gastronomisch weiter nutzen kann. Felix Penner, zuständiger Chief Hospitality Officer der SME-Gesellschaft, gibt zwar noch keine Einzelheiten bekannt, ist jedoch zufrieden:

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem ich das erste Mal sagen kann, dass das gastronomisch 100 prozentig gut funktionieren wird.

Auch wird es Änderungen an der Fassade des geplanten Hotels geben, verriet Kamelger: „Matteo Thun kommt immer wieder mit neuen, besseren Ideen.“ Höß äußerte Neugier: „Wir sind alle schon gespannt.“ Doch diese Spannung wird wohl noch andauern, denn Kamelger vertröstete die Gemeinderäte abschließend mit den Worten: „Noch ist es eine Spur zu früh, um ihnen die neue Fassade zu zeigen.“

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