Käfers Kniff auf einen Blick

von Nicole Kleim

Lange Zeit lag Gut Kaltenbrunn in Gmund brach. Bis der Münchner Gastronom Michael Käfer ein Konzept vorlegte. Mit seinen Plänen sorgt Käfer allerdings für Unruhe im Tal. Für das „Event-Areal“ benötigt er nämlich Parkplätze. Und die Gemeinde verschafft sie ihm – mitten im Landschaftsschutzgebiet. Hier ein chronologischer Überblick.

Alles auf einen Blick: Gut Kaltenbrunn - die Wiesenfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll zum Teil Parkplatz-Areal werden.
Alles auf einen Blick: Gut Kaltenbrunn – die Wiesenfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll zum Teil Parkplatz-Areal werden.

Juli 2008: Gut Kaltenbrunn soll zum Luxushotel umgebaut werden. Naturschützer protestieren dagegen. Der Einspruch wird vom Bayerischen Verfassungsgerichtshofs bekräftigt. Der Bebauungsplan missachtet nach Ansicht des Gerichts die „Belange des Denkmalschutzes“ und greift in die „natürliche Eigenart der Landschaft“ ein.

September 2013: Die Blue Lion GmbH, eine Gesellschaft der Münchner Unternehmerfamilie Schörghuber und Hausbesitzer von Gut Kaltenbrunn, kündigt den Münchner Promi-Wirt Michael Käfer als neuen Pächter auf Gut Kaltenbrunn an. Der Gmunder Gemeinde liegen bereits erste Baupläne vor. Ein Restaurant mit Biergarten für rund 600 Gäste ist angedacht, eine neue Terrasse im Hang sowie ein zweiter Biergarten mit Selbstbedienung. Das Salettl soll abgerissen und neu gebaut werden. Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing befürwortet das Vorhaben und freut sich über die Wiederbelebung des historischen Vierkanthofes.

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Oktober 2013: Der Gmunder Bauausschuss stimmt einstimmig für den vorgelegten ersten Bauabschnitt der Blue Lion GmbH. Das Konzept sieht vor, auch den ehemaligen Rinderstall als Veranstaltungsraum zu nutzen. Ein Konzept für den Pferdestall wird nicht vorgelegt. Bürgermeister Georg von Preysing erklärt, dies sei „ein guter Startschuss für Gut Kaltenbrunn.“ Johann Stückler (FWG) bedauert einzig und allein die fehlenden Hotelbetten. Christine Zierer (FWG) weist auf die Ortsgestaltung für das Projekt hin und erhält vom Bürgermeister die Antwort: „Unsere Satzung spielt eine untergeordnete Rolle. Das letzte Wort hat das Landratsamt.“

2014-2015: Die Umbauarbeiten laufen unter dem wachen Auge der Tegernseer Schutzgemeinschaft (SGT), deren Mitglieder auf einen sensiblen Umgang mit dem Kulturgut achten möchten.

25. Juni 2015: Nach zehn Jahren Pause öffnet Gut Kaltenbrunn wieder seine Tore für die Öffentlichkeit. Anlaufschwierigkeiten zeigen sich aufgrund zu hoher Preise, einer zwei-Klassen-Biergarten-Einteilung sowie einer chaotischen Parkplatz-Situation im Innenhof.

Januar bis März 2016: Michael Käfer will für größere Veranstaltungen die Wiese direkt am Gut als zusätzliche Parkfläche nutzen. Ein Bauantrag für 100 bis 120 Parkplätze wird vom Gemeinderat abgelehnt. Stattdessen schlägt man ihm als Alternative die Wiese oberhalb der Bundesstraße vor. Daraufhin finden mehrere Gespräche mit der Gemeinde statt.

Allen Verantwortlichen ist klar: Vor allem in den Sommermonaten ist die Parkplatz-Situation problematisch, wenn Wanderer, Radlfahrer und Seebesucher die freien Flächen um Gut Kaltenbrunn als Parkplatz nutzen. Verschiedene Varianten werden durchgesprochen. Michael Käfer und auch Gut Kaltenbrunn-Geschäftsführer Markus Kemeter pochen auf eine „naturverträgliche“ Parkplatz-Lösung mit Schotter und Kies. Sie führen dazu Gespräche mit dem Landratsamt und dem Naturschutzbund. Die Verantwortlichen einigen sich schließlich darauf, die Wiese oberhalb des Gutes an der Bundesstraße als Parkplatzfläche auszuweisen. Ende Mai soll der Gemeinderat über den Antrag entscheiden.

Das Parken entlang der Kaltenbrunner Straße wird nun mit Strafzetteln bestraft.
Selbst die Kaltenbrunner Straße nutzen Wanderer und Seebesucher als Parkplatz.

März 2016: Die Schutzgemeinschaft wendet sich erstmals schriftlich an Michael Käfer, bittet um Berücksichtigung des Kulturguts Kaltenbrunn und schlägt den Volksfest-Parkplatz, die Kreuzstraße sowie einen Shuttle-Bus als Alternativen zur Wiese vor.

Mai 2016: Pünktlich zum 1. Oktober muss die Blue Lion GmbH den als Event-Areal geplanten ehemaligen Rinderstall samt Tenne übergeben. Die Umbauarbeiten laufen in vollem Gange. Mit Fertigstellung ist Platz für weitere 600 Gäste geschaffen. Die Parkplatz-Situation ist noch immer nicht gelöst.

31. Mai 2016: Der Gemeinderat vertagt das Kaltenbrunner Parkplatz-Thema, und damit den Bauantrag für 100 bis 120 Stellplätze oberhalb des Gutes.

14. Juni 2016: Mit einem Ergebnis von 8:1 stimmt der Gmunder Gemeinderat dem Antrag der Blue Lion GmbH zu, das ehemalige Räucherhaus zu sanieren, um es als Veranstaltungsraum für ungefähr 20 Personen nutzen zu dürfen. Vier weitere Stellplätze muss Gut Kaltenbrunn mit dieser Nutzungsänderung noch nachweisen. Das Parkplatz-Chaos, vor allem an schönen Wochenenden, geht weiter.

15. Juni 2016: Die Rottacher Nachbar-Gemeinderatsmitglieder Thomas Tomaschek (Grüne) und Anastasia Stadler (CSU) legen ihr Augenmerk auf Käfers Parkplatz-Situation. Rottachs Bürgermeister Christian Köck wiegelt ab: „Das ist Gmunder Angelegenheit.“

20. Juni 2016, mittags: Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) trifft sich mit Michael Käfer und dessen Geschäftsführer Markus Kemeter auf Gut Kaltenbrunn. Ein Gespräch soll die Parkplätze verhindern. Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck kämpft mit Argumenten für den Erhalt der Naturschutzfläche, Michael Käfer jedoch weicht nicht von seinem Parkplatz-Vorhaben ab.

20. Juni 2016, abends: Das Parkplatz-Thema wird im Gemeinderat behandelt. Zwölf Gmunder Gemeinderäte stimmen für eine „öffentliche Widmung“ der Wiesenfläche. Damit ist eine Herausnahme der Wiesenfläche aus dem Landschaftsschutzgebiet gesetzlich nicht mehr nötig und bedarf zudem keiner Zustimmung des Kreisrats, der das Vorhaben eventuell hätte stoppen können. Für Bau, Bewirtschaftung und Instandhaltung soll Michael Käfer verantwortlich sein.

Der von Michael Käfer erarbeitete Vorschlag für einen 15 Meter breiten und 165 Meter langen Parkplatz auf der Wiese nördlich der Bundestraße stößt bei Gemeinderätin Laura Wagner (Bündnis90/Grüne) auf Ablehnung: „Normalerweise darf ein Privatunternehmer auf der Wiese nichts errichten. Wir müssen den Mut haben, NEIN zu sagen.“ Der zweite Bürgermeister Georg Rabl (FWG) betrachtet den Bau als „Sündenfall“ und kritisiert die Vorgehensweise von Michael Käfer. Dieser habe eine Nutzungsänderung des Innenhofes für Veranstaltungen genehmigt bekommen. Damit fallen die dort vorhandenen Parkplätze weg. Alfons Wagner (CSU) betont, der Parkplatz sei in der geplanten Form – wasserdurchlässig, aufgeschottet, begrünt – ein „notwendiges Übel“. Fraktionskollegin Martina Ettstaller kommentiert: „Da hat uns Käfer über den Tisch gezogen.“

21. Juni 2016: Für die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) ist eine Petition die letzte Chance, um die Parkplätze zu verhindern. Sie will nun mithilfe eines Anwalts die ihr verbleibenden rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen.

27. Juni 2016: Wie Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts Miesbach, auf Anfrage mitteilt, sei das Landratsamt von Anfang an in die Planungen mit einbezogen worden. Eine Befreiung der Wiesenfläche aus dem Landschaftsschutz sieht man dort als durchaus denkbar an. Allerdings lägen dem Landratsamt die Planungsunterlagen noch nicht vor. Diese müssten erst unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien wie beispielsweise Größe der betroffenen Fläche, Massivität des Eingriffs sowie auf landwirtschaftliche Auswirkungen hin geprüft werden. Dabei beziehe man sich auf den Paragrafen 67 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und die Rechtsprechung dazu. Dieser besagt, dass ein Antrag auf Befreiung unter anderem auch dann gewährt werden kann, wenn dies „aus Gründen des überwiegend öffentlichen Interesses, einschließlich sozialer und wirtschaftlicher Art notwendig ist.“

Trotz “öffentlicher Widmung” soll der Parkplatz mit einer Schranke abgesperrt werden, wie es vor dem Beschluss des Gemeinderats hieß. Ob das “chaotische Wildparken” damit für Badegäste und Wanderer beendet wäre, wird sich zeigen. Zumindest sind Gut Kaltenbrunn zwei Dinge erspart geblieben: der Bauantrag und die öffentliche, politische Debatte in einem kritischeren Gremium wie dem Gmunder Gemeinderat.

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