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Aus 800 Quadratmetern Verkaufsfläche werden 1.000

Stadt segnet Lidl-Erweiterung ab

Von Christopher Horn

Zweite Ergänzung vom 30. Oktober / 12:17 Uhr
Seit Anfang letzten Jahres liegt der Stadt Tegernsee ein Antrag des Discounters Lidl auf dem Tisch, der für reichlich Gesprächsstorf sorgt. Denn der in Tegernsee-Süd gelegene Supermarkt möchte seine Verkaufsfläche von 800 auf 1.000 Quadratmeter vergrößern.

In aller Kürze hatte der Tegernseer Bauausschuss die Thematik auf der gestrigen Sitzung erneut auf der Agenda und segnete das Vorhaben mit sechs zu zwei Stimmen ab.

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Der Lidl in Tegernsee Süd an der Schwaighofstraße. Von Außen wird sich auch nach der Erweiterung der Verkaufsfläche um 200 Quadratmeter nichts ändern.
Der Lidl in Tegernsee-Süd an der Schwaighofstraße. Von Außen soll sich auch nach der Erweiterung nichts ändern.

„Es geht nur noch um die nötigen Änderungen des Bebauungsplanes und um die zu erteilende Baugenehmigung“, machte Bürgermeister Peter Janssen seinen Ratskollegen klar. Der Rest sei laut Janssen ja aus diversen Sitzungen bekannt. So mussten beispielsweise noch die für die veränderte Nutzung erforderlichen Einwohnergleichwerte zugeteilt werden.

Wurde Tegernsee hinters Licht geführt?

So beschrieb Janssen zusammen mit Bauamtsleiter Christine Lang auch wie der „neue“ Lidl gestaltet sein soll. Die 200 Quadratmeter Flächengewinn für den Verkauf von Waren werden nicht etwa durch einen Anbau erzielt, sondern durch eine Verkleinerung des Lagers. Hierfür soll die rückseitige Wand, an der derzeit noch das Kühlregal angebracht ist, weggenommen und nach hinten versetzt werden. „Ansonsten ändert sich nichts“, so Lang.

Peter Hollerauer war und ist gegen die Absichten der Lidl Dienstleistungs GmbH & Co. KG. „Schon bei der Erbauung hat man die Stadt wohl hinters Licht geführt und meines Erachtens nach bereits damals mit der größeren Verkaufsfläche geplant.“ Dieser Auffassung schloss sich auch Andrea Köstler mit einem kurzen Statement an: „Ich bin der gleichen Meinung“. So stimmten Hollerauer und Köstner, beide Freie Wähler, gegen die Erweiterung der Verkaufsfläche. Entkräftet wurde die Unterstellung indes von keinem der anwesenden Räte. Und auch Bürgermeister Janssen wollte sich zu dem Verdacht nicht äußern.

Weitere Wortmeldungen zur Erweiterung – außer natürlich bei der Abstimmung selbst – gab es bei der gestrigen Sitzung des Tegernseer Bauausschusses nicht mehr. So hat die Stadt mit der Absegnung der Baugenehmigung einer Erweiterung der Verkaufsfläche auf 1.000 Quadratmeter nun final zugestimmt. Das letzte Wort in dieser Sache hat allerdings das Landratsamt Miesbach

Ergänzung vom 29. Mai mit der Überschrift: “Kampf um Größe geht weiter”
Der Weissacher Aldi und der Lidl in Tegernsee-Süd liegen nur 2.600 Meter auseinander. Mit dem Auto sind das, bei ausgeprägter Grünphase im Rottacher Zentrum, maximal vier Minuten.

Als der nach dem Brand wieder errichtete Aldi mit einer um 15 Prozent größeren Verkaufsfläche eröffnete, war es also nur eine Frage der Zeit, bis die Lidl-Chefs ihren Draht zum Tegernseer Stadtrat nutzen würden.

Trotz positivem Verträglichkeitsgutachten kritisierte Bürgermeister Peter Janssen im Dezember 2010 die Erweiterung des Supermarktes auf Kreuther Gemeindegebiet. Wörtlich sagte Janssen damals zu den geplanten 1.000 Quadratmeter Verkaufsfläche:

Insgesamt meine ich, sollte man die Sache schon ernst nehmen. Alleine aufgrund der Größe der Märkte. Denn das schaukelt sich immer weiter hoch.

Ein Jahr später war dann von Hochschaukeln keine Rede mehr. Eine “gemäßigte Erweiterung auf 1.000 Quadramter Fläche”, so Janssen im Februar 2012, sei im Sinne der Lidl-Kunden und damit auch im Sinne der Stadt. Für Lidl selbst bedeutet die Erweiterung keine Ausweitung des Sortiments. Lediglich eine attraktivere Präsentation der Waren soll dadurch ermöglicht werden.

Auf der letzten Stadtratssitzung wurden die Einwände gegen das Vorhaben präsentiert. Und auch auf die Sorgen von Teilen des Stadtrates ist die Verwaltung eingegangen. Laut einem Gutachten der Gesellschaft für Markt und Absatzforschung muss die umliegende Geschäftswelt keinerlei negativen Folgen befürchten, so Geschäftsleiter Hans Staudacher.

Wie schon vor drei Monaten wurde der Antrag von der Mehrheit des Stadtrates abgesegnet. Nur die Freien Wähler und Thomas Mandl von der SPD lehnten das Vorhaben erneut ab. Vor allem Umsatzeinbußen für die lokalen Geschäfte werden von den beiden Parteien immer noch als das größte Risiko einer Flächenerweiterung angesehen.

Ob auch die Bürger und die örtlichen Geschäfte das so sehen, wird man nach der öffentlichen Auslegung sehen.

Ursprünglicher Artikel vom 1. Februar:
Der vor zwei Jahren in Tegernsee-Süd eröffnete Lidl möchte seine Verkaufsfläche vergrößern. Der Grund ist simpel: Die Lidl-Manager fühlen sich durch den mit mehr Verkaufsfläche wieder errichteten Weissacher Aldi benachteiligt.

Der Kampf der Discounter am Tegernsee geht weiter. Und mittendrin standen gestern die Stadträte der Stadt Tegernsee.

Nach dem verherrenden Brand des Aldi in Weissach – nur zwei Tage vor der Eröffnung des Lidl – wurde der Discounter im vergangenen Jahr wieder errichtet. Von der Grundfläche das absolut identische Gebäude, hat Aldi im Zuge des Wiederaufbaus dagegen die Verkaufsfläche von 850 auf 1.000 Quadratmeter vergrößert.

Bereits Anfang vergangenen Jahres war die Vergrößerungsaktion vom Tegernseer Stadtrat mit einiger Kritik aufgenommen worden. Man befürchtete einen gewichtigen Nachteil für den nur wenige Kilometer entfernten eigenen Discounter in Tegernsee-Süd.

Von Aldi finanziertes Gutachten gab Aldi recht

Das damals neu vorgelegte Verträglichkeitsgutachten der Firma Aldi zeigte indes, dass die Sorgen unbegründet waren. Und so stellte der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider Anfang Februar 2011 fest:

Die Situation hat sich, auch durch den neuen Lidl, nicht geändert. Und die Kriterien für ein Einzelhandelsgroßprojekt sind nicht erfüllt. Insofern wird der Einwand der Stadt Tegernsee zur Kenntnis genommen, hat jedoch keine Auswirkungen.

Aldi durfte seine neue Verkaufsfläche behalten. Der Tegernseer Stadtrat musste die Entscheidung hinnehmen. Doch die Worte von Bürgermeister Peter Janssen von Ende 2010 klangen nach:

Insgesamt meine ich, sollte man die Sache schon ernst nehmen. Alleine aufgrund der Größe der Märkte. Denn das schaukelt sich immer weiter hoch.

Gestern nun wurde die nächste und möglicherweise letzte Stufe des “Discounter-Wettrüstens” erreicht. Der Tegernseer Stadtrat hatte über eine geplante Vergrößerung der Lidl-Verkaufsfläche zu entscheiden. Und nicht alle Stadträte folgten der Meinung des Bauausschusses.

Kritische Stimmen aus dem Lager der Freien Wähler

Die Lidl-Führung macht in ihrer Stellungnahme klar, dass die Vergrößerung nicht zu einer Sortimentserweiterung führen werde. Im Sinne der Kunden wolle man nur die Regalsituation auflockern. Eine ansprechendere Präsentation der Waren sei das Ziel, so Lidl.

Laut Max Stühler (FWG) eine Argumentation, die jeglicher Grundlage entbehrt.

Wenn der Aldi aus irgendwelchen Gründen auf 1.500 Quadratmeter erweitert werden soll, dann sollen wir als Stadtrat das dem Lidl dann auch genehmigen?

Ich fühle mich durch diese Begründung für dumm verkauft. Denn selbstverständlich ist eine Sortimentserweiterung und damit auch eine Umsatzausweitung geplant. Und das bedeutet auch gleichzeitig eine Kaufkraftabziehung, die wir hier im Ort spüren werden.

Und Andreas Obermüller, Fraktionssprecher der Freien Wählern, stellte klar, dass die 800 Quadratmeter Verkaufsfläche im Vorfeld der Genehmigung eine magische Grenze gewesen seien. “Damals wurde von Lidl definitiv versichert, dass es bei dieser Größe bleiben werde. Und heute ist das Makulatur.”

Für Peter Janssen keine Gründe, die “gemäßigte Vergrößerung” nicht zuzulassen. Gespräche zwischen Lidl und dem Bürgermeister habe es zwar im Vorfeld gegeben. Jedoch wurden laut Janssen keine Abmachungen getroffen. Es sei nur um einen reinen Informationsaustausch gegangen.

In namentlicher Abstimmung entschied sich der Tegernseer Stadtrat mit 10 zu 6 Stimmen für die Vergrößerung. Die Fraktionsmitglieder der CSU und der Bürger Liste stimmten dafür. Die Freien Wähler und Thomas Mandl von der SPD stimmten dagegen.

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