Die neuesten Nachrichten aus dem Tegernseer Tal. Der kostenlose Newsletter der Tegernseer Stimme täglich um 18 Uhr

Keimalarm in Rottach-Egern

Verunreinigtes Trinkwasser ist das Horrorszenario jeder Kommune. Vor vier Wochen traf es Anwohner im Ortsteil Hagrain. Sie wurden vom Gesundheitsamt aufgefordert, ihr Leitungswasser abzukochen. Erst jetzt wurde der Fall öffentlich.

Die Wotanstraße. Betroffen waren die Haushalte auf der linken Straßenseite. Sie gehören zum Wasserverbund Hagrain.
Die Wotanstraße. Betroffen waren die Haushalte auf der linken Straßenseite. Sie gehören zum Wasserverbund Hagrain.

Nur spärlich dringt der Fall der „coliformen Bakterien“ in Rottach-Egern an die Öffentlichkeit. Erst ein Hinweis an die Tegernseer Stimme bringt nun Licht in das Dunkel. Nach Wasserprobenentnahmen in der Wotanstraße zog das Landratsamt vorsichtshalber die Reißleine und verordnete ab dem 24. Oktober eine „Abkochverfügung“, wie Pressesprecher Birger Nemitz auf Anfrage bestätigt.

Es gab in Rottach-Egern einen auffälligen Befund mit coliformen Keimen in einem Leitungsstrang. Die Anwohner in der Wotanstraße mussten das Trinkwasser abkochen. Die Wasserversorgung wurde sofort auf den sogenannten Notverbund des Wasserversorgungsvereins Egern (WVV-Egern) umgestellt.

Der betroffene Leitungsstrang gehöre der Wassergemeinschaft Hagrain, einem privaten Wasseranbieter. Ursache für die Verkeimung sollen Sanierungsmaßnahmen gewesen sein. „Diese Bauarbeiten waren wohl ein einmaliger Auslöser die Schadstoffbelastung“, so Nemitz. Der Wasserversorger müsse regelmäßig einmal monatlich den Befund seines Wassers dem Gesundheitsamt liefern.

„Am 11. November wurden die Proben wieder kontrolliert und die Abkochverfügung wieder aufgehoben. Danach entsprach das Leitungswasser wieder der Trinkwasserverordnung. Woher die Kolibakterien kommen, weiß man nicht“. Ob menschliche oder tierische Darmbakterien in den anfänglichen Proben waren, sei nicht bekannt.

Wie gefährlich sind coliforme Bakterien?

Betroffen vom verunreinigten Wasser war auch Helene Schauer in der Wotanstraße. Sie bestätigt, dass in ihrer Küche die Wasserproben entnommen wurden. „Ich bin dann von der Hausverwaltung verständigt worden, dass wir uns Wasser abkochen müssen“. Dies habe fast drei Wochen gedauert.

Wir ihr sei es etlichen Anwohnern in der Wotanstraße gegangen. Den Hinweis an die TS, dass „schon etliche Leute krank geworden“ seien, wollte Nemitz nicht bestätigen. Davon sei ihm nichts bekannt. Bekannt war ihm auch nicht, wie viele Haushalte davon betroffen waren. Die Wasserversorgung Hagrain war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch dieses Haus war von der Abkochverordnung des Gesundheitsamtes betroffen.
Auch dieses Haus war von der Abkochverordnung des Gesundheitsamtes betroffen.

Coliforme Bakterien, zu denen auch die Salmonellen, Klebsiellen oder Enterobakterien gehören, seien eigentlich harmlos. Bei ihnen würde es sich um eine ganze Gruppe von Bakterien handeln, die sich bei Menschen und Tieren im Darm ansiedeln, urteilen Mediziner. Coliforme Bakterien seien grundsätzlich zunächst einmal nicht schädlich und in der Regel ganz normale Darmbewohner, die bei der Verdauung helfen. Doch wie bei allen Erregern oder Schadstoffen gelte, dass die Gefahr von der Menge abhänge.

„Bis zu einer bestimmten Menge im Körper ist alles in Ordnung, in übermäßiger Anzahl können sie aber zu Magen-Darm-Infektionen führen“, sagt Allgemeinmediziner Bernd Reitz. Gefährdet sind dann vor allem Säuglinge und Kleinkinder, aber auch kranke oder alte Menschen. Denn Magen-Darm-Infekte können mit Durchfall oder Erbrechen zu einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel führen. „In der Regel ist eine Brech-Durchfall-Erkrankung nach ein paar Tagen ausgestanden“, so der Mediziner, „wenn die Beschwerden aber länger anhalten oder ungewöhnlich schwer sind, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.“


Aktuelle Jobangebote aus der Region

Seit dem 25. Mai 2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Wir haben unsere Seite und das Kommentarsystem technisch umgestellt und so DSGVO-konform gemacht.

Das bedeutet für die Kommentarfunktion, dass man sich zum Kommentieren bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden muss. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Das Lesen der Kommentare ist selbstverständlich weiterhin möglich. Sie müssen nur auf den unten stehenden Button "Kommentare anzeigen" klicken.

Anzeige | Hier können Sie werben
Tegernseerstimme

Tegernseerstimme