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Stadtrat sieht „Schokoladenseite“ in Tegernsee gefährdet

Kein Feuerwehrbootshaus am See

Wie berichtet, sollte der Stadtrat über die Unterbringung des Mehrzweckbootes entscheiden. Kommt es in einen Bootshausneubau oder in das neue Feuerwehrhaus, war gestern Abend die Frage.

Neben dem Pumpenhaus am Ortseingang von Tegernsee war ein alternativer Standort für das Feuerwehrbootshaus geplant.

Es ist acht Meter lang und wiegt 1.000 Kilogramm, das Mehrzweckboot der Feuerwehr. Bislang ist es im alten Feuerwehrhaus untergebracht und wird im Einsatzfall unweit der Seesauna ins Wasser gelassen. Bei dem geplanten Neubau des Feuerwehrhauses für rund sechs Millionen Euro geht es um jeden Meter, in dem die Fahrzeuge, Umkleiden und Schulungsräume untergebracht werden sollen.

Daher entbrannte schon vor Wochen eine Diskussion, ob das Boot entweder in einer eigenen Hütte am See oder beim neuen Feuerwehrhaus untergebracht werden könnte. Schließlich sei davon die Anzahl der Garagen und damit die Größe des neuen Gebäudes abhängig.

Bootshütte verursache Mehrkosten von 185.000 Euro

Wie hoch denn die Ersparnisse seien, wenn eine Garage eingespart werden könnte, lautete eine Anfrage der BürgerListe an die Architektin Claudia Schreiber. „Bei Herausnahme einer Garage würden sich die Kosten durch die Reduzierung der Baufläche um 334.000 Euro reduzieren“, so die Antwort darauf von Schreiber, die Bauamtsleiterin Bettina Koch zitierte.

Dem gegenüber stünden aber die Kosten von etwa 500.000 Euro für den Neubau eines Bootshauses. Der Nachteil zum Garagenstellplatz aber sei, so Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), „dass der Neubau eines Bootshaus nicht gefördert wird“ und die Stadt letztlich etwa 185.000 Euro an Mehrkosten für ein Bootshaus „drauflegen“ müsste.

Nun soll das Boot doch im neuen Feuerwehrhaus (hier ein Modell des Kubus) untergebracht werden.

Dazu hatte die Architektin auf Antrag der Verwaltung die Vor- und Nachteile von fünf möglichen Standorten am See von Nord nach Süd ausgearbeitet. Einer befand sich gleich am Ortseingang beim Pumpenhaus, das auf einem schmalen Uferstreifen steht. Ein Bootshaus hier wäre im Einsatzfall relativ schnell zu erreichen, doch Richtung Süden wäre an der Bundesstraße eine Staugefahr wahrscheinlich.

Dagegen spreche auch eine geringe Wassertiefe. Der Vorteil aber wäre ein geringer Erschließungsaufwand und Stellplätze für Einsatzfahrzeuge. Weitere Alternativstandorte waren die „Liselotte“-Anlage, deren Grundstückseigentümer der Freistaat ist, der Dampfersteg bei der Seesauna, der Bereich der Herzoglichen Hoffischerei südlich des Gymnasiums und an der Point im Anschluss an die Seenverwaltung mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Studie zeigt fünf Standort-Alternativen

Bedenken hatte die Feuerwehr angemeldet. Bisher sei die Ausbringung des Bootes „mit keinen großen Problemen verbunden“.. Diese Abläufe würden sich bei einer dauerhaften Unterbringung in einem Bootshaus „grundlegend ändern“, wenn es ohne Slip-Anlage oder eigene Verlademöglichkeit geplant wäre.

Bei auswärtigen Einsätzen, die aber nur etwa fünf Prozent ausmachen würden, müsste die Feuerwehr das Boot zügig aus dem Wasser und auf die Straße bringen können. Dies sei sehr zeitaufwändig und keine „optimale Lösung“, so die Stellungnahme von Feuerwehrkommandant Wolfgang Winkler. Erforderlich sei neben einer „Laufkatze“, um das Boot mit einem Trailer aus dem Wasser zu bringen, auch ein Raum zur Lagerung der speziellen Kleidung für den Wassereinsatz.

In der Studie von Schreiber, die sich auf alle Standorte übertragen ließe, hätte das Bootshaus eine Größe von 16 auf acht Metern. Die Slip-Anlage mit Trailer wäre getrennt. Damit wäre das Bootshaus ein separater Standort mit entsprechendem Unterhaltungsaufwand. Außerdem würde der See zusätzlich verbaut werden, der Landschaftsschutz beeinträchtigt werden und das Bootshaus im Überschwemmungsgebiet liegen. Der Vorteil wäre allerdings die wesentlich geringeren Ausrückzeiten mit drei, statt acht Minuten.

Der Bootshaus-Joker

Zur Sprache kam durch Heino von Hammerstein auch eine Anregung der BürgerListe, den Stellplatz für das Boot auf dem Schulgelände bei den Containern gegenüber dem Feuerwehrhaus vorzusehen. Doch diese Idee war wieder schnell vom Tisch, denn für Florian Widmann (CSU) müssten hier die Einsatzkräfte über die Straße laufen.

„Das wäre ein Schritt zurück“, fasste Peter Schiffmann (SPD) die Mehrheitsmeinung gegen eine Bootshalle auf dem Schulgelände zusammen. „Ich kann hier auch keine Einsparung sehen, wenn wir dort eine weitere Halle bauen“, pflichtete Hagn bei. Klar wurde allerdings auch, dass in späteren Jahren ein Bootshaus eine Option sein könnte, wenn der Platz im neuen Feuerwehrhaus nicht mehr ausreiche.

Das Feuerwehrboot bekommt keine eigene Halle, sondern wird nach Abriss des alten Feuerwehrhauses (rechts) im neuen untergebracht.

„Dann haben wir mit einem Bootshaus immer noch einen Joker“, so Schiffmann. Jetzt sei das Boot im Feuerwehrhaus für die nächsten 15 bis 20 Jahre die beste „All-in-One“-Lösung, bekräftigte Andreas Obermüller (FWG). „Lieber oben größer“, so Bernhard Mayer (CSU) und für Parteifreund Rudolf Gritsch steigt mit „einem zweiten Gebäude am See die Komplexität“.

Nachdem man auch mit Landschaft und Geldern sorgsam umgehen müsse, spreche auch für ihn, so Thomas Mandl, „die „All-in-One“-Lösung. „Ich möchte heute eine Grundsatzentscheidung: Für oder gegen ein Bootshaus am See“, forderte Hagn. Denn man rede womöglich von zwei relativen hohen Gebäuden am See.

Was man oben im Ort mit einem vielleicht kleineren Feuerwehrhaus gewinne, „verlieren wir am See an unserer Schokoladenseite, wo alle draufschauen“. Womöglich deshalb nahm der Stadtrat dann von der Errichtung eines Bootshauses einstimmig „Abstand“.


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