Deutsche Rentenversicherung stellt Alternativplanung in Aussicht
Tegernsee: Klinik-Betreiber lenkt ein

von Steffen Greschner

Zweite Aktualisierung vom 20. Dezember / 19:53 Uhr
Nun also doch. Nach der massiven Kritik an den Neubauplänen der Orthopädischen Klinik auf der Point will sich die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd Gedanken über Nachbesserungen machen.

So bedauert DRV-Pressesprecher Jan Paeplow, dass bisher der Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden sei, die DRV wäre nicht kompromissbereit. „Das ist keineswegs der Fall“.

An den bestehenden Plänen wollte die Deutsche Rentenversicherung bisher nicht rütteln.
An den bestehenden Neubau-Plänen wollte die Deutsche Rentenversicherung bisher nicht rütteln.

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Bereits früher hatte der DRV-Sprecher mehrfach betont, dass man die Klinik an der Point wirtschaftlich betreiben müsse. „Dies sei nicht gleichzusetzen mit gewinnorientiert“, so Paeplow gegenüber dem Merkur.

Dabei hatten sich die Betreiber in der Vergangenheit nur wenig kompromissbereit gezeigt. Die vorliegende Planung, so erklärte es in der vergangenen Woche beispielsweise Elisabeth Häusler, Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, sei alternativlos:

Selbstverständlich haben wir auch alternative Lösungen geprüft, mussten dabei aber immer wieder feststellen, dass ein wirtschaftlicher Klinikbetrieb nicht möglich wäre.

Die klare Haltung der DRV mündete in einer Pressemitteilung, die kurz vor der entscheidenden Sitzung des Tegernseer Stadtrates verschickt wurde und den Räten die Tragweite ihrer Entscheidung klar machen sollte. Ohne Neubau keine Klinik in Tegernsee, so der Tenor. Eine Drucksituation, der das Gremium am Ende nachgab.

Doch die vielen Unmutsäußerungen der vergangenen zwei Wochen, die klare Position, die unter anderem der Rottacher Gemeinderat am Dienstag bezog und der für morgen geplante Protestmarsch haben innerhalb der DRV scheinbar zu einem Umdenken geführt. Gegen die Bevölkerung möchte man keinen Klinikneubau durchdrücken – zumindest nicht in der derzeit vorgesehenen massiven Ausführung.

Alternativplanung in Aussicht gestellt

So kündigt Pressesprecher Paeplow an, dass die Betreiber die Planung soweit optimieren möchte, damit sie für alle passt. Dabei hat scheinbar auch der Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen seinen Anteil am Meinungsumschwung innerhalb der DRV. Das ist insofern überraschend, als sich Janssen im Rahmen der Stadtratssitzung am 3. Dezember vor die Pläne der Betreiber stellte und ein Ratsbegehren zu der vorliegenden Planungen klar ablehnte.

Nun soll also doch das vor zwei Wochen noch Unmögliche scheinbar möglich sein. Eine landschaftsschonendere Planung für den Neubau, eventuell weiter weg vom Seeufer und möglicherweise auch nicht mit den aktuell veranschlagten sechs Stockwerken scheint zumindest in Sichtweite. Und so erklärt Paeplow, dass man nun innerhalb der Deutschen Rentenversicherung neue Planungen erarbeiten wolle. Wie lange das dauert, ist dagegen offen.

Aktualisierung vom 6. Dezember / 12:06 Uhr
Die Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, Elisabeth Häusler, begrüßt die Entscheidung des Tegernseer Stadtrates zur Orthopädischen Klinik an der Point.

Ihrer Meinung nach falle mit dem neuen Bau der Eingriff in Natur und Landschaft möglichst verträglich aus. Gleichzeitig ist sie weiter von der Alternativlosigkeit der Planung überzeugt.

Die Grafik der Deutschen Rentenversicherung zeigt, wie das Gebäude aussehen wird.
Die Grafik der Deutschen Rentenversicherung zeigt, wie das Gebäude aussehen wird.

Heute, rund drei Tage nach der positiven Entscheidung des Stadtrates für die Orthopädische Klinik an der Point, meldet sich die Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd, Elisabeth Häusler, zu Wort und nimmt zu einigen Vorwürfen Stellung.

Neubau wirtschaftlich notwendig

So betont sie, dass eine Erweiterung zwingend notwendig sei, um die Klinik wirtschaftlich betreiben zu können. Dafür müsse allerdings auch zusätzlicher Flächenbedarf eingeplant werden, der im Wesentlichen daraus resultiere, dass die in gut 400 Meter Entfernung untergebrachten Patientenzimmer auf das Klinikgelände überführt werden.

Ebenso muss die Kapazität der Einrichtung um knapp 20 Patientenzimmer erhöht werden. Dies wird durch die aktuelle Planung gewährleistet. Alternativen, wie sie beispielsweise Stadtrat Andreas Obermüller (FWG) gefordert hatte, schließt Häusler auch weiterhin aus:

Selbstverständlich haben wir auch alternative Lösungen geprüft, mussten dabei aber immer wieder feststellen, dass ein wirtschaftlicher Klinikbetrieb nicht möglich wäre.

Häusler betont, dass ihr die wirtschaftliche Bedeutung der Klinik für die Stadt, sowie der landschaftliche Aspekt wichtig sind. „Deshalb haben wir die Stadt Tegernsee bereits sehr früh eingebunden, um zusammen eine Lösung für einen modernen und nachhaltigen Klinikbau zu finden“, so Häusler heute.

Verträgliche Eingriffe

Die Planung sei daher so gestaltet worden, dass die Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst verträglich ausfallen, meint Häusler. Zwar könne man über den Baukörper unterschiedlicher Meinung sein, ihrer Ansicht nach gelinge es durch die geschwungene Bauform jedoch, das „Bauvolumen optisch aufzulösen“.

Zudem würde durch weitere Maßnahmen, wie dem Bau der Tiefgarage oder der Errichtung eines Sichtschutzwalls an der Seeseite, dem Neubau der Eindruck eines Klinik- und Zweckgebäudes genommen, sodass ein möglichst homogenes Landschaftsbild entstehe. „Wir sind uns der besonderen Lage des Klinikgrundstücks bewusst“, erklärt die Geschäftsführerin im Namen der Deutschen Rentenversicherung, die die Klinik betreibt.

Ursprünglicher Artikel vom 4. Dezember mit der Überschrift: Kein Ratsbegehren zur orthopädischen Klinik
orthopaedische klinik tegernsee-2

Am gestrigen Abend sollte der Stadtrat über den Bebauungsplan der Orthopädischen Klinik in Tegernsee abstimmen. Nach Ansicht des Schaugerüstes fiel den Räten die Entscheidung allerdings nicht leicht. Von Dimensionen wie bei der Überfahrt war die Rede. Daher wollte Stadtrat Heino von Hammerstein die Bürger entscheiden lassen und ein Ratsbegehren auf den Weg bringen. Die Mehrheit des Gremiums sah das allerdings ganz anders.

Enormer Eingriff unbestritten

Von Beginn an war gestern Abend offensichtlich, dass die Entscheidung über die Orthopädische Klinik den Stadträten nicht leicht fallen würde. Denn, dass die Planungen der Deutschen Rentenversicherung „enorm“ sind, und der Eingriff in die Natur groß, das ist unbestritten. „Würde es sich um Eigentumswohnungen handeln, dann wäre unsere Entscheidung eindeutig“, stellte Bürgermeister Peter Janssen klar.

Da es sich bei der Klinik indes um einen wichtigen Arbeitgeber und auch Imageträger der Stadt Tegernsee handle, gelte es hier eine Abwägungsentscheidung zu treffen , so Janssen weiter. Knapp 26 Prozent der jährlichen Übernachtungen in Tegernsee entfallen auf die Klinik. Davon sind etwa 90 Prozent der Patienten nicht bettlägrig und würden die touristischen und gastronomischen Angebote der Stadt nutzen, erklärte der Bürgermeister in seiner Erklärung.

Außerdem sei die Klinik für die Stadt auch als Arbeitgeber wichtig. Mit der Entscheidung der Deutschen Rentenversicherung, den Standort in Tegernsee zu belassen, habe man 140 tariflich bezahlte, ganzjährige und damit auch familienfreundliche Arbeitsplätze gesichert. „In vielen anderen Betrieben ist es leider so, dass es schwierig ist eine Familie zu gründen“, meint Janssen.

Stadträte verunsichert

Zudem sei der Betrieb in Tegernsee bereits alt eingesessen und präge den Ort. Daher plädierte der Tegernseer Bürgermeister dafür, trotz der großen Eingriffe in die Landschaft, für den Bebauungsplan zu stimmen. Einige Räte hegten nach Ansicht des aufgestellten Schaugerüst allerdings arge Bedenken gegen den Neubau.

Es gehe immer darum, die ökonomische, die soziale und die ökologische Komponente in Einklang zu bringen, meinte beispielsweise Thomas Mandl (SPD). „Hier geht es nun darum, wie sehr man die ökologische Komponente gewichtet“, erklärte Mandl weiter. Und genau das schien unter anderem seinen Stadtratkollegen Florian Kohler von der BürgerListe zu beschäftigen. Zwar sei er eigentlich im tiefsten Innern für das Projekt, doch die Größe erschlage einen.:

Das ist ja ein riesiger Bau, ein sechsstöckiger Koloss.

Daher zeigte sich Kohler, unter anderem Geschäftsführer der Gmunder Papierfabrik unschlüssig darüber, wie er über das Projekt befinden sollte. „In meine Brust schlagen zwei Herzen. Am liebsten würde ich mich enthalten“, so Kohler.

Nicht bereit, die Pläne zu ändern

Andreas Obermüller (FWG) ärgerte sich jedoch auch noch über eine andere Sache. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Deutsche Rentenversicherung eine Änderung der Pläne von Vornherein kategorisch ausschließt“, so Obermüller. Dies hatte die Vorsitzende der Geschäftsführung, Elisabeth Häusler, bereits im Vorfeld den Räten schriftlich mitgeteilt.

Häusler lies gestern Mittag noch in einer zusätzlichen Pressemitteilung durchblicken, dass ohne Neubau auch die Klinik kaum zu halten sei. Aufgrund des Aufwandes sei man schlichtweg nicht bereit, die Pläne noch einmal zu ändern, interpretierte Janssen das Schreiben. Für Obermüller ein Unding, da in ähnlichen Verfahren normalerweise immer wieder Änderungswünsche des Stadtrates berücksichtigt wurden, wie gerade erst beim a-ja Hotel bewiesen.

Er könnte sich beispielsweise vorstellen, die Gebäude zur Straße hin zu verdichten, damit es in Richtung See nicht mehr so massiv wirkt. Zudem wies der FWG-Fraktionssprecher daraufhin, dass die Klinik nicht die einzige Alternative sei. „Dort ist auch eine andere Nutzung möglich. Das ist eines der Filetgrundstücke Tegernsees. Da würden wir bestimmt schnell jemanden finden“, so Obermüller.

Dem widersprach Janssen allerdings und erinnerte gleichzeitig an das Krankenhausareal, das bis heute leersteht. Damals habe man auch geglaubt, dass es schnell eine neue Nutzung geben würde. „Und ich würde mal sagen, von dem Weggang hat sich der Einzelhandel bis heute nicht erholt“, so Janssen.

Eine Ansicht, die auch Toni Staudacher (CSU) unterstützt. Alle Gemeinderäte müssten sich im Klaren sein, dass sie hier eine große Entscheidung für Tegernsee treffen. „Wenn wir die Pläne ablehnen, dann ist die Klinik früher oder später weg“, so Staudacher.

Ähnlich dominante Gebäude

Heino von Hammerstein (BürgerListe) wollte daher diese Last von den Schultern der Stadträte nehmen und schlug ein Ratsbegehren vor. Aus seiner Sicht wurde hier die Anpassung an die Landschaft nicht bewältigt. Doch darüber sollten die Bürger entscheiden.

Ein Ansinnen, das Norbert Schußmann (CSU) klar ablehnte. Diese Gremium sei gewählt worden, um genau solche Entscheidungen zu treffen. „Da braucht man sich jetzt nicht hinter einem Ratsbegehren verstecken“, so Schußmann.

So sah das aufgestellte Schaugerüst aus. Das gespannte Band simbolysiert die Dachrinne
So sah das aufgestellte Schaugerüst aus. Das gespannte Band symbolisiert die Dachrinne

Außerdem gäbe es schon ähnlich dominante Gebäude am See, wie beispielsweise die Überfahrt oder den Medical Park. Und nur weil etwas groß sei, muss es nicht automatisch hässlich sein. „Wir brauchen auch Wirtschaftsunternehmen in Tegernsee“, so Schußmanns Appell.

Im Anschluss lehnte der Stadtrat ein Ratsbegehren ab und gab den Plänen zur neuen Klinik das Einverständnis. Mit einem Stimmenverhältnis von 9 zu 6 Stimmen zugunsten des Neubaus fiel die Entscheidung allerdings relativ knapp aus.

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