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Projekt Schulschach: 1.000 Kinder auf Wartelisten

Spiel ersetzt Sozialpädagogen

Von Peter Posztos

Schulschach als Schulfach – ein Thema, dass vor knapp zwei Jahren nicht nur Gemeinderäte, Bürgermeister und Lehrer am Tegernsee bewegte.

Am Ende hatte der Schachenthusiast Horst Leckner Sponsoren, darunter auch die Tal-Gemeinden davon überzeugt, ihren Teil zum landkreisweiten Vorhaben beizusteuern. Mittlerweile ist das Schulschach-Projekt trotz einiger Bedenken zum Start so gut angelaufen, dass etwa 550 Kinder an 19 Schulen im gesamten Landkreis von zwei hochqualifizierten Schachpädagogen unterrichtet werden.

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Einen derart großen und umfassenden Erfolg hatten 2011 allenfalls die Initiatoren erwartet. Jetzt, nachdem das „königliche Spiel“ seit zwei Jahren, von der Grundschule über Mittel- und Realschule bis hin zum Gymnasium, unterrichtet wird, zeigen sich viele begeistert, teilweise auch die Skeptiker in den Gemeinderäten, die sich früher gegen das Vorhaben augesprochen hatten.

Große Nachfrage

So übersteigt die Nachfrage nach dem zusätzlichen Schulfach das Angebot mittlerweile um beinahe das Dreifache. Die aktuelle Zwischenbilanz zeigt: Weitere 1.000 Kinder würden gerne in den nächsten Jahren von den Schachpädagogen Roman Vidonyak und Michail Prusikin unterrichtet werden, möchten gerne pro Woche eine Stunde länger in der Schule bleiben, um das Schach-Angebot zu nutzen.

Roman Vidonyak

In 15 der insgesamt 60 Unterrichtsminuten wird spielerisch die Wahrnehmung geschult und die allgemeine Gedächtnis- und Kreativentwicklung gefördert. „Über Grenzen hinaus denken – das macht den Kindern einen irrsinnigen Spaß“, berichtet Schachlehrer Roman Vidonyak.

Nach der geistigen Aufwärmphase geht es dann 45 Minuten lang konkret um die sechs verschiedenen Figuren, die Regeln, wie sie sich verhalten dürfen, sowie das Erfahren von Spielzügen und –strategien. Blitzschach, bei dem alle Züge so schnell wie möglich korrekt und quasi intuitiv ausgeführt werden, mache den Kindern ebenso viel Spaß wie ein strategischer Wettkampf, erklärt Vidonyak.

Das bestätigen auch Kinder der Grundschule Gmund: “Schach ist ein Spiel, bei dem es nicht um Glück geht, wie bei ‚Mensch ärgere dich nicht‘, sondern da braucht man Köpfchen. Für einen guten Schachzug macht es Spaß, sich zu konzentrieren.”

Begeisterte Eltern

Bei vielen der am Schulschach teilnehmenden Schüler hätten sich, so berichten es die Initiatoren, die schulischen Leistungen deutlich verbessert. In einigen Fällen hat sich auch das Familienleben positiv verändert. Denn jetzt werde auch mal mit den Eltern oder Großeltern eine Partie Schach gespielt, anstatt allein vor dem Fernseher zu sitzen.

Darüberhinaus zeigen sich Lehrer und Pädagogen angetan davon, dass sich selbst die zappeligsten ihrer Schützlinge länger konzentrieren können und sich tatsächlich ein gemeinsames Interesse herausgebildet hat. Ulrich Throner, Mitarbeiter der Schulleitung der Grund- und Mittelschule Rottach-Egern und selbst Vater eines Schachschülers sagt:

Durch das Schulschach lernen die Kinder Regeln anzuerkennen. Es schult ihre Antizipations- und Kombinationsfähigkeit, das Erkennen von Ursache- und Wirkungszusammenhängen, das Gedächtnis sowie ihre analytische Fähigkeiten und fördert außerdem die sprachliche Kompetenz.

Und Arnfried Färber, stellvertretender Landrat des Landkreises Miesbach zieht in dem Zusammenhang Parallelen zu der aktuellen Diskussion um Sozialarbeiter an Grundschulen im Tal:

Wenn Kinder durch Schachspiel lernen, sich zu konzentrieren, komplexe Denkleistungen zu erbringen, Zeit einzuteilen und auch mal Niederlagen wegzustecken, besteht Hoffnung, den Trend, dass Jugendliche durch sozialpädagogische Maßnahmen gefördert werden müssen, zu stoppen oder sogar zurückzudrehen.

Die Idee, die Jugend des Landkreises zu fördern, veranlasste die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, sich von Anfang an als Sponsor zu engagieren. „Weil sie sich bereiterklärt hat, das Projekt langfristig zu sichern, wurde es überhaupt erst möglich“, erinnert sich Horst Leckner, Vorstand des Vereins Schulschach Landkreis Miesbach e.V.

Horst Leckner beim Schach-Turnier in Bad Wiessee.

Der Schachenthusiast, der alljährlich unter anderem das Wiesseer Schach Open initiiert, gewann die Sponsoren, die Partnerschulen und die Schachlehrer und stellte den Finanzierungsplan auf. Den größten Teil der Kosten stemmen die Sponsoren. Aber auch die einzelnen Gemeinden zahlen entsprechend ihrer Einwohnerzahl. Den Rest tragen die Eltern: Die Eigenbeteiligung belaufe sich für jedes Kind auf sechs Euro pro Monat plus Lehrmaterial.

Lange Warteliste

Derzeit ist die Nachfrage nach dem Schachunterricht sehr groß. Etwa 500 Kinder stehen auf der Warteliste. Bedarf von weiteren 500 wurde signalisiert. Deshalb sucht der Schulschach-Verein sowohl nach weiteren Sponsoren als auch nach mindestens einem weiteren Schachpädagogen. Zum Erfolg des Projektes befragt, betont Leckner:

“Schulschach im Landkreis Miesbach” ist deshalb so erfolgreich, weil wir es breit angelegt und von Anfang an auf höchste Qualität bei den Schachlehrern gesetzt haben. Denn ein Schachlehrer mit Leidenschaft ist das wichtigste Instrument für die Entwicklung schulischer Intelligenz.

Und auch in der Staatsregierung ist das Vorhaben mittlerweile angekommen. Ludwig Spaenle, Bayerischer Kultusminister, hält es für wichtig, das Schachspiel an den bayerischen Schulen zu fördern. Dadurch würden vielfältige Fähigkeiten geschult, die in jedem Fall einen Gewinn für den jeweiligen Spieler darstellen.

Mit dem Projekt Schulschach im Landkreis Miesbach, so Spänle weiter, zeigt sich, wie erfolgreich Schule und außerschulische Kooperationspartner zusammenarbeiten – zum Wohle unserer Kinder.

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