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Herzogin stellt Plan für Wildbad Kreuth vor

Kein Sanatorium, sondern Klinik

Nach bald einem Jahr des Stillstands in Wildbad Kreuth hat gestern Abend Herzogin Helene in Bayern den Gemeinderat in Kreuth mit konkreten Plänen konfrontiert. Sie will das einstige Bildungszentrum nun in eine Klinik mit 120 Betten umbauen.

Herzogin Helene in Bayern vor dem Gebäude der ehemaligen Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth / Archivbild

Offenbar ist die Nutzungsänderung des legendären Tagungsortes der CSU –Klausuren in eine neue Zukunft ein schwieriges Unterfangen. Nach dem Auszug der Hanns-Seidel-Stiftung, die das 11.000 Quadratmeter große Areal 40 Jahre nutzte, stehen künftige Investoren wohl nicht Schlange. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass die Herzogin, die gestern Abend unter den Zuhörern saß, vor einem Jahr noch bei ihren Plänen von einem „in zehn Jahren gut geführten Resort-Hotel“ sprach, das sich von den „übrigen Hotels im Tegernseer Tal abgrenzen soll“.

Dieses Projekt hat sich offensichtlich zerschlagen, denn wie die TS exklusiv berichtete, präsentierte die Wittelsbacherin Ende Juli 2016 dann dem Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einen „namhaften Investor aus dem Gesundheitsbereich“. Dieser wolle aus dem betagten Seminar-Hotel ein Gesundheits-Resort machen. Er soll sich im Gesundheitsbereich einen Namen gemacht und ein vernünftiges Konzept vorgestellt haben.

Auch weiterhin Musikfest und Tagungen?

Am Donnerstagabend legte die Herzogin dazu einen Fragenkatalog vor. Die zentrale Frage lautet, da ihr Gebäudekomplex im Flächennutzungsplan als Sondergebiet Bildung ausgewiesen ist, kann das Bildungszentrum in eine Klinik umgewandelt werden? Mit diesem Antrag auf Vorbescheid wird klar, dass es der Herzogin weder um ein Sanatorium noch um Hotels irgendwelcher Art geht. Jetzt plant sie eine Klinik und dafür soll ein Bettenhaus anstatt des derzeitigen Schwimmbades entstehen. Dieses ist dagegen im Untergeschoß des Bettenhauses geplant. Hier schlug Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) vor, „dass dafür ein Bebauungsplan erstellt wird“.

Angetan von der Idee einer Klinik war SPD-Fraktionssprecher Martin Walch: „Das Sanatorium ist früher auch schon einmal als Klinik betrieben worden. Ich sehe es positiv, wenn es in dieser Richtung weiterbetrieben wird“. Bürgermeister Bierschneider dagegen hofft vor allem, dass in „die historischen Gebäude wieder Leben einzieht“. Denn davon profitiere die Gemeinde auch mit Übernachtungen. Zumal die Herzogin die Klinik auch noch anderweitig nutzen will: mit dem Internationalen Musikfest, Seminaren und Tagungen. Dies sei möglich, beschied Bierschneider, „wenn diese Nutzungen mit dem Betrieb einer Klinik vereinbar sind“.

Knifflig ist wie überall bei Nutzungsänderungen die ausreichende Anzahl an Stellplätzen, auch in dem weitläufigen Wildbad Kreuth. Ob denn für größere Veranstaltungen die “notwendigen Stellplätze auf dem Parkplatz an der B307 angemietet werden können”, lautete eine Frage der Herzogin. Doch Bierschneider war hier nicht der richtige Ansprechpartner. Denn:

Die Gemeinde ist nicht Eigentümerin des Parkplatzes. Der Pachtvertrag darüber ist auch nur zeitlich befristet.

Und wie viele Stellplätze für den geplanten Klinikbau erforderlich seien, fragte die Herzogin schriftlich weiter. „Die Gemeinde kann sich folgende von der Gestaltungssatzung abweichende Berechnung vorstellen“, erwiderte Bierschneider. Bislang seien 83 Stellplätze vorhanden, bei Veranstaltungen im Festsaal wären dann nach der Gestaltungssatzung zwischen 154 und 264 Stellplätze erforderlich. Je nachdem, ob es sich um eine örtliche oder überregionale Veranstaltung handelt. Die Berechnungsgrundlage sei: fünf Sitzplätze, ein Stellplatz.

Gefragt ist das Landratsamt

Grundsätzlich aber beschied Bierschneider der Herzogin: „Viele dieser Fragen kann nur das Landratsamt beantworten“. Zum Beispiel, ob Ausgleichsflächen erforderlich sind, ob der Bestandsschutz auf das künftige Grundstück übertragen werden kann, und ob der Flächennutzungsplan geändert werden muss? Grundsätzlich sei aber in denkmalgeschützten Häusern auch eine andere Nutzung möglich.

Gleichzeitig wies der Kreuther Bürgermeister darauf hin, dass „außerdem die Bestimmungen der Bayerischen Bauordnung und der Gestaltungssatzung einzuhalten sind“. In einem ausgebauten Zustand müsse auch die Zufahrtsstraße sein. Ohne Aussprache genehmigte der Gemeinderat einstimmig den Antrag auf Vorbescheid einer Nutzungsänderung. Vor der Herzogin liegen noch Monate der Planungen und Behördenanfragen zum neuen Klinikbau.


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