Schwarzbauten in Wiessee müssen alle weg

Keine Gnade für dreisten “Immobilien-Cowboy”

Jedem Wiesseer ist der Glasanbau am ehemaligen “Rusticale” ein Begriff. Und der ist nicht der einzige Schwarzbau eines Münchner Unternehmers. Seit Monaten soll zurückgebaut werden. Kurz vor Fristende versucht er es erneut. Doch Wiessee schiebt den Riegel vor.

Der Eigentümer hat mehrere Schwarzbauten an diesem Haus errichtet – der Glasbau wurde bisher nur halb zurückgebaut

Die Immobilie mit Wohn- und Geschäftshaus an der Münchner Straße 31 erwarb schon 2017 die AFH Group in München. Das Unternehmen, das in der Kfz-Branche unterwegs ist, kündigte der Familie Giorno ihre Trattoria „Rusticale“ im Februar letzten Jahres fristlos. Nach einem langen Rechtsstreit musste der Italiener mittlerweile aufgeben und zog aus dem Haus aus. Die Familie Giorno hat kürzlich ein neues Restaurant am Sportplatz in Wiessee eröffnet.

Die AFH Group unter Geschäftsführer Mevlid A. saniert derweil das gesamte Haus in der Münchner Straße. Schon während die Familie Giorno noch ihr Lokal im Haus hatte, begannen die massiven Bauarbeiten. Viele der bereits vorgenommenen Bauschritte sind aber nicht einmal genehmigt worden.

Der wohl massivste und offensichtlichste Eingriff ist ein Glasanbau, der als Wintergarten für das Restaurant dienen sollte. Mehrfach kam bereits die Anordnung aus dem Landratsamt, den Anbau zu entfernen. Auch ein nachträglicher Antrag half nicht weiter. Der Anbau entspricht nicht der Gestaltungssatzung von Bad Wiessee. Außerdem kann der Eigentümer nicht genügend Stellplätze für die zusätzlichen Restaurantplätze vorweisen.

Zahlreiche Schwarzbauten

Gestern legte der Unternehmer dem Wiesseer Bauausschuss nun erneut eine abgewandelte Planung vor. „Das ist eine wundervolle Baumaßnahme, die einen dermaßen beschäftigt, dass es nicht mehr lustig ist“, so Baumamtsleiter Helmut Köckeis zu Beginn. Den Glasanbau wolle man nun als überdachte Terrasse nutzen und umgestalten.

Die Treppe in die Kellerräume, die ebenfalls von außen sichtbar ist, sei ebenfalls ein Schwarzbau und wurde nun als Antrag bei der Gemeinde nachträglich eingereicht. Beantragt wurde außerdem noch die Verkleinerung der beiden Bars im Keller und die Reduzierung der Restaurantfläche.

“Dreist” – mehr fiel den Räten nicht mehr ein

Köckeis empfahl dem Ausschuss hier Strenge walten zu lassen. „Ich darf darauf hinweisen, dass er auch seine Wohnung im Dach ohne Genehmigung hat umbauen lassen“, so der Bauamtsleiter. Jetzt baue er schon wieder im Haus herum, ohne irgendeine Genehmigung.

Bürgermeister Peter Höß (FWG) dazu: „Dreist ist er wirklich.“ Am 31. Juli laufe die Frist für die Beseitigungsanordnung aus. „Man hält sich nicht daran, sondern baut einfach weiter. Auch Markus Trinkl (FWG) bezeichnet das Vorgehen als dreist. Fritz Niedemaier (FWG) erklärte:

Ich weiß nicht, ob ich narrisch sein soll oder ihn bewundern soll, mit welcher Frechheit der hier vorgeht.

Schon damals habe er den Bauherren als Immobilien-Cowboy bezeichnet. Wenn er alles zurückgebaut habe, könne er wiederkommen. Aber so gehe es nicht. Auch Claudia Martini (SPD) schloss sich an: „Wir haben gesagt, dass wir erwarten, dass eine Beseitigung gemacht wird. Dabei bleibt es. Deswegen geht jetzt mit nachträglich gar nichts.“

Angemerkt wurde von Kurt Sareiter (CSU), dass man vor allem das Landratsamt erneut bitten sollte, das konsequent zu überwachen. „Ich bin öfter angesprochen worden, warum das Landratsamt da so lasch ist.“ Man entschied sich einstimmig keinem der vier Anträge stattzugeben und erst erneut über Baumaßnahmen zu debattieren, wenn zunächst alle Schwarzbauten zurückgebaut wurden.


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