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Finanzministerium widerspricht Medienberichten

Keine Hoeneß-Millionen für Wiessee

Von Steffen Greschner

Mit Schulden von rund 31 Millionen Euro gehört Wiessee zu den am höchsten verschuldeten Gemeinden in Bayern. Laut Focus Online könnte auf die Gemeinde nun ein unerwarteter Geldsegen zukommen. Demnach winken der Gemeinde rund vier Millionen Euro an Steuern, die Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung an den Freistaat zurückzahlen muss.

Wie das Bayerische Finanzministerium gegenüber der TS bestätigte, sei dem Focus dabei allerdings ein Rechenfehler unterlaufen.

Wie viel der 28,4 Millionen Euro der Steuerschulden bekommt Bad Wiessee wirklich?
Wieviel der 28,4 Millionen Euro an Hoeneß‘ Steuerschulden bekommt Bad Wiessee wirklich?

Am 13. März wurde Uli Hoeneß vom zuständigen Richter des Landgericht II wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen schuldig gesprochen und zu dreieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Zudem muss Hoeneß nun die hinterzogenen Steuern in Höhe von 28,4 Millionen an den Fiskus zurückzahlen. Auch der Gemeinde Bad Wiessee wird ein Teil der Summe zugutekommen.

Am Montag erklärte Kämmerer Wolfgang Ströbel gegenüber der Tegernseer Stimme, dass man sich in Wiessee mit diesem Thema noch nicht befasst habe. Und das, obwohl scheinbar ein wahrer Geldregen auf die Gemeinde wartet. Glaubt man Focus Online und der Tegernseer Zeitung, könnte Bad Wiessee mit bis zu 4,08 Millionen Euro der insgesamt 28,4 Millionen Euro rechnen. Der Bund und der Freistaat Bayern bekämen jeweils 11,56 Millionen Euro.

Finanzministerium widerspricht

Doch wie das Bayerische Finanzministerium der Tegernseer Stimme auf Nachfrage bestätigte, entbehren diese Zahlen jeglicher Grundlage und sind schlicht falsch. „Diese Zahlen sind nicht von uns und in dieser Form auch nicht korrekt“, erklärt Carolin Mayr von der Pressestelle des Bayerischen Finanzministeriums. Rein rechtlich sind die Gemeinden mit 15 Prozent am Aufkommen der Einkommensteuer in einem Bundesland beteiligt. Der Gemeindeanteil wird dann nach einem komplizierten Schlüssel auf jede einzelne Gemeinde verteilt. Den Reportern des Focus ist bei der Berechnung also ein Fehler unterlaufen. Das bestätigt Carolin Mayr:

Man hat hier fälschlicherweise die etwa 15 Prozent der Summe im vollen Umfang der Gemeinde Bad Wiessee zugeschlagen, das ist so aber nicht korrekt.

In Wahrheit erhalten nämlich alle Gemeinden in Bayern zusammen rund 15 Prozent der 28,4 Millionen Euro, die Uli Hoeneß hinterzogen hat. Bislang steht allerdings noch nicht fest, ob die Summe komplett dem Einkommensteueranteil zugeführt wird. Das werde derzeit noch ermittelt, so Mayr weiter.

Bad Wiessee winken ein paar Tausend Euro

Doch mit wieviel kann Bad Wiessee nun insgesamt rechnen? Geht man von 4,08 Millionen Euro aus und verteilt sie gleichermaßen auf jede der insgesamt 2.056 Gemeinden im Freistaat Bayern, würde Bad Wiessee gerade einmal 1.984 Euro erhalten. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Der Anteil, den Bad Wiessee bekommt, basiert auf dem Steueraufkommen der Gemeinde. Daraus ergibt sich ein bayernweiter Verteilungsschlüssel, der alle drei Jahre neu festgesetzt wird. Eines ist aber schon jetzt klar: Bad Wiessee wird lediglich mit einer Summe im vierstelligen Bereich rechnen können und eben nicht, wie von Focus und Tegernseer Zeitung berichtet, mit 4,08 Millionen Euro.


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