„Keine Lust mehr Grenzsteine auf die Berge zu schleppen“

Von Martin

Josef Kieweg war Jahrzehnte lang als Feldgeschworener der Gemeinde Kreuth tätig. Nun tritt Kieweg aus Altersgründen von dem traditionellen Amt zurück. Dafür musste „Sepp“ sogar offiziell vom Gemeinderat von seinem Amt freigestellt werden.

Zum Dank für sein Engagement erhielt der Kreuther SPD-Politiker von Bürgermeister Josef Bierschneider einen Büchergutschein, eine Flasche Wein und von allen anwesenden Gemeinderäten und den vielen Zuhörern Applaus. Für Kiewegs Verabschiedung und „Aufhebung der Bestellung zum Feldgeschworenen“ wurde sogar extra die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung geändert.

Josef Kieweg war seit 1983 Helfer des Vermessungsamter. Quelle: SPD OV Kreuth
Josef Kieweg war seit 1983 Helfer des Vermessungsamter. Quelle: SPD OV Kreuth

Insgesamt soll jede Gemeinde Bayerns vier Feldgeschworene bestellen. So steht es im bayerischen Abmarkungsgesetz. Kreuth hat nach dem Rücktritt Kiewegs nur noch drei. Daher muss die Gemeinde Kreuth die freigewordene Stelle neu besetzen. In der nächsten Ausgabe des Kreuther Gemeindeboten will der Gemeinderat eine Annonce schalten. „Einen Nachfolger zu finden wird nicht leicht“, so Bierschneider: „Schau ma amoi.“

Tradition des Berufs geht bis ins Mittelalter zurück

Feldgeschworene wirken in Bayern und in Rheinland-Pfalz bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen mit. Sie setzen Grenzsteine (i.d.R. aus Granit) höher oder tiefer, wechseln beschädigte Grenzzeichen aus und entfernen Grenzzeichen. Als Hüter der Grenzen und Abmarkungen im Gemeindegebiet arbeiten sie eng mit Vermessungsbeamten zusammen.

Das Amt des Feldgeschworenen, im Volksmund auch „Siebener“ genannt, ist eines der ältesten noch erhaltenen Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Seit rund 500 Jahren gibt es Feldgeschworene. Im bayerischen Abmarkungsgesetz (AbmG) vom 6. August 1981 bzw. in der rheinland-pfälzischen LGVermDVO (§§ 21 und 22) vom 30. April 2001 sind gegenwärtig Details geregelt. In Bayern gibt es etwa 20.000 Feldgeschworene, wovon 50 Frauen sind (Stand Juni 2010).

Das Ehrenamt ist im 13. Jahrhundert in Franken entstanden. Dort erkannten die fränkischen Gerichte, dass vor Ort Ansprechpartner in den einzelnen Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

„Siebenergeheimnis“ wird nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben

Eine Besonderheit der Feldgeschworenen ist ihr „Siebenergeheimnis“. Mit geheimen Zeichen und Markierungen wird hiermit der Punkt des zu setzenden Grenzsteines gekennzeichnet. Die geheimen Daten sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich und werden nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben. Die Feldgeschworenen wurden von Anfang an darauf vereidigt und blieben Feldgeschworene ihr Leben lang oder solange es ihre Gesundheit zuließ. Dies gilt auch heute noch. In einer Dienstordnung aus dem Jahre 1868 heißt es hierzu:

Die Wahl der zum Belegen der Grenzsteine zu verwendenden Gegenstände ist dem Ermessen der Feldgeschworenen anheim gegeben, welche hierüber das strengste Stillschweigen zu beobachten haben. Gemäß dem abgelegten Eid haben sie das Geheimnis lebenslang zu bewahren.

Weil ursprünglich eine Gruppe von meist sieben Personen in der Gemeinde zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde, bürgerte sich der Begriff Siebener ein. Heute wird eine Mindestzahl von vier Personen gefordert.

Bis zum Erlass des Abmarkungsgesetzes im Jahr 1900 hatten sie das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen. Seitdem unterstehen die Siebener den Vermessungsämtern. Dennoch sind sie weiterhin berechtigt, in begrenztem Umfang selbständig tätig zu werden. Sie können beispielsweise auch von Eigentümern zur Sicherung oder Erneuerung eines Grenzzeichens bestellt werden. Bei Unstimmigkeiten haben sie aber keine Entscheidungsbefugnisse mehr.

Als 1970 dieses Ehrenamt abgeschafft werden sollte, kämpften Landtagsabgeordnete aus Unterfranken für dessen Erhalt. Bis Anfang der 1980er Jahre waren ausschließlich Männer Feldgeschworene. (Quelle: Wikipedia)


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