Schutzgemeinschaft schockiert über Vorgehen der Betreibergesellschaft

Keine Rettung für’s Edelweiß

Von Mirja Tsioumanis

Mit dem Dornröschenschlaf ist es nun endgültig vorbei. Vor wenigen Tagen haben die Bauarbeiten am ehemaligen Hotel „Edelweiß“ in Bad Wiessee begonnen. Das Projekt „Altenpflege 5.0“ rückt näher. Und zwar mit ganzer Wucht: Ein Bagger hat bereits Teile des alten Gemäuers abgerissen. Die Schutzgemeinschaft zeigt sich schockiert.

So sah das Edelweis vergangenen Winter aus. Heute gleicht es einer Trümmer-Baustelle.
So sah das Edelweis vergangenen Winter aus. Heute gleicht es einer Trümmer-Baustelle.

Liebhaber historischer Fassaden wird dieser Anblick schmerzen: Vom einstigen Hotel „Edelweiß“ ist nicht mehr all zu viel zu erkennen. Das Gebäude, das auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken kann, liegt zum Großteil in Trümmern. Die Hoffnung, die alte Fassade mit ihren Lüftlmalereien und Holzschnitzereien für die Nachwelt zu erhalten, hat sich damit zerstört. „Ein Erhalt der Bausubstanz funktioniert nicht mit unserer Bauform und Pflegestruktur“, begründet Uwe Seifen, Vorstandsmitglied der Betreibergesellschaft SeniVita, den Radikal-Schritt.

Eine Begründung, die Angela Brogistter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, nicht so recht nachvollziehen kann. „Es gibt etliche viel ältere Gebäude, wie zum Beispiel Burgen oder Schlösser, die in Seniorenheime umgebaut wurden. Wieso funktioniert das dort?“, fragt sie. Sie hatte bis zuletzt gehofft und ist über das Ausmaß des Abrisses erschüttert:

Unsere bayrischen Orte, für die die Touristen von weit her kommen, verlieren zunehmend ihr Gesicht. All das, was unsere Gebäude ausmacht – Gemütlichkeit, Ursprünglichkeit und Heimeligkeit – schwindet zunehmend.

Brogsitter-Finck sieht in dieser Mentalität, altes abzureißen und durch Hochmodernes zu ersetzen, einen gefährlichen Trend: „Wenn die Orte immer charakterloser werden, rächt sich das schnell. Die Karawane der Touristen zieht dann weiter, nämlich dorthin, wo sie das noch vorfindet“, so die Vorsitzende weiter.

Keine Versprechungen kann Seifen machen, ob und inwieweit sich eine originalgetreue Fassade wieder rekonstruieren lasse: „Das ist derzeit nicht geplant. Wir befinden uns aber gegenwärtig noch in Diskussionen mit der Gemeinde und den Genehmigungsbehörden.“

Nach jahrelangem Stillstand auf dem Gelände hat es die Unternehmensgruppe nun scheinbar eilig. Bereits Anfang 2016 soll der Baubeginn erfolgen. SeniVita plant auf dem 4000 Quadratemter fassenden Areal ein dreigeschossiges Haus mit 48 Eigentumsappartements, die aus Pflegewohnimmobilien bestehen. Das wiederum heißt: Senioren, die sich nicht mehr alleine versorgen können und auf Hilfe angewiesen sind, sollen dort die Möglichkeit haben, Pflegeleistungen in einem ansprechenden Wohnambiente zu erhalten.

Wohneinheiten mit Gemeinschaftsraum und Tagespflege

Die Firmengruppe wirbt auf seiner Firmenseite damit, dass sich das Konzept AltenPflege 5.0 „an den individuellen Wünschen sowie Möglichkeiten des Einzelnen orientiert und gleichzeitig maximale Versorgungssicherheit bietet. Hierbei sind privates Wohnumfeld, soziale Einbindung, intensive Unterstützung sowie Pflege optimal kombiniert.“

Konkret soll das so aussehen: Neben den Wohnungen, die über ein eigenes Bad und eine Küche verfügen, wird es auch eine Tagespflege und einen großen Aufenthaltsraum geben. Die Bewohner können sich zudem an gemeinsamen Aktivitäten wie Kochen, Singen oder Spaziergängen beteiligen.

Wie es weiter heißt, soll mit der Realisierungsphase des Projekts auch zeitgleich der Vertrieb der Pflegeappartements starten. „Der Vertrieb der circa 34 Quadratmeter großen Appartements wird zentral koordiniert und erfolgt in der Regel über regional ansässige Sparkassen und Banken. Aufgrund des überschaubaren Investitionsvolumens für eine Wohnung in der Pflegewohnimmobilie, richtet sich das Angebot sowohl an Privatanleger, wie auch an institutionelle Investoren“, teilt SeniVita mit.


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