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Denn "gerast wird trotzdem"

Keine weitere Tempo-30-Zone in Rottach

Ein Gutachten zur Verkehrssituation in Rottach-Egern spricht sich gegen weitere Tempo-30-Zonen aus. Denn auch im bestehenden 30er-Bereich komme es reihenweise zu Geschwindigkeitsübertretungen. „Überall herrscht das gleiche Geschwindigkeitsniveau“, so der mit einem Gutachten beauftragte Verkehrsexperte.

Die 30er-Zone in der Aribostraße wird nicht ausgeweitet.
In Rottach-Egern soll keine weitere Tempo-30-Zone entstehen.

Während draußen auf der Rottacher Hauptstraße in der abendlichen Sommer-Stimmung die Boliden dröhnten, ging es drinnen um weitere Tempo-30-Zonen, um den Rasern den Garaus zu machen. Nachdem sich bereits im Januar der Gemeinderat damit beschäftigte und einen Beschluss vertagte, sollte nun am Dienstagabend das Thema mit der Vorstellung eines unabhängigen Gutachtens beerdigt werden und der „Deckel darauf gemacht werden“, wie Bürgermeister Christian Köck (CSU) empfahl.

Doch das vom Planungsbüro Transver GmbH erstellte Gutachten unter Leitung von Professor Klaus Bogenberger hatte es in sich. Der Experte für Verkehrstechnik der Bundeswehrhochschule stellte den meisten Autofahrern in der bereits bestehenden Tempo-30-Zone südlich der B307 kein gutes Zeugnis aus. Radarmessungen in der Kißlingerstraße hätten gezeigt, dass in beiden Richtungen 85 Prozent der Autofahrer mit 40 km/h und mehr fahren würden, statt den geforderten 30.

Man sieht, dass die Geschwindigkeit dort nicht eingehalten wird. 15 Prozent fahren sogar noch schneller als 40 Stundenkilometer.

Hier hakte auch Köck nach. Er beobachte, dass viele „Eltern oft in der letzten Minute ihre Kinder zur Schule fahren würden“. Daher komme es wahrscheinlich zu den gemessenen Geschwindigkeitsübertretungen.

„Gleiches Geschwindigkeitsniveau“

Im März wurde das Planungsbüro Transver von der Gemeinde beauftragt, die Verkehrssituation zu analysieren. „Besonders auffallend ist die starke Frequenz der B307 innerorts von Rottach-Egern. Hier sind auf der Geschäftsstraße bis zu 18.000 Fahrzeuge am Tag unterwegs“, stellte Bogenberger fest. Auf der B307 nach Bad Wiessee hätte man etwa 12.000 Fahrzeuge im gleichen Zeitraum gezählt.

Außerhalb der bereits bestehenden Tempo-30-Zone in Rottach habe die Karl-Theodor Straße mit täglich 2.500 Fahrzeugen das höchste Verkehrsaufkommen. Doch wer glaubte, dass außerhalb der verkehrsberuhigten Zone deswegen schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren würden, sieht sich nach der Präsentation der Radarmessungen getäuscht.

In der Georg-Hirth Straße werde sogar langsamer gefahren. „Dort haben wir eine Geschwindigkeit von 46 bis 48 km/h.“ Bogenbergers Fazit: 85 Prozent der Autofahrer fahren dort nicht einmal die erlaubte Geschwindigkeit.

Den Schluss, den wir daraus ziehen, ist, dass in den Rottacher Nebenstraßen überall das gleiche Geschwindigkeitsniveau herrscht.

In einer zweiten Tempo-30- Zone würden die Autofahrer demnach auch nicht früher vom Gas gehen. Am Weißachdamm sei auffällig, dass auf der Flussseite die zulässige Geschwindigkeit von 30 km/h eher geringfügiger übertreten werde als auf der Seite mit den Grundstückseinfahrten. Hier werde langsamer gefahren. Insgesamt sei die Akzeptanz von 30er Zonen dort hoch, wo sich ein „Zonenbewusstsein“ gebildet hat.

Studie weist keine Emissionen aus

Thomas Tomaschek (Grüne) beklagte, dass in einem Luftkurort wie Rottach-Egern weder die Lärm- noch die Emissions-Entwicklungen in der aktuellen Studie ausgewiesen seien, auch Hinweise auf die Sicherheit würden fehlen. „Sie haben hier kein Emissionsproblem“, erwiderte Bogenberger, „wenngleich Rottach als Luftkurort andere Anforderungen stellt“. Er glaube nicht, dass der Verkehr in den Nebenstraßen so hoch ist, dass eine weitere Tempo-30-Zone die Emissionen verbessern würde.

Blumenkübel in der Aribostraße: Ein geeignetes Instrument gegen Raser.
Blumenkübel in der Aribostraße: Ein geeignetes Instrument gegen Raser / Archivbild

Andreas Erlacher (FWG) schlug stattdessen Maßnahmen dort vor, wo man den Verkehr noch verlangsamen könne, ähnlich wie in der Aribostraße mit Pollern und Pflanzkübeln. Dies war ganz im Sinne des Verkehrsexperten. Bogenberger empfahl bei einzelnen Wohnstraßen solche verkehrsberuhigenden Einbauten. Außerdem wäre ein Schulwegplan für die Grundschüler sehr wichtig, damit sie bei den Übergängen und Durchlässen von Schulweghelfern, wie zum Beispiel von den Eltern, begleitet werden. Die sinnvollste Maßnahme aber wären viele Radarmessungen an der Kißlingerstraße: „Am Geldbeutel spüren es die Raser am ehesten“.

“Wir müssen uns von subjektiven Wahrnehmungen verabschieden“, sagte Köck abschließend, „wenn es um Verkehr und Geschwindigkeit geht. Bei den nun vorliegenden Messdaten sollten wir das Einsehen haben, dass die Experten uns eine Vorgabe machen, die die bisherigen Meinungen bestätigen. Deshalb sehe ich keine Veranlassung, dass wir eine Ausweitung der Tempo-30-Zone vornehmen sollten“. Eine eindeutige Mehrheit folgte Köck im Gemeinderat, der sich dann auch für weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen aussprach.


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