Gmunder Kinderkrippe: Ein Schmuckstück mit ungewisser Zukunft

Von Rose-Marie

Alle suchen nach einem neuen Grundstück

Ergänzung vom 03. April / 20:01 Uhr
Wir hatten bereits vor knapp zwei Monaten über die Gmunder Kinderkrippe und den Wunsch der Verantwortlichen nach einem Neubau berichtet. Nun steht die Planung für das kommende Kindergartenjahr fest. Und wie Inga Fischer, die Leiterin der Krippe erzählt, werden etwa 50% der Kinder keinen Platz bekommen. Die Nachfrage ist – auch das war vor zwei Monaten schon absehbar – enorm. Und sie wächst weiter. Das Platzangebot jedoch ist und bleibt jedoch begrenzt. Aus dem Grund werden von den vorliegenden 25 Anmeldungen nur maximal 12 Kinder in Dürnbach und in Gmund angenommen. Ein Umstand, den Fischer gerne früher als später ändern würde.

Die Vorsitzende des Fördervereins Annette Oches schwärmt von einem Neubau. Nur auf die Bedürfnisse der Krippe ausgerichtet:

Wenn alles unter einem Dach wäre, das wäre ein Traum. Aber dafür brauchen wir ein günstiges Grundstück.

Die Kosten für dieses Vorhaben hat Ochs bereits vor einiger Zeit auf ein bis zwei Millionen Euro beziffert. Inwieweit die Gemeinde unterstützen will oder kann, ist derzeit offen. Der Gmunder Haushalt ist angespannt. Aus dem Grund ist von der Seite tendentiell keine große Hilfe zu erwarten, auch wenn Georg von Preysing erst letztens auf die Notwendigkeit von Krippenplätzen auf Gemeindegebiet hinwies.

Ursprünglicher Artikel vom 15. Februar:
„Wir haben es uns so gemütlich gemacht wie möglich, aber ganz ideal ist es nicht.“ Inga Fischer, die Leiterin der Gmunder Kinderkrippe führt durch die Räume gegenüber vom Gmunder Bahnhof.

Acht kleine Zwerge sitzen an zwei Tischchen und essen Apfelschnitten, die die Erzieherinnen frisch geschnitten haben. Draußen kommt gerade die Sonne vorbei und scheint in die hellen Räume.

Ein kleines Schmuckstück ist die Zwergenburg inzwischen geworden: Ein liebevoll geführtes Haus mit Platz für 14 Kinder, drei engagierten Mitarbeiterinnen auf rund 100 Quadratmetern Raum. Ein großer, freundlicher Raum liegt vor einem. Es herrscht eine Atmosphäre von Ruhe und gleichzeitigem Beschäftigtsein. „Klare Strukturen sind uns wichtig“, schildert Fischer.

Das fängt an beim eigenen, gekennzeichneten Garderobenschrank für jedes Mächen und jeden Buben. Luca, Simon, Ferdinand, Charlotte, Laura, Emma:

2aus14

Im Bad hat ebenfalls jeder Knirps sein eigenes Fach mit Ersatzkleidung, Windeln und Feuchttüchern. Der Tagesablauf geht immer nach festen Ritualen vor. „Jetzt ist es 9 Uhr. Wir müssen rausgehen,“ sagt die Krippenleiterin.

Die Kinder sollen ihren Morgenkreis in Ruhe erleben. „Sonst sind sie zu sehr abgelenkt.“ Die Kleinen versammeln sich zum gemeinsamen Singen. Danach ist Spielen angesagt. Um 11 Uhr kommt das Mittagessen. Geliefert von der Seniorenresidenz Wallberg. Heute gibt es Wirsingcremesuppe, Fischfiguren mit Sauce Remoulade, Kartoffel-Gurkensalat und Obst.

In der Anfangszeit waren nicht alle Gemeinderäte begeistert

Vor der breiten Fensterfront ein kleines Außengelände. „Unsere Kinder spielen am liebsten draußen“, erzählt Fischer, die erfahrene Erzieherin ist und selbst zwei eigene Kinder hat. Drei Jungs toben mit ihren Bobbycars herum. Zwei balancieren auf dem Sandkasten. Andere schaukeln. Häufig geht es mit den vom Rotary Club gesponserten Mobilen zum Tegernsee hinunter, wo die Zwergenburg ein kleines Grundstück zum Toben nutzen darf. Auch die Kleinsten, die gerade mal ein Jahr alt sind, können am Spazierweg die ersten Gehversuche starten.

Max der Feuerwehrmann

Schaut man sich in dem großen Raum um, so fällt das viele Holz auf. Aus geschickt platzierten Regalen sind Nischen entstanden, in denen das Spielzeug gehortet wird. Hier und da hockt ein oder manchmal zwei Kinder und beschäftigen sich mit einem Spielzeug.

Eines tobt mit der Erzieherin im Bällebad im Eingangsbereich herum. In der Kuschelecke, weich ausgekleidet mit dicken Kissen, können die Kinder träumen, zur Ruhe kommen oder ihren Gedanken und Träumen nachhängen.Fischer verschwindet kurz in der Küche, um Tee und Saft zu holen.

Die Gmunder Räume seien nicht ideal, gibt sie zu bedenken. Nur durch das Engagement von Verein und Eltern sowie Sponsoren sei ein Stand erreicht worden, in dem es sich leben lässt. Dank der Förderung einiger örtlicher Firmen baute der Verein in den letzten Monaten einiges um: Die Küche wurde erweitert. Eine neue Waschmaschine angeschafft. Eine Wand trennt jetzt den Schlafraum ab, in dem die Kinder ihren Mittagsschlaf machen. Eckenschoner wurden installiert, die Raumakkustik verbessert und einiges mehr.

Die Malerfirma Mattner, das E-Werk Tegernsee, die Schreinerei Nestl, alle haben Arbeitsleistung, Sachgüter sowie Geld dazu beigetragen, dass das Arbeiten des Vereins vereinfacht und die Krippe schöner, sicherer und praktikabler wird. Auch die Gemeinde beteiligte sich.

In Anfangszeiten der Krippe waren einige der Gemeinderäte gar nicht begeistert über die neue Einrichtung. Eine Kleinkinderbetreuung hielten manche nicht unbedingt für nötig. Als die Krippe 2006 gegründet wurde, breitete sich die Einstellung „Kinder gehören zur Mutter“ als einzige Erziehungsform bis in den Sitzungssaal hinein aus.

Aus welchem Grund geben Mütter ihre „Kleinsten“ eigentlich ab?

Der damalige Vereinsvorstand (Ines Lessacher, Eva Rauscher, Corinna Pia) hatte keinen leichten Start. Erst die steigende Nachfrage nach Betreuung sowie die Verpflichtung der Gemeinden, auch für die Kleinsten einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen zu müssen, machen die Krippe heute zu einer festen Institution in Gmund.

„Viele Mütter sind gezwungen, nach einem Jahr wieder zu arbeiten“, stellt die jetzige Vorstandsvorsitzende Annette Ochs fest. Sei es aus finanziellen Gründen, oder weil man es sich heute in bestimmten Branchen einfach nicht mehr leisten kann, länger auszusteigen. Oder weil man einfach arbeiten möchte.

Nicht ganz optimal: Der eigene Außenbereich

Trotz Umbau ist Ochs nicht ganz zufrieden. „Wir suchen ein Grundstück zum Bauen,“ wünscht sie sich für Zukunft. „Wir wollen, dass alle Kinder unter einem Dach spielen können.“ Eine zweite Gruppe mit zwölf Kindern wird im Moment von einer Erzieherin und zwei Kinderpflegerinnen in Dürnbach betreut.

Martina Leo holt gerade den zweijährigen Luis ab. „Mit meinem Sohn läuft es hier völlig problemlos“, sagt sie zufrieden. Am wichtigsten sei die Eingewöhnungsphase, ist man sich in der Krippenleitung einig. Die Kinder sollten Sicherheit erfahren, den Eltern werde Raum und Zeit gegeben für individuelle Fragen. Und ein gutes Gefühl gegen das schlechte Gewissen, ihr Kind in fremde Hände zu geben.

Nach und nach nehmen die Eltern ihre Kleinen von den Erzieherinnen in Empfang. Bis 15 Uhr können die Kinder in Dürnbach bleiben. Die Betreuerinnen haben dann Luft, in der Gmunder Zwergenburg auszuhelfen. Je nach Bedarf können die Kinder dort bis 17 Uhr betreut werden. Auch am Nachmittag wird geturnt, gespielt und vieles mehr.

Das Kind schon anmelden wenn es noch nicht mal da ist!?

Manche Mütter melden ihre Kinder bereits in der Krippe an, da sind sie noch im Bauch der Mutter. Ein Jahr oder länger auf einen Platz zu warten, ist gang und gäbe. Dabei war die Gmunder Krippe Vorreiter bei den Einrichtungen in der Region. Inzwischen gibt es Krippen in Bad Wiessee, Tegernsee und Schaftlach. „Wir haben eine lange Warteliste“, sagt Annette Ochs. Eine ganze dritte Gruppe könnte man damit füllen.

Wartelisten – sie dürfte es schon in zwei Jahren nicht mehr geben. Denn ab 2013 – so schreibt es das Kindergartenbetreuungsgesetz vor – besteht ein gesetzlicher Anspruch auf einen Kleinkindbetreuungsplatz. „In einem neuen Haus hätten alle Kinder Platz und den Eltern würden lange Wartezeiten erspart“, schwärmt Ochs von der Flexibilität in einem selbst gestalteten Haus. „Wir können uns auch eine Betreuung für Schulkinder vorstellen.“

„Wenn der Vertrag ausläuft, dann hat Gmund keine Krippe mehr.“

„Das Treppenhaus und die oberen Räume schaffen im Moment die größten Probleme in der Zwergenburg“, gibt Ochs zu bedenken. Wenn die Mamas mit ihren Maxi Cosis oder noch schwanger ihren Nachwuchs für die Betreuung anmelden, quälten sie sich durch die engen Durchlässe in das Büro im Obergeschoss. „Außerdem geht unser Mietvertrag nur bis 2013. Und da läuft auch nicht alles wunderbar.“ Das Haus sei verkauft worden und mit der neuen Eigentümerin gäbe es Meinungsverschiedenheiten. „Wenn der Vertrag ausläuft, dann hat Gmund keine Krippe mehr.“

„Die Vorstandschaft sucht schon länger vergeblich neue Räume,“ berichtet die Vorstandsvorsitzende. Die Anforderungen seien hoch und bisher habe man noch keinen geeigneten Bau finden können. Die Gruppenräume müssten alle ebenerdig sein, groß genug für zwei bis drei Gruppen, über Notausgänge sowie Brandschutzvorkehrungen verfügen. Deshalb sei der Wunsch gereift, bald einen Neubau zu verwirklichen.

„Wenn alles unter einem Dach wäre, das wäre ein Traum“, schwärmt die Vorsitzende. „Aber dafür brauchen wir ein günstiges Grundstück“, stellt Ochs in den Raum. Geschenkt wäre natürlich am allerbesten. Interessierte Förderer können sich gerne bei Annette Ochs in der Zwergenburg melden.

Telefon 08022-187612 oder E-Mail Zwergenburg.Gmund@t-online.de

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