IHK lehnt künstliche Verknappung von Flächen ab

„Kirchturmpolitik bringt uns nicht weiter“

Der Landkreis Miesbach ist „grün“. Zu dieser Erkenntnis kommt die IHK für München und Oberbayern. Über 92 Prozent der Fläche sei entweder Natur oder befinde sich in landwirtschaftlicher Nutzung. Also genügend Freiflächen vorhanden? Trotz Bauboom?

Noch sind nicht alle Flächen im Landkreis bebaut, aber die Bagger rücken zunehmend an. So wie hier im Landbaderfeld in Gmund vor drei Jahren. / Archivild

Während die Bevölkerung immer weiter wächst, Rohstoffe weltweit geplündert werden und zur Neige gehen, spricht die IHK für München und Oberbayern für den Landkreis keine düstere Prognose aus. Der Landkreis sei durch ein grünes Landschaftsbild geprägt, so heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Über 92 Prozent der Fläche seien von Natur und Landwirtschaft geprägt. Nur 0,5 Prozent des Landkreises werde wirtschaftlich genutzt. Das erklärt Petra Reindl, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Miesbach.
Die Wirtschaft im Landkreis gehe sorgsam und effizient mit der Ressource Boden um. Zu diesem Ergebnis kommt die IHK für München und Oberbayern nach Auswertung der Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik.

IHK lehnt „künstliche Verknappung von Flächen“ ab

Eine Obergrenze für Kommunen in der Flächenausweisung lehne die IHK ab. „Mit einer künstlichen Verknappung der Flächen wird dringend benötigter Wohnraum noch teurer. Die Einschränkung der kommunalen Planungshoheit setzt zudem die unterschiedlichen Nutzungsarten wie Wohnen, Freizeit und Gewerbe unnötig in Konkurrenz zueinander.

Wichtige Projekte bleiben dann zu Lasten der Bürger auf der Strecke“, befürchtet die Haushamer Unternehmerin.
Stattdessen plädiert die Wirtschaft für mehr Effizienz bei der Flächennutzung beispielsweise durch Verdichtung und Revitalisierung von Brachflächen. Die Erschließung neuer Flächen müsse dabei stets gründlich und unter Berücksichtigung aller Alternativen geprüft werden, so die Vorsitzende.

Wichtig sei den Unternehmen, dass die Interessen aller Interessensgruppen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Ziel muss immer ein Konsens sein, der zu einer gemeinschaftlich akzeptierten Lösung führt.

Die Kommunen fordert Reindl zu einer besseren Zusammenarbeit auf. „Kirchturmpolitik bringt uns nicht weiter – ein gemeindeübergreifendes Flächenmanagement hingegen schon“, so die Vorsitzende. In der gewerblichen Nutzung sollten unter anderem auch interkommunale Gewerbegebiete mehr in Betracht gezogen werden.

„Wenn der Bedarf da ist und die Bedingungen stimmen, müssen unsere 17 Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis auch in Zukunft flexibel auf die Wünsche und Anforderungen der lokalen Unternehmen eingehen können“, fordert Reindl. Eine wichtige Botschaft hat sie auch für die Landespolitik:

Wir verlangen von allen politischen Akteuren und Parteien eine ehrliche Diskussion. Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft an den Pranger stellt und jegliche Entwicklung mit Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger bewusst in die Irre.

Wie aus den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik hervorgeht, hat sich die Flächennutzung durch Gewerbe und Industrie im Landkreis zwischen 2011 und 2015 nicht verändert und lag gleichbleibend bei 0,3 Prozent. Gleichzeitig stieg zwischen 2010 und 2015 die Bruttowertschöpfung um über 30 Prozent.

Übersicht über die genutzte Fläche im Landkreis.
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