Gemeinde macht Weg frei für Erweiterung am Oedberg

„Kleines Rust“ kommt nach Gmund

Wie groß wird das Camper-Eldorado? So hatte man sich noch im Februar gefragt. Jetzt liegt die Grobplanung vor. Ein kleiner „Europapark“ lässt grüßen.

Testlauf bestanden: In diesem Jahr durften hier Camper offiziell mit ihrem Wohnmobil stehen. / Bild: oedberg.de

„Im Gemeindegebiet haben wir sonst überhaupt nichts“, zeigte sich Bürgermeister Alfons Besel (FWG) dem Freizeitgelände am Oedberg positiv gegenüber. In der gestrigen Gemeinderatssitzung standen die Erweiterungspläne erneut auf der Agenda. Bereits viel wurde darüber gesprochen.

Reisberger stellt Erweiterungspläne vor

Besel fasste zusammen, dass das Angebot wichtig wäre sowohl für Einheimische als auch Urlauber und Tagesausflügler. Auch im ganzen Tegernseer Tal gebe es wenig Möglichkeiten, mit dem Wohnmobil zu übernachten. Begrüßen würde er auch die Zielgruppe der Radler sowie Alpenüberquerer. Weil das Areal so wichtig wäre, freue er sich, dass jetzt ein stimmiges Konzept vorliege.

Eigentlich unüblich in Gemeinderatssitzungen, erlaubte der Bürgermeister dem Betreiber Georg Reisberger, seine Pläne selbst zu erörtern. 50 Jahre gibt es den Oedberg nun schon als Skilift, erfuhr man zur Historie. Der Lift wurde ausgebaut. Vor zehn Jahren kam dann der Ganzjahresbetrieb mit Sommerrodelbahn und Spielplatz hinzu, etwas später dann der Kletterwald.

In Zeiten, in denen es im Winter keine Schneesicherheit mehr gibt und es auch im Sommer häufig regnet, ist es für die Betreiber wichtig, das Geschäft am Oedberg mit einem wetterunabhängigen Angebot zu sichern. 30 bis 50 Arbeitsplätze hängen daran. Nachdem Reisberger die Notwendigkeit derart verbal unterstrichen hatte, präsentierte er per Beamer-Präsentation die Grobplanung.

Ostin als Einstieg in die Bergwelt

Konkret geht es darum, die östlich an das bestehende Gelände angrenze Wiese zu erschließen. „Wir stellen uns vor dass, man auf der Wiese Übernachtungsmöglichkeiten schafft. Verschiedene Häuserl für Wanderer und Radler sollen hier losstarten, aber auch ganz normale Familien.“ Zusätzlich werden weitere 24 Wohnmobilstellplätze, Parkplätze sowie ein künstlicher See angelegt. Ohne Wasser kein Urlaubsfeeling, so sieht es Reisberger.

Die bestehende Spedition würde irgendwann ihren Betrieb einstellen, warf er voraus, auf dieser Fläche sollten dann auch Fremdenzimmer Platz haben. „Für Familien mit Kindern ist es ein Einstieg in die Bergwelt“, glaubt der Betreiber zu wissen. Und rechnet sich für die Oedberg GmbH dadurch eine gesicherte Existenz aus.

Der bestehende Stadl werde infrastrukturell ausgebaut, mit Waschanlagen, Toiletten, Duschen und einem Radlgeschäft. Einen Interessenten dafür hätte man schon gefunden. Des weiteren solle es eine Rezeption geben sowie weiterhin natürlich Skischule sowie -Verleih. „Wenn wir nicht nach Osten erweitern können, wird es wirtschaftrlich nicht durchzuführen sein“, fasste er zusammen.

Vorstellbar oder undenkbar?

Beim heutigen Beschluss gehe es um die Vision, ob man sich diese Freizeitanlage vorstellen könne, nicht um jedes einzelne Detail, so der Bürgermeister. Im schlimmsten Fall wäre es auch leicht rückbaubar, denn alles was Stellplätze und so kleine Häuschen wären und kein großer Hotelkomplex, wäre kein Problem. „Diese Anlage braucht ein klares, politisches Signal“, wünschte sich Besel. Die Gemeinderäte diskutierten kontrovers.

Martin Mayer (FWG) und Martina Ettstaller (CSU) fanden die Zukunftsaussichten „echt super“. Ettstaller unterstrich: „Da rührt sich was. Da ist alles kompakt und schön beieinander. Ein „kleines Rust“ – in Anlehnung an die beliebte Freizeitanlage „Europapark“ im baden-württembergischen Rust.

Georg Rabl (FWG) sah das ganze ebenso positiv. Es solle weniger geflogen werden. Frei nach dem Motto, nicht Seychellen sondern See. Philosophisch fragte er in die Runde, was zuerst komme, das Huhn oder das Ei. Soll heißen: die Leute möchten da hin aber es ist nichts da oder erst das Angebot schaffen. Kurzum: für ihn sei der Oedberg als Tourismuszentrum ausbaufähig. Genauso sah es auch Josef Berghammer (CSU).

Konzeption wider die Natur?

Neben den Befürwortern gab es auch Kritik. Barbara von Miller (SPD) wünschte sich mehr Infos, in etwa 3D-Ansichten oder eine klare Vorstellung, wie die Häuserl aussehen. Außerdem würde sie gern noch nach Alternativen suchen: „Vielleicht an einem anderen Bereich, wo es nicht so wehtut.“ Vor allem sorgte sie sich um den Wasserschutz. „Ich habe große Probleme mit so einer großen Parkfläche.“ Sie wünsche sich einen Shuttle-Bus, ähnlich wie es ihn etwa im Engadiner Samnaun gebe.

Reisberger ging darauf ein und meinte, der Parkplatz müsse möglichst groß sein. Das mit dem Shuttle (RVO, BOB) hätte man bereits versucht, allerdings mit bescheidener Resonanz. Ihm sei es auch lieber, die Leute kämen mit Rad, Bus oder Bahn und nicht „vier Leute mit drei Autos.“

Auch Laura Wagner (GRÜNE) sah die Konzeption noch nicht ausgereift. Und meinte damit den Verlauf der vergangenen Monate rund um das Projekt: „Da hieß es man braucht wieder einen Parkplatz, dann Tiny-Häuser und dann Ferienwohnungen. Für mich ist das um a Fünferl a Durcheinanda.“

„Das muss das Ende sein!“

Besel gab ihr Recht, dass jetzt Klarheit her müsse. Er bekräftigte, genau deswegen hätte man Reisberger dazu gedrängt, ein Gesamtkonzept vorzulegen, auf dessen Grundlage man sich mit Fachbehörden auseinandersetzen kann. „Wird das das Ende sein oder kommt da noch was?“ Fragte es sich Barbara von Miller zum Schluss. Der Bürgermeister beschwichtigte: „Das muss das Ende sein. Natürlich ist das unsere Heimat, unser Ostin, aber wir müssen ja auch die Landesplanung mit auf den Weg nehmen.”

„Das ist jetzt rund“, meinte der Betreiber. Allerdings sei es halt eine Grobplanung. Ob der See jetzt ein bisschen anders platziert werde oder wie die Häuserl genau aussehen, das müsse man sehen. Ihm sei wichtig, dass die Gemeinde das wirklich wolle. Denn „nur dann kann das was werden.“

Die meisten Gemeinderäte gaben dann auch Grünes Licht. Mit vier Gegenstimmen entschied sich das Gremium für die Erweiterung. Nun muss man sich mit übergeordneten Behörden auseinandersetzen. Speziell geht es um Natur- und Wasserschutz und die Ausgleichsflächen. Ein Shuttle-Angebot soll ebenfalls geprüft werden.


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