Papierfabrik Louisenthal

Gmunder Drucker im Aufwind

Von Steffen Greschner

Ergänzung vom 19. Januar / 13:32 Uhr
Im September noch schien die Welt für die Papierfabrik Louisenthal aus den Fugen. Zumindest konnte man den Eindruck bekommen, wenn man das Wehklagen der Politik ernstgenommen hat.

Die Papierfabrik hatte einen großen Euro-Auftrag verloren. Die Lobbyisten waren aufgeschreckt und hatten „ihre“ lokalen Größen losgeschickt, die der Presse ihre Meinung dazu in die Notizblöcke diktierten.

Doch auch das konnte den Auftrag und damit den sicher geglaubten Umsatz nicht mehr zurückholen. Das Geld war im wahrsten Sinne des Wortes futsch.

Kein Winterschlaf: Die Papierfabrik in Louisenthal mit Expansionsplänen

Heute, nur vier Monate später, boomt es scheinbar in Louisenthal. Und das, so der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing, obwohl „die Papierfabrik von der Bundesregierung ausgebremst wird.“

Ganz konkret wollen die Verantwortlichen eine neue, zweistöckige Lagerhalle erbauen. Auf 53 mal 38 Metern werden 3.082 Quadratmeter neue Fläche für die Produktion entstehen. Ortstypisch möchte man dort ein Satteldach mit 5 Grad Neigung draufbauen. Alleine für diesen einen Neubau benötigt die Papierfabrik 76 neue Stellplätze. Doch die sind durch die 395 bestehenden Plätze im Umfeld des Areals abgedeckt.

Insgesamt stehen die Zeichen also auf Wachstum. Und das trotz des Verlustes vor einem Jahr.

Ursprünglicher Artikel vom 16. September mit der Überschrift „Kommentar: Verlieren tut weh“:
Die Papierfabrik Louisenthal beklagt sich über den Wegfall eines Großauftrages. Anfang des Jahres hatte Gmunds größter Arbeitgeber einen Euro-Auftrag verloren. Damals und heute ein Ärgernis, da die Produktion von deutschen Euro-Banknoten einen nicht unerheblichen Umsatzposten darstellt.

Für die Politiker im Landkreis ist der Verlust aber vor allem eine schwere politische Schlappe. Konnten Sie es trotz „intensiver Arbeit im Hintergrund“ nicht verhindern, dass der Auftrag europaweit ausgeschrieben wurde. Mit den beschriebenen Konsequenzen für Giesecke & Devrient.

Doch mittlerweile geht das politische Strippenziehen weiter. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Papierfabrik arbeiten einige Politiker an einer Dolchstoßlegende ala „die blöden Deutschen haben es vermasselt“. Völlig unnötig habe die „Deutsche Bundesbank umgesetzt, was noch gar nicht verpflichtend war.“ So die Interpretation von Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing gegenüber der Tegernseer Zeitung.

Damit habe man der Papierfabrik einen großen Auftrag weggenommen und irgendwohin ins europäische Ausland vergeben. So etwas würden die nationalbewussten Spanier oder Franzosen nie machen, weiß zumindest der umtriebige Landtagsabgeordnete Alexander Radwan.

Nach dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt, versuchen sich Verantwortliche der Papierfabrik an einer gewagten Interpretation. „Es gehe darum einen fairen Wettbewerb hinzubekommen,“ so die Aussage von Geschäftsführer Walter Schlebusch.

Wobei man sich die Frage stellen kann, was an einer europaweiten Ausschreibung unfair ist? Transparent und konkurrenzbetont hat diese das Ziel „Mauschelei und politische Einflußnahme“ auszuschließen. Die Grundidee: ein vitaler Wettbewerb erhöht die Qualität der Leistung und reduziert die Kosten. Das kommt am Ende vor allem dem Steuerzahler zugute. Meistens zumindest.

Dass die Deutsche Bundesbank diesen Weg „in vorauseilendem Gehorsam“ (Zitat Radwan) begeht, ist begrüßenswert. Von einer „Schnapsidee“ (von Preysing) zu sprechen, darf in dem Zusammenhang getrost unter politisch motivierte Polemik abgelegt werden.

Deutsche Firmen sind in vielen Bereichen führend und profitieren von einer europaweiten Zusammenarbeit. Und damit auch oft genug von sogenannten europaweiten Ausschreibungen. Wir sollten aus dem Grund die Letzten sein, die sich darüber beschweren. Schon alleine aus eigenem wirtschaftlichem Interesse.

In diesem konkreten Fall hat der faire Wettbewerb am Ende zweierlei aufgezeigt: die Preise der Papierfabrik waren nicht konkurrenzfähig. Und die politischen Amtsträger verlieren bei größeren Aufträgen, zumindest auf regionaler Ebene, langsam ihren Einfluß. Der Filz weicht und dadurch sinken widerrum die Preise.

Das Erste ist bitter, aber unter Umständen änderbar. Das Zweite ist eindeutig zu begrüßen.


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