Landrat und Tourismusverbände werben für Fusion von TTT und ATS

“Nur gemeinsam sind wir stark”

Von Christopher Horn

Heute wurde zum zweiten Mal der Tag des Tourismus für den gesamten Landkreis ausgerichtet. Auf der Messe im Wiesseer Gasthof Hotel zur Post waren neben vielen Landkreis-Bürgermeistern und dem Landrat auch die Vertreter der Tourismusorganisationen von TTT und ATS sowie zahlreiche Aussteller vertreten.

Dabei drehten sich die Gespräche vor allem um ein Thema: die geplante Fusion der beiden Tourismusorganisationen TTT und ATS.

Zahlreiche Tal-Bürgermeister und der Landrat weilten heute am Tag des Tourismus in Bad Wieseee
Beim Tag des Tourismus in Bad Wieseee

Die Messe war gut besucht, zahlreiche Vertreter aus der Tourismusbranche, aber auch viele Zuschauer schlenderten durch die Räumlichkeiten des Wiesseer Hotels zur Post. Wie schon im vergangenen Jahr fand dort auch heuer wieder der Tag des Tourismus statt.

Und auch einige Tal-Bürgermeister und der Landrat waren da und ließen sich vom Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) Georg Overs über die Messe führen. Im Anschluss daran fiel der Startschuss für eine Reihe von Vorträgen. Das zentrale Thema: die anstehende Fusion der beiden großen Tourismusverbände im Landkreis ATS und TTT.

Zentrale Bedeutung des Tourismus

Den Anfang machte dabei Landrat Jakob Kreidl und richtete ein Grußwort an die versammelten Zuhörer. Gleich zu Beginn betonte er dabei die besondere Bedeutung des Tourismus für den gesamten Landkreis und im Speziellen für das Tegernseer Tal: „Tourismus ist nicht alles, aber ohne Tourismus haben wir nichts.“ Dabei schränkte er ein, dass dieser Satz zwar übertrieben klinge, sich aber mit Zahlen untermauern ließe.

Mehr als 50 Prozent der Wirtschaftskraft im Landkreis Miesbach hingen direkt mit dem Tourismus zusammen, so der Landrat weiter, und er betonte: „Nur gemeinsam sind wir stark, und wir müssen unsere Stärken zusammen noch besser zur Geltung bringen.“ Gemeinsam ‒ dieses Wort sollte im Laufe des Nachmittags noch einige Male fallen.

TTT-Chef Georg Overs und ATS-Leiter Harald Gmeiner warben heute intensiv für eine Fusion der beiden Dachverbände
TTT-Chef Georg Overs und ATS-Leiter Harald Gmeiner warben heute intensiv für eine Fusion der beiden Dachverbände

„Wir haben in den letzten Jahren die Markenbildung unserer Region intensiv vorangetrieben, um die Ziele des Masterplans 2020 auch erreichen zu können“, so ATS-Chef Harald Gmeiner. Und dieser sei durchaus sportlich. 3.000 neue Betten und 500.000 neue Übernachtungen sollen bis 2020 erreicht werden.

Man mache das im Übrigen nicht nur für den Gast, sondern auch für die Bürger, da auch deren Lebensqualität durch die Maßnahmen steige, so Gmeiner weiter. Darüber hinaus unterstrich auch er die touristische Bedeutung des Tegernseer Tals für die gesamte Region, machte aber deutlich, dass auch der Tegernsee alleine auf Dauer nicht konkurrieren könne. Dazu wählte er deutliche Worte:

„Wir konkurrieren nicht mehr nur mit dem Schwarzwald, sondern mittlerweile mit Regionen aus der ganzen Welt. Aus diesem Grund gilt es, die Kräfte und das Budget zu bündeln, um auch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“

„ATS neu“

Zunächst wollen die Verantwortlichen informieren und alle Gemeinden mit ins Boot holen. Noch im Laufe dieses Monats wird jede Kommune daher umfassende Informationspakete erhalten, die genau darlegen sollen, welche Struktur die künftige neue Dachorganisation „ATS neu“ haben wird.

Dabei werden die „Alpenregion Tegernsee Schliersee“ als Dachmarke und „Der Tegernsee“ als Premiummarke fungieren. Die Rechtsform soll eine GmbH sein. Der eine Teil des jährlichen Marketingbudgets der ATS in Höhe von 2,5 Millionen Euro wird in Marketing und die Koordination lokaler Aufgaben einfließen und auf alle Kommunen nach dem Übernachtungsschlüssel verteilt.

Der Tegernsee und der benachbarte Schliersee werden künftig noch enger verzahnt/Quelle: Ludwig Hörth

Darüber hinaus erhält der Tegernsee als Premiummarke nochmals 500.000 Euro zusätzlich. Der zweite Baustein des Jahresbudgets in Höhe von 6,3 Millionen Euro fließt in lokale Leistungen wie den Betrieb der Touristinfos, aber auch lokale Sonderveranstaltungen und konkrete Projekte.

Durch die Neuregelung entsteht natürlich auch die Frage der Kostenübernahme. Und hier gibt es für die Tal-Gemeinden einen durchaus negativen Punkt. Da der Tegernsee als Premiummarke im Marketing weiter eine Sonderstellung einnehmen soll, müssen die Gemeinden voraussichtlich auch einen zusätzlichen Premiumbeitrag bezahlen. Dieser soll 16,7 Prozent der Gesamtkosten betragen. Den Rest übernehmen dann alle Gemeinden und der Landkreis gemeinsam.

Aufgaben wie Marketing, strategische Ausrichtung und Koordination werden künftig zentral von der neuen ATS übernommen. Wie bislang auch die TTT wird sie zudem die einzelnen Tourismusbüros in den Gemeinden führen. Die Kur- und Eigenbetriebe bleiben aber in der Hand der Gemeinden, ebenso soll die Kommune die Entwicklung ihrer Infrastruktur weiter selber in der Hand halten.

Die Gemeinderäte müssen noch zustimmen

Diesen Entwurf wollen die Verantwortlichen den 17 Gemeinderäten im Landkreis zeitnah präsentieren. Die sollen dann nach Möglichkeit bis Ende Juli darüber abstimmen, ob sie eine Fusion grundsätzlich haben wollen oder nicht. Um die Details wird es jedoch erst im Herbst dieses Jahres gehen, auch darüber wird dann nochmals abgestimmt. Der Start der „neuen ATS“ ist frühestens für Anfang Januar 2014 geplant.

„Wir wollen alle Gemeinden mit ins Boot holen und keinen Zeitdruck ausüben, trotzdem dürfen wir nicht zu viel Zeit im Wettbewerb mit anderen Regionen liegenlassen“, so ATS-Chef Gmeiner weiter. Eine Auffassung, die im Prinzip auch einige Tal-Bügermeister teilen, doch gerade die relativ rasche Umsetzung bereitet ihnen Bauchschmerzen. Dazu der Bürgermeister von Rottach-Egern Franz Hafer:

„Eine Fusion ist auf jeden Fall der richtige Weg, ob das Tempo richtig ist, ist dabei eine andere Frage.“

Und auch sein Kreuther Amtskollege Josef Bierschneider betont, dass es wichtig sei, dass alle an einem Strang ziehen würden und dieser Weg weitergegangen werde. Dabei, so Bierschneider, komme es aber nicht auf drei oder vier Monate an.


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