Verein des Altlandrats auf Sponsoringliste

Kreissparkasse kaufte auch Kerkel-Bücher für 10.000 Euro

Von Klaus Wiendl

Nicht nur bei den runden Geburtstagen von Landrat Jakob Kreidl und seines Vizes Arnfried Färber öffnete die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee die Schatulle. Neue Recherchen der Tegernseer Stimme zeigen: Auch der Verein „Altlandrat Norbert Kerkel“ erhielt insgesamt 17.000 Euro.

Pikant: Arnfried Färber war in der Zeit, in der die Gelder flossen, sowohl Erster Vorsitzender wie auch Mitglied des Verwaltungsrates. In der neugegründeten Stiftung soll er allerdings keine Rolle mehr spielen.

Vize-Landrat Arnfried Färber ist mittlerweile nicht mehr im Stiftungsrat.
Vize-Landrat Arnfried Färber ist mittlerweile nicht mehr im Verein und auch nicht in der Stiftung aktiv.

So erwarb die Sparkasse „400 Norbert-Kerkel-Bücher im März 2010 zum Verkaufspreis von 24,90 Euro als Weihnachtspräsente für die Mitarbeiter des Landratsamts“, das erklärte der bisherige Kassenrevisor Prof. Ralf Huss von der Kerkel-Stiftung nun auf Anfrage. Das Buch wurde damals unter anderem von Norbert Kerkel junior initiiert und umfasst rund 288 Seiten. 100 Autoren schreiben darin über Erlebnisse mit dem 2008 verstorbenen Altlandrat.

Aus der Sparkasse heißt es nun auf Nachfrage, man habe die Bücher für den normalen Preis abgenommen und teilweise als Kunden- oder Mitarbeitergeschenke verteilt. So betont Pressesprecher Peter Friedrich Sieben:

Die Bücher wurden allerdings auch über die Geschäftsstellen verkauft. Das Geld aus dem einmaligen Kauf ist direkt an den Verein gegangen. So machen wir es mit allen Büchern. Eben ein ganz normaler Vorgang für uns als Sparkasse.

Zusätzlich zu der Summe aus dem Buchkauf überwies die Sparkasse dem Verein am 16. Juni 2010 auch noch eine Spende in Höhe von 7.000 Euro. Zusammen sind dies knapp 17.000 Euro, die das Institut beisteuerte. Kerkel senior wie junior waren und sind zudem Parteifreunde von Färber bei der Freie Wähler Gemeinschaft (FWG). Vorsitzender des Sozialen Vereins, der im April 2010 gegründet wurde, war bislang Vize-Landrat Färber. Doch meist wird das Hilfswerk mit Norbert Kerkel junior in Verbindung gebracht, dem Kandidaten der FWG für die Stichwahl um den Posten des Miesbacher Landrats.

Verschiedene Sponsoren

Norbert Kerkel senior leitete 21 Jahre lang die Geschicke des Landkreises. Sein Sohn will mit dem Verein Bedürftigen dauerhaft und unbürokratisch helfen. Laut Satzungszweck zählen dazu die Unterstützung des Freundeskreises Krankenhaus Agatharied, der Bergwacht Rottach-Egern und des Hauses Bambi, einer Heilpädagogischen Wohneinrichtung für Kinder und Jugendliche in Schliersee/Neuhaus.

Der Verein finanziert sich „aus dem Verkauf des Norbert-Kerkel-Buches, einer Unterstützung von 54.000 Euro durch die Aktion ‚Leser-helfen-Lesern‘, einer privaten Spende von Käthi Kerkel in Höhe von 5.000 Euro und einzelnen kleineren Aktionen, wie zum Beispiel Weihnachtslesungen auf dem Wallberghaus. Damit sind zur Gründung der Stiftung 75.000 Euro an Stammkapital zusammengekommen“, erläutert Professor Huss.

Arnfried Färber ohne Funktion

Das Buch über Norbert Kerkel.
Das Buch über Norbert Kerkel.
Hervorgegangen ist die Stiftung aus dem Sozialen Verein Altlandrat Norbert Kerkel e.V. Die staatliche Anerkennung der Stiftung erfolgte am 17. Januar 2014. Die letzte Sitzung des Vereins und gleichzeitig konstituierende Versammlung der Stiftung fand am 4. März 2014 statt. Dabei wurden Alois Winderl zum Vorsitzenden des Stiftungsrats und Prof. Ralf Huss zum Vorsitzenden des Stiftungsvorstands gewählt. „Herr Arnfried Färber hat keine Funktion in der Stiftung“, teilte Prof. Ralf Huss nun auf Anfrage mit.

Der Homepage der Stiftung, die Färber allerdings immer noch als 1. Vorstand führt, ist dabei wenig zu entnehmen, was mit dem Stiftungsvermögen von 75.000 Euro geschieht. Einzig am 20.11.2012 gibt es einen Hinweis auf die Unterstützung des „Freundeskreises Krankenhaus Agatharied“ mit einer 2.000-Euro-Spende. Kürzlich soll es auch eine Unterstützung „von 500 Euro an eine einzelne bedürftige Person in Miesbach“ gegeben haben. Das zusammengenommen ist ein wenig dünn für einen Verein, der seit vier Jahren existiert und mittlerweile ein beachtliches Kapital angehäuft hat.

In der Zukunft, so Huss, werden Unterstützungen „aus dem erwirtschafteten Ertrag des Stammkapitals der Stiftung entnommen werden.“ Das momentane Niedrigzinsniveau mache das allerdings schwierig.

Deshalb sind wir auf weitere Zustiftungen zum Stammkapital und Zuwendungen angewiesen. Ein Teil solcher Zuwendungen kommt auch teilweise aus den Mitgliedsbeiträgen des Vereins, der jetzt verstärkt auf der Suche nach engagierten Mitgliedern ist (Anmerkung der Redaktion: z.Zt. sind es rund 20 Mitglieder). In der nächsten Zeit werden wir auch ein Stiftungskuratorium aus Bürgern des Landkreises installieren, um das Spendenaufkommen gegebenenfalls noch weiter erhöhen zu können.

Sollte das Buch „Norbert Kerkel – Humorvolle und nachdenkliche Geschichten über einen bayerischen Landrat“ sich aber noch zum Verkaufsschlager entwickeln, so könnte auch daher noch Geld in die Stiftungskasse kommen. Vorsorglich wurden gleich 2.500 Stück aufgelegt. Noch aber hapert es offenbar mit der Nachfrage. Huss: „Es sind noch zahlreiche Exemplare auf Lager.“


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