Gegen den Ausverkauf der Heimat

So wollen die Kreuther ihr Ortsbild retten

Wo noch eine lockere Bebauung vorhanden ist, wollen Bauträger gerne alles mit Eigentumswohnungen zupflastern. Gegen diesen Trend helfen nur kostspielige Bebauungspläne. Und den Weg wollen die Kreuther nun gehen – gegen “ungute Entwicklungen” wie im nahen Rottach-Egern.

Diese Flächen in den Ortsteilen Oberhof/Weißach will Kreuth mit einem
Bebauungsplan überziehen. /Quelle Google

Die Kreuther Flächen in Oberhof/Weißach sind offenbar besonders begehrt. Ein Grund: sie grenzen unmittelbar an Rottach-Egern an. Zwischen der B307 und der Weissach entbrannte zuletzt dort der Streit mit dem Landratsamt um den Erlenweg 5. Ein Bauträger wollte auf dem etwa dem etwa 4.000 Quadratmeter großen Grundstück das bestehende Einfamilienhaus mit zwei weiteren und zwei Doppelgaragen verdichten.

Die Gemeinde lehnte den Bauantrag mit der Begründung ab, ein Teil des Grundstücks befinde sich im Außenbereich, und dürfe daher nicht bebaut werden. Das Landratsamt sah das anders, und überstimmte die Kreuther. Die Gemeinde reagierte mit einem Bebauungsplan. Letztlich durfte der Antragsteller, dessen Anwalt auch gleich im Rathaus auf der Matte stand, bauen, aber nur in abgespeckter Form.

Um einen solchen Zwist mit dem Landratsamt, das das Einvernehmen ersetzen kann, künftig zu vermeiden, soll nun auch das angrenzende Gebiet am Erlenweg mit einem Bebauungsplan vorsorglich überplant werden. Dieser umfasst die Straßen: Hessenbichlweg, Sandbichlweg, Bräunbichlweg (östlicher Teil), Am Wiesenbach, In der Traten, Carl-Miller-Weg (südlicher Teil), Hammerschmiedstraße (südlicher Teil). Mit dieser Maßnahme will Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) die „Bebauung steuern, damit wir keine ungewollte Entwicklung in bestimmten Gebieten bekommen“.

Domino-Effekt verhindern

Dabei sei darauf zu achten, dass ein Bebauungsplan, der über bereits bebaute Gebiete gelegt werde, kein Baurecht wegnehme, da man sonst entschädigungspflichtig sei. Deshalb soll damit ein entsprechend versiertes Architekturbüro beauftragt werden. Dies würde den Bestand aufnehmen und ausloten, was nach dem Baurecht möglich wäre. „Damit wollen wir Auswüchse verhindern“, stellte Bierschneider klar.

Für Martin Walch (SPD-Fraktionssprecher) war es bei dem Bebauungsplan über ein größeres Gebiet wichtig, „dass wir einen Domino-Effekt vermeiden“. Die ungute Entwicklung würde man in Rottach-Egern bei der Villenbebauung sehen. Dort könne sich der nächste Bauherr an die dichteste Bebauung orientieren. Dies würde das Baugesetzbuch ermöglichen. Somit würden dann, wie es in Rottach oft passiert sei, mehrere große Mehrfamilienhäuser entstehen. „So etwas wollen wir bei uns verhindern“, so Walch, deshalb sei der Bebauungsplan „so wichtig“.

Damit soll kein neues Baurecht geschaffen, aber auch kein bestehendes einschränkt werden. „Dies sollte dann künftig auch für andere Fälle gelten“, forderte Walch. Einstimmig genehmigte der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss, der nun amtlich bekannt gegeben werden soll.


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