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Freude in Kreuth: Endlich Bergsteigerdorf!

Von Klaus Wiendl

Lange angestrebt, jetzt auf dem Gipfel. Doch nicht alle Betriebe und Ortsteile in Kreuth dürfen sich mit dem Logo Bergsteigerdorf schmücken, was gestern Abend für Verwunderung sorgte.

Bürgermeister Josef Bierschneider, Christine Miller, Vorsitzende
der DAV-Sektion Tegernsee, Hanspeter Mair, DAV-Bereichsleiter Alpine
Raumordnung, Dr. Tobias Hipp, DAV-Projektkoordinator.

Der Saal in der Naturkäserei war gut besetzt, als Kreuths Rathauschef Josef Bierschneider zur Bürgerversammlung einlud. Etwa 70 Besucher informierte er über die Bewerbung zum Prädikat Bergsteigerdorf des Deutschen Alpenvereins (DAV). Wie mehrfach berichtet, betreibt Bierschneider seit 2014 das Projekt. Dabei sieht der Kreuther Bürgermeister Kreuth gut gerüstet.

Man habe die Landschaft vor allzu großen Eingriffen durch neue Seilbahnen, Lifte und Schneekanonen bewahrt und die Kultur alpiner Traditionen pflegt. Die Gemeinde stehe für einen nachhaltigen Tourismus, ohne den das werbewirksame Prädikat vom DAV nicht vergeben werde. So war es auch Hanspeter Mair, Bereichsleiter Alpine Raumordnung, vorbehalten, die Entscheidung des internationalen Steuerungsausschusses der Alpenvereine vom Mai nun zu verkünden. Eine Entscheidung mit einem Pferdefuß. Denn nicht die gesamte Gemeinde kann sich ab nächstem Jahr mit dem Logo Bergsteigerdorf schmücken, sondern nur der Ortskern.

Bierschneider „riesig erfreut“

Doch zunächst gab es Beifall. „Damit ist der Weg zum Bergsteigerdorf bereitet“, so Mair. Voraussichtlich im nächsten Frühjahr könne dann die Aufnahme in den Kreis der über 20 Bergsteigerdörfer gefeiert werden. Formell erhält der Ort die Auszeichnung aber erst, wenn er die „Bergsteigerdorf-Deklaration“ unterzeichnet hat. Er kannte zwar schon die Entscheidung des DAV, dennoch war Bierschneider „riesig erfreut“, dass er seine Bürger damit überraschen konnte. Mair war froh, dass sich nun auch der Landkreis Miesbach mit dem Prädikat eines Bergsteigerdorfs schmücken könne. „Mir geht da echt das Herz auf“. Die Marke Bergsteigerdorf gebe der Alpenkonvention ein attraktives Gesicht.

Welche Auswirkungen ein solch nachhaltiger Tourismus habe, zeige sich auch am verstärkten Interesse bei Fernwanderungen, so Bierschneider, beispielsweise auf der Etappe von Tegernsee nach Sterzing. Er bekomme immer wieder Rückmeldungen, dass dies sehr gut angenommen werde, sei es von Vermietern oder Gastronomiebetrieben. Zwar würden die Wanderer auf dem Weg meist nur eine Nacht in Kreuth verbringen, daher setze er nun in das Bergsteigerdorf große Erwartungen, dass die Alpinisten auch mehrere Nächte bleiben. „Deswegen können wir alle von dem Bergsteigerdorf profitieren“.

Zwei-Klassen-Gemeinde

Aber eben nicht alle, wie die anschließende Diskussion zeigte. Denn nicht jeder Ortsteil von Kreuth wird zum Bergsteigerdorf gehören. Da ein Kriterium sei, so Bierschneider, dass Bergsteigerdörfer nicht mehr als 2.500 Einwohner haben dürfen, Kreuth aber knapp 3.700 Einwohner zähle, sei man nur mit dem Ortskern und ein paar Ortsteilen bis Scharling in die Bewerbung gegangen, denn von dort würden auch die Bergtouren beginnen. „Weißach und Ringsee sind zu nahe am Tegernsee und passen nicht dazu“, erklärte Bierschneider.

Ihm sei nahegelegt worden, hier eine Abgrenzung zu schaffen. Dennoch würde ganz Kreuth von dem Titel Bergsteigerdorf profitieren. Ob man denn in Weißach mit Wanderangeboten im Bergsteigerdorf werben dürfe, war eine Frage aus dem Publikum. „Der Bewerbungsprozess seit 2014 war nicht ganz ohne Hürden“, offenbarte DAV-Projektkoordinator Dr. Tobias Hipp. Denn man habe feststellen müssen, „dass der Ortsteil Weißach nichts mit einem Bergsteigerdorf zu tun hat. Das passt nicht, deshalb darf sich Weißach auch nicht mit dem Gütesiegel schmücken“.

Bei der Bürgerversammlung zum Bergsteigerdorf in der Naturkäserei.

Dennoch wolle er dies noch nicht ganz ablehnen, man müsse sehen, wie man mit der Trennlinie durch Kreuth, künftig umgehe. Für Gemeinderat Markus Wrba (FWG) gibt es noch keine „klare Trennschärfe“, wenn ein Betrieb seinen Firmensitz außerhalb des Gebiets Bergsteigerdorf habe, aber sein Produkt von dort stamme und den Kriterien entspreche. Hipp will „auch nicht gleich die Türe für Partnerbetriebe in Weißach zumachen“. Entscheidend sei, welcher sich eigne.

Grundsätzlich gelte aber, „das Logo dürfen nur Partnerbetriebe verwenden“. Diese Zertifizierung aber gibt es nicht umsonst. Bis zu 200 Euro können für ein Hotel im ersten Jahr als Beitrag zu dem Projekt fällig werden, 30 Euro und mehr für einen 10-Betten-Betrieb. Als Gegenleistung gebe es dafür enorme Möglichkeiten der Kommunikation. Immerhin hätten die Alpenvereine von Österreich, Südtirol, Slowenien und Deutschland über 1,6 Millionen Bergfreunde in ihren Reihen, die auch mit entsprechender Werbung in den Mitgliederzeitschriften und online erreicht würden.

Bierschneider erklärte abschließend, dass man sich noch abstimmen müsste, um all die Probleme der Ab- und Ausgrenzung vom Bergsteigerdorf-Logo zu lösen. Schon die gestrige Bürgerversammlung ließ erahnen, dass es hier noch enormen Gesprächsbedarf geben wird. Bierschneider: „Manches geht, manches wird nicht gehen“. Dennoch ist sich Bierschneider sicher, „dass Gastronomen, Handwerker, Einzelhändler oder ganz normale Bürgerinnen und Bürger – alle anpacken und mithelfen wollen, damit das Bergsteigerdorf Kreuth eine Erfolgsgeschichte wird.“


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