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Verkehrskollaps im Tegernseer Tal

Studie entzaubert Mautsparer-Mythos

Von Martin

Auf dem Diskussionsabend der CSU am 18. Januar wurde intensiv über das Thema “Ersticken wir im Verkehr” informiert und debattiert. Dabei wurden zwei Dinge klar: Das Verkehrsproblem polarisiert. Und jeder hat sein ganz persönliches Lösungskonzept gegen den Kollaps im Tegernseer Tal.

Leider fehlte vielen ernstgemeinten Vorschlägen, wie die Errichtung einer Mautstelle in Kreuth oder dem Kreisverkehr an der Kreuzstraße, eine faktenbezogene Grundlage. Fragen blieben: Wie laufen die Verkehrsströme im Tal? Oder sind es tatsächlich die Mautsparer, die für den Hauptverkehr an schönen Wochenenden verantwortlich sind?

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Studie aus 1991 schafft Faktenbasis

Die fehlenden Fakten sind umso erstaunlicher, da es seit 20 Jahren eine Verkehrsstudie gibt, die vieles von dem beantwortet hätte. Und auch wenn die Studie aus dem Jahr 1991 ist, hat sie immer noch ihre Gültigkeit, wie der Gmunder Gemeinderat Anton Grafwallner betont.

In einer repräsentativen Befragung von über 8.000 Verkehrsteilnehmern, die am 16. Juli 1991 in Gmund an der Kreuzstraße ankamen, hatten gerade einmal neun Prozent vor, durch das Tegernseer Tal nach Österreich oder weiter nach Italien zu fahren. Überwiegend wollten die befragten Personen ins Tegernseer Tal (84%).

Ziel-Verteilung für die B318 / 24 Stunden Verkehrsbefragung am 16. Juli 1991 / Quelle: Professor Dr. Harald Kurzak

Auf Nachfrage beim Straßenverkehrsamt in Rosenheim teilte man uns mit, dass die Zahlen in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch nicht signifikant gestiegen seien. Bei der letzten Zählung im Jahr 2010 waren es knapp zehn Prozent Durchgangsverkehr.

Damit kann zumindest die Frage, ob Tagestouristen oder eher Mautsparer für unsere Staus verantwortlich sind, eindeutig beantwortet werden: Die Mautsparer oder “Italien-Fahrer” sind es nicht. Auch wenn dies von vielen Einheimischen oft als die ursächlichstes Probleme angesehen wird.

„Unsere Straßen sind an der Kapazitätsgrenze“

Laut den aktuellsten Statistiken aus dem Jahr 2010 befahren rund 15.000 Verkehrsteilnehmer an einem durchschnittlichen Verkehrstag die Bundesstraßen rund um den Tegernsee. „An Tagen, an denen beispielsweise Events, wie die Seefeste, stattfinden, können es sogar bis zu 25.000 sein“, so Grafwallner und ergänzt: „Durch die Überlagerung des Freizeitverkehrs mit dem Berufsverkehr an Werktagen, beziehungsweise während der Ferienzeit, an schönen Wochenenden oder bei großen Events ist Stau fast die Regel im Tegernseer Tal.“

Und Richard Brosig vom Staatlichen Straßenbauamt Rosenheim weiß: “Die durchschnittliche Verkehrsbelastung ist bei den Zählungen und Auswertungen annähernd gleich geblieben. Die Straßen sind seit längerem an der Kapazitätsgrenze. Daher gibt es bei neueren Zählungen kaum mehr Ausschläge nach oben.“

Ungut findet Grafwallner die Pläne des landkreisweiten Masterplans der Touristiker, die verstärkt auf Tagesausflügler aus dem Großraum München setzen wollen: „Dadurch wird die Verkehrssituation an den Wochenenden rund um den Tegernsee weiter verschlechtert.“

Schönes Wochenende und Baustelle - da ist der Kollaps im Zentrum von Gmund bis spät in den Abend vorprogrammiert

Bereits 1991 waren 36 Prozent der Verkehrsteilnehmer, die an der Kreuzstraße befragt wurden, aus dem Landkreis oder der Stadt München. Weitere 20 Prozent kamen aus Nordbayern.

In wieweit Einheimische an den Staus mitverantwortlich sind, lässt sich dagegen nicht abschließend beantworten. Jedoch kommen laut Grafwallner im Landkreis Miesbach auf 1.000 Einwohner über 700 PKW Zulassungen. „Damit befinden wir uns seit vielen Jahren statistisch an der Sättigungsgrenze“, erklärt Grafwallner.

Kreisverkehr an der Kreuzstraße löst keine Probleme

Als einer der Lösungen für die Stauproblematik hat Landrat Jacob Kreidl den Kreisverkehr erkannt. Nach dem Vorbild Miesbachs, wo die Staus von und in Richtung Irschenberg beseitigt werden konnten, möchte der Landrat am liebsten einen Kreisverkehr an die Kreuzstraße und einen auf Höhe Seeglas in Gmund setzen. “Das hat schon einmal funktioniert,” so Kreidl auf der CSU-Veranstaltung Mitte Januar.

Grafwallner ist da anderer Meinung: „Wenn man an der Kreuzstraße einen Kreisverkehr errichtet, kann man den Verkehr nicht mehr regulieren.“ Das sei mit der bestehenden Ampelanlage, die man nur „intelligent“ je nach Verkehrsaufkommen schalten müsste, viel besser und kostengünstiger machbar.

Der Verkehrsstrom kommt laut dem Gemeinderat und langjährigen Verkehrsingenieur durch einen Kreisverkehr „ungebremst“ in Dürnbach und am Gmunder Berg an. „Die Verkehrsproblematik wäre so nur ins Tegernseer Tal verlagert, was vor allem dazu führen wird, dass ortskundige zum Nachteil von Anwohnern Schleichwege benutzen.”

Der zweite angedachte Kreisverkehr in Sankt Quirin würde alles nur verschlimmbesseren, denn er müsste Fußgänger- und Fahrradfahrergerecht sein. Durch die geltenden Vorfahrtsregelungen käme es dort zu Problemen, die heute nicht existieren.

Kurzfristig und relativ kostengünstig ist es durchaus möglich auch die Verkehrssituation in den Abendstunden Richtung München aus dem Tegernseer Tal hinaus zu verbessern. „Ich bin davon überzeugt, dass gut getaktete und miteinander harmonisiert Ampelanlagen den Rückstau ins Tal deutlich verkürzen können“, so Grafwallner.

Ein Vorschlag, der mittlerweile auch bei Landrat Jakob Kreidl gut ankommen könnte. Kreidl hatte seine eigene Odyssee an einem vielbefahrenenen Sonntag im Tal geschildert. “Dabei hatte ich genug Zeit nachzudenken”, so der Landrat. Sein Resumee: In Zeiten von ferngesteuerten Ampeln müsse eine solche Lösung möglich sein.

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