Sechsstündige Rettungsaktion in Weyarn
Kampf um das Leben einer Kuh

von Maxi Hartberger

Gestern Nachmittag fiel eine zweijährige Kuh in Weyarn auf dem Heimweg von der Weide in eine Odelgrube. Doch obwohl Bauern und Rettungskräfte über sechs Stunden alles versucht haben – für das Tier nahm es kein gutes Ende.

Über sechs Stunden lang versuchten die Rettungskräfte die Kuh aus der Odelgrube zu retten. / Foto: Thomas Gaulke

Am Mittwoch, den 3.10., gegen 16:30 Uhr fiel eine Kuh eines 52-jährigen Bauerns aus Weyarn in seine Odelgrube. Das zweijährige Tier war auf dem Heimweg von der Weide, möglicherweise durch eine Rangelei mit Artgenossen, durch eine nur einen Quadratmeter große Öffnung in die vier Meter tiefe Odelgrube gestürzt. Der Aufprall wurde vermutlich durch die rund einen Meter hohe Flüssigkeit abgedämpft, sodass die eingesperrte Kuh unverletzt dort unten herumlief.

Zunächst wurde mithilfe mehrerer Odelfässer der umliegenden Bauern die Flüssigkeit bis auf zirka 30 Zentimeter abgepumpt, die Grube durch die Feuerwehr belüftet sowie ein Tierarzt verständigt. Dieser stieg anschließend mit Spritzschutzanzug und Atemschutz ausgerüstet mit Unterstützung eines Trupps der Feuerwehr über eine Leiter zu dem Tier ab, um eine Betäubungsspritze zu setzen. Doch die gestresste Kuh senkte sofort den Kopf und ging in Angriffsposition, sodass sich die Helfer aus Sicherheitsgründen zurückzogen.

Foto: Thomas Gaulke

Um das Tier zu fixieren, versuchte der Bauer eine Leinenschlaufe ähnlich eines Lassos über die Hörner zu werfen, was nach einigen Anläufen schließlich gelang. Auch konnte der Körper mit einem herabgelassenen breiten Schlauch in Position gehalten werden. Anschließend konnte über die integrierte Leitstelle eine Tierärztin erreicht werden, die zum Schießen von Betäubungsmittelpfeilen mittels Blasrohr berechtigt ist. Kurz vor 22 Uhr konnte dann der erste von drei Pfeilen mit relativ hoher Dosis gesetzt werden.

Tier durch Schusswaffe erlöst

Dennoch zeigte das Tier im Anschluss keine Ermüdungserscheinungen. Grund war möglicherweise der hohe Adrenalinpegel, der die Wirksamkeit des gespritzten Mittels herabsetzte. Weil aber an eine Rettung ohne Betäubung auch angesichts der kleinen Öffnung der Grube nicht zu denken war und alle bisherigen Rettungsversuche scheiterten, entschloss man sich vor Ort, das Tier zu erlösen. Dies übernahm die Polizei kurz darauf mit einem G 3-Gewehr gegen 22:40 Uhr.

Im Anschluss wurde der knapp 500 Kilogramm schwere Körper der Kuh aus der Grube geborgen. Fotograf Thomas Gaulke war vor Ort: „Alle Beteiligten waren sich letztlich einig, über etliche Stunden hinweg alles versucht zu haben, das Leben des Tieres zu erhalten. Auch wenn die finale Entscheidung schwer fiel – eine andere Möglichkeit wurde nicht mehr gesehen.“

Foto: Thomas Gaulke

Foto: Thomas Gaulke

Foto: Thomas Gaulke

Foto: Thomas Gaulke

Foto: Thomas Gaulke


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus