Kuhgäste, Higgs-Teilchen und anderes Getier

von Toni

Der Tegernsee hat Trinkwasserqualität und aufgrund dessen einen solchen Fischreichtum, dass zwei Berufsfischer vom Fischfang am Tegernsee leben können, erfährt man als Gast an Bord der MS Tegernsee während einer Rundfahrt auf dem See.

Wenn unter den Passagieren der MS Tegernsee Facebook-affine Gäste sind, dann kennen sie zumindest einen der beiden Berufsfischer und wissen sofort, dass dieser nicht gerade ein Wassertrinker ist und eher auf Seejungfrauen denn auf Seesaibling steht.

Kuhglocken für Kuhgäste?

Die Kurgäste im Allgäu werden von einigen Einheimischen Kuhgäste genannt, erfährt man ebenfalls bei einer Rundfahrt auf dem Tegernsee – allerdings nicht vom Tourenführer der Bayerischen Seenschifffahrt, sondern von mitreisenden Passagieren.

Der Anblick der auf dem Bootssteg in Bad Wiessee Wartenden hat solche Assoziationen ausgelöst, die fröhlich weiter geführt werden. „Wie wäre es, stattete man die Kuhgäste mit Kuhglocken aus“, ruft ein anderer Passagier, ebenfalls als Tourist – oder vielleicht sogar als Kurgast – unterwegs.

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Apropos Kühe: Rehe, Kühe, Fische und anderes Getier werden in den vielen exzellenten Restaurants rund um den Tegernsee mundgerecht angerichtet und dem Gast serviert. Die Namen der Sterneköche und ebenfalls der namhaften Nicht-Sterneköche erfährt man auf der Rundfahrt nicht, aber die Passagiere raunen sich zu, in welcher Fernsehsendung oder welchem Magazin man sie sehen oder zumindest eines ihrer Rezepte nachlesen kann.

“Alles, was aus Anstrengung entsteht, ist scheiße”

Nach anderthalb Stunden Schiffsrundfahrt auf dem Tegernsee steigen die Passagiere mit Wehmut im Herzen aus. „Es war mal was anderes“, seufzen die Damen. „Schön war es!“, schicken die Herren hinterher, und der stille Beobachter wundert sich: Ist es so schlimm, wieder an Land zu gehen? Offensichtlich ist es das.

An Land weht ein rauer Wind. Da geht es nicht um Kuhgäste, Sterneköche und Seesaibling. Das SZ-Magazin vom Freitag mag man gar nicht in die Hand nehmen, weil auf der Titelseite Till Lindemann, Sänger und Texter der Rockband Rammstein, mit aufgeschlitzter Haut abgebildet ist.

Er schreibt Sätze wie „Alles, was aus Anstrengung entsteht, ist scheiße. Hör dir die Musik im Radio an. Leiernder, wehleidiger, stumpfer Dreck. Entstanden aus Anstrengung. Gemacht von Leuten, die Häuser abbezahlen müssen.“

Rammstein wird in den USA frenetisch von Fans gefeiert, während in Deutschland umstritten, weil angeblich rechts, aber tatsächlich eher politisch links zu verorten.

Und es geht weiter …

Damit der Meldungen aus einer merkwürdigen Welt nicht genug: In Triberg im Schwarzwald gibt es neuerdings zwei Männerparkplätze. Die Gemeinde wählte Parkplätze, in die man besonders schwer einparken kann. In Bayern2 verkündet ein Moderator das Ende der Bundesschatzbriefe und damit der Deutschen liebsten Beschäftigung des Sparens. Der Grund: Der Leitzins wurde auf 0,75 Prozent gesenkt. Es lohnt nicht mehr, sein Geld auf die Bank zu tragen, aber wohin dann?

Und die Entdeckung der Higgs-Teilchen nicht zu vergessen. Die Higgs-Teilchen sind die Ursache all unseres Seins und somit indirekt auch von Rammstein, Männerparkplätzen und Geld ohne Wert. Denn ohne die Higgs-Teilchen würde gar nichts gehen. „Wenn das Higgs-Teilchen nicht da wäre, wäre alles ohne Masse gewesen. Also würde rein gar nichts von dem, was wir heute kennen, existieren, vermutlich nicht einmal der Weltraum“, sagt der Physiker und Cern-Forscher Professor Karsten Eggert.

Wie dem auch sei. Das Universum existiert, und ich gehe jetzt in die Sommerpause. Vielleicht fahre ich ins Allgäu und suche Kuhgäste. Obwohl … eigentlich müsste es die auch an der Ostsee geben, oder am Ammersee oder der Nordsee oder in Zypern, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien … – ein Schuft, wer Böses assoziiert. Also denn, bis zum 2. September …

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