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Rottacher Neubürger schreibt „Filserbrief“

Kuhglocken stören Zuagroasten

Besser hätte es Ludwig Thoma auch nicht schreiben können, was ein Rottacher Neubürger zu Papier brachte. Er beschwerte sich über die „lieben Viecher“ mit ihrem Glockengeläut beim Geschäftsführer der Gemeinde.

Kuhglocken-Geläut – für manchen „Zuagroasten“ keine Idylle.

Während Neugeborene im Tal meist mit Kuhgebimmel aufwachsen, ist es für zugereiste Immobilienerwerber zunächst die erhoffte Postkartenidylle, wenn Rinder auf der Weide stehen. Doch wenn man sie vor dem Balkon hat, artet das Kuhglockengeläut offenbar schnell zur Lärmbelästigung und Ruhestörung aus.

Nicht anders interpretierte Bürgermeister Christian Köck (CSU) den “Filserbrief“, den er dem Gemeinderat genüsslich vorlas. Verfasst wurden die Zeilen an Gerhard Hofmann Ende Oktober, in der Zeit des Almabtriebs, als Kalbinnen des Hofs „Beim Huid“ in Oberach noch für ein paar Tage auf die Weide kamen.

Ausgerechnet vor die Immobilie von Rainer K. Der störte sich daran, dass die Jungrinder mit ihren Glocken auch noch nachts am Wasserfass tranken und dadurch mit ihren Glocken für eine „uns sehr belastend wirkende nachbarschaftliche, insbesondere nächtliche Ruhestörung“ sorgten. K. habe „auch schon den Versuch unternommen, in einen direkten Kontakt mit dem Pächter“ zu kommen. Das Ziel sei es gewesen, „Bereitschaften für erstere Abhilfemaßnahmen (Verlegung der Wassertonne in einen eher anwohnerarmen Bereich) zu wecken“.

Gebimmel als „bedrängende Alltagserfahrung“

Es sei ihm von vorneherein klar gewesen, „dass ein erster persönlicher Kontakt nicht schon ausreichend sein würde, um sich auch schon auf die Behebung der hier eigentlich ausschlaggebenden Ursachen für diese 24 Stunden Lärmbelästigung (das Abstellen des Kuhglockengebimmels selbst) einigen zu können“. Da K. als Anrainer auf entsprechende Behelligungen „immer wieder aus Neue vorbereitet sein“ müsse, werde man den aktuellen Fall auf sich beruhen lassen.

„Wie ich gerade per Augenschein vom oberen Balkon feststellen konnte, ist das liebe Vieh nun auch schon abgetrieben“. Er möchte allerdings „zugleich Vorsorge dafür treffen, dass sich zumindest für die weitere Zukunft für alle Beteiligten es zu einer gütlichen Einigung zu kommen vermag“. Um sich nicht an die unteren Verwaltungsbehörden wenden zu müssen, schlug Rainer K. vorsorglich das Prinzip der „Abwägung vor, wenn zu einem gedeihlichen Miteinander der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und bereits zunehmend verdichteter Bebauung kommen“ soll.

Während K. glaubt, für Hofmann sei dies „sicherlich allemal wiederkehrende Alltagspraxis“, so „ist es für uns relativ neue Bürger der Gemeinde doch der allererste Fall einer persönlich bedrängenden Alltagserfahrung“.

„Bleiben, wo der Pfeffer wächst“

Entsprechend fiel die Replik von Köck aus. „Unverschämterweise“ hätten eine Woche lang Kälber in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Grundstück geweidet. Es sei natürlich auch Wasser bereitgestellt worden, denn ein Kalb brauche am Tag bis zu 70 Liter Wasser. „In der Nacht sind die Kälber dann offenbar mit ihren Glocken an den Wasserbehälter gestoßen und dann hat es halt ein bisschen gescheppert. Das ist normal“.

Auch wenn sie grasen würden gelegentlich die Glocken läuten. „Bei uns ist das normal, dass Viecher Glocken tragen“, so Köck sarkastisch auf den „Filserbrief“. Zum anderen befinde man sich hier bekanntermaßen in einer ländlichen Gemeinde. „Und wer sich entscheidet, seinen Wohnsitz hierher zu verlegen, egal woher er kommt, der sollte bitte akzeptieren, dass Landwirtschaft bei uns zum Ortsbild gehört. Diese ist uns sehr wichtig“, wetterte der Rathauschef, „wir haben noch 16 Milchviehbetriebe und darüber ich bin froh“.

Wenn man hierherziehe, „dann reicht nicht, sich nur ein Miesbacher Kennzeichen zuzulegen und mit der Lederhosen rumzuspringen, dann müssen eben auch unsere Gepflogenheiten respektiert werden. Sonst soll man dort bleiben, wo der Pfeffer wächst“. (Beifall).


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