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Tegernseer Tal Museum stellt Bände aus Psallierchor vor

Kulturschatz bleibt im Tal

Von Nadja Weber

69 Bände aus dem ehemals 11.600 Bücher großen Bestand des Psallierchors bleiben dem Tal erhalten. Der Hexal-Gründer Thomas Strüngmann kaufte die Bücher von der Kreissparkasse Miesbach und übergab sie dem Altertums-Gauverein Tegernsee. Die Experten sind heute mehr als froh, dass dieser kulturelle Schatz nicht in der Welt verteilt wurde.

Stolz präsentieren die Experten zusammen mit Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn die für den Tegernsee bedeutsamen Bände aus dem Psalierchor.
Stolz präsentieren die Experten zusammen mit Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn die für den Tegernsee bedeutsamen Bände aus dem Psallierchor.

„Undenkbar, wenn man sich vorstellt, solch ein Kulturschatz wäre jetzt in der ganzen Welt verstreut!“ Das waren die Worte von Hans-Herbert Perlinger, Vorsitzender des Altertums-Gauvereins. Beinahe wäre nämlich den 69 kulturhistorischen Bänden aus dem ehemaligen Buchbestand des Psallierchors das gleiche Schicksal widerfahren wie den restlichen über 11.000 Büchern: Sie wären bei einer Auktion in Berlin versteigert worden.

Mit dem Kauf der Nutzungsrechte des Psallierchors und dem gesamten Bestand von 11.600 Büchern wollte sich der damalige Vorstand der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Georg Bromme, wohl ein Denkmal setzen – für insgesamt 1,75 Millionen Euro ein sehr kostspieliges.

Altertums-Gauverein und Museum setzen sich ein

Damals begründete Bromme den Kauf damit, dass die Bücher eine hohe kulturelle Bedeutung für das Tal hätten. Doch als nach und nach die Sponsoring-Affäre der Kreissparkasse ans Licht kam, wurden sämtliche Geldflüsse der Bank von der Regierung von Oberbayern untersucht. Und die Bank sollte den Verlust möglichst wieder ausgleichen.

Folglich überließ die Kreissparkasse die Bücher dem Berliner Auktionshaus Hauff& Auvermann zum Verkauf. Doch dann wurde der Altertums-Gauverein Tegernsee, Träger des Tegernseer Tal Museums, hellhörig. Unter den 11.600 Büchern sollten sich auch kulturhistorische Werke mit direktem Bezug zum Tal befinden. Schnell fassten Perlinger und der Kirchenhistoriker Roland Götz den Beschluss, einen derartigen Kulturschatz für das Tal zu sichern.

Daraufhin reichte das Museum bei der Sparkasse eine Beschwerde ein, um die besagten Bücher vor einer Auktion zu bewahren. In Kooperation mit der Kreisbank wurde dann insgesamt 57 Werken in 69 Bänden das Prädikat „direkter Bezug zum Tegernseer Tal“ zuteil.

Relikte aus der Klosterbibliothek

Thomas Strüngmann, Gründer des Pharmaunternehmens Hexal, fand sich schließlich als Sponsor und erwarb die Werke von der Kreissparkasse Miesbach. Er übergab sie dem Altertums-Gauverein, der die Bücher jetzt als stolzer Besitzer im Tegernseer Tal Museum aufbewahrt. Perlinger erklärt:

Wir haben den Sponsor davor gar nicht gekannt. Durch einen Mittelsmann erfuhren wir, dass Herr Strüngmann sich interessiert zeigt, die Bücher zu erwerben. Wir haben uns darauf geeinigt, die genaue Kaufsumme nicht zu nennen, aber er lag im vierstelligen Bereich.

Der zeitliche Schwerpunkt der Werke liegt gegen Ende der Klosterepoche, im 18. Jahrhundert. Götz erklärt stolz, dass sich das älteste Werk aus der Gattung der Predigtliteratur auf das Jahr 1596 datieren lässt.

Verfasst vom portugiesischen Priester Philipp Diez, wurde das Buch in Venedig gedruckt. Mit der handschriftlichen Eintragung „Monasterii Tegernsee“, übersetzt: „aus dem Kloster Tegernsee“, lässt sich eindeutig nachweisen, dass das Werk aus der Klosterbibliothek Tegernsee stammt.

Das älteste Buch aus dem Bestand des Psallierchors.
Das älteste Buch aus dem Bestand des Psallierchors.

Ein anderer Nachweis, an dem man bei den 69 der insgesamt 11.600 Bücher den direkten Talbezug nachgewiesen hat, ist das Klosterwappen Tegernsee. Das „Seelaub“ ist auf Buchrücken, Einband oder der Innenseite abgedruckt.

Das jüngste Werk stammt aus der Zeit der schottischen Aufklärung 1775. Das Buch war im Besitz des Tegernseer Mönchs Pater Heinrich Donaubauer, der auch als Eigentümer 37 weiterer Bände gilt. Bürgermeister Johannes Hagn zeigte sich erfreut, dass solch ein Kulturschatz für das Tal erhalten bleibt:

Wir sichern dadurch Geschichte, wo sie hingehört – nämlich zu uns hier im Tal. Das finde ich sehr schön.

Weiter erklärte er, wie wichtig es sei, dass sich Leute wie Götz oder Perlinger dafür einsetzten, derartige Kulturgüter zu erhalten und dafür auch ihre Freizeit opferten. Zudem hob er die Rolle Strüngmanns bei dem Erwerb der Bücher hervor. „Es ist von großer Bedeutung, dass wir Bürger haben, die in der Lage sind, große Geldmittel aufzuwenden, um solche Schätze zu erhalten.“

Im Rahmen der Reihe „Samstags um Elf“ werden die Bücher erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Kirchenhistoriker Dr. Roland Götz wird in einem Vortrag mit Bildern Inhalt und Geschichte ausgewählter Bücher im Tegernseer Tal Museum vorstellen. Wegen des erwarteten großen Interesses werden zwei Termine um 9:30 und 11:00 Uhr angeboten. Da die Platzzahl begrenzt ist, bittet das Museum um telefonische Voranmeldung bei Birgit Halmbacher unter 0174/9919998.

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