Tat an Rottacher Boutiquebesitzerin kommt vor Gericht

Wiesseerin wird wegen Mordes angeklagt

Von Christopher Horn

Aktualisierung vom 18. Juni / 15:02 Uhr
Bereits vor drei Wochen hatten wir über die Absicht der Münchner Staatsanwaltschaft berichtet, eine 48-jährige Wiesseerin für die Tat an der Rottacher Boutiquebesitzerin Ursula M. wegen Mordes anzuklagen.

Neun Monate nach dem Verbrechen wurde nun die Klageschrift zugestellt. Sollte Uschi D. verurteilt werden, könnte auf sie eine lebenslange Haftstrafe zukommen.

Die mutmaßliche Täterin hatte die Boutiquebesitzerin Ursula M. in ihrer  Wohnung oberhalb der eigenen Boutique getötet.
Ursula M. wurde im November 2012 in ihrer eigenen Wohnung oberhalb der in der Seestraße gelegenen Boutique getötet.

„Die Anklageschrift ist abgeschlossen, wir plädieren unter anderem auf Mord“, so Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich heute auf Nachfrage. Damit rückt die endgültige Aufklärung des Mordes an der Boutiquebesitzerin Ursula M. in der Rottacher Seestraße näher. Bereits im Januar hatte die Täterin eingeräumt, das Opfer mit dem Trageband ihrer Tasche erwürgt zu haben. Als Motiv gab sie Habgier und Geldsorgen an. Laut unbestätigten Angaben hatte die Frau 200.000 Euro Schulden.

Für diese Tat muss sie sich nun vor Gericht verantworten. Dabei gehen die Vorwürfe noch über den Straftatbestand des Mordes hinaus. Zusätzlich werde man die Täterin wegen Raubes mit Todesfolge, Betruges und Urkundenfälschung anklagen, so Oberstaatsanwalt Heidenreich. Zum genauen Strafmaß äußerte er sich wie folgt:

„Das Gesetz sieht für Mord eine lebenslange Haftstrafe vor, die aber nach 15 Jahren nach einer erneuten Prüfung zur Bewährung ausgesetzt werden kann.“

Sollte ein Gericht jedoch im Rahmen dieser Prüfung eine besondere Schwere der Schuld feststellen, könne die Täterin nicht mit einer Entlassung nach 15 Jahren rechnen, so Heidenreich weiter.

Laut § 57b des Strafgesetzbuchs würde sich die Haftdauer dann auf rund 25 Jahre verlängern. Wann der 48-jährigen Wiesserin der Prozess gemacht wird, ist noch offen, wie der Oberstaatsanwalt erklärte: „Ein genauer Termin steht derzeit noch nicht fest. Ich gehe aber mal davon aus, dass der Prozess erst Richtung Ende des Jahres beginnen wird.“

Die Zeit der Untersuchungshaft wird der Täterin unterdessen auf die mögliche Haftstrafe angerechnet.

Ursprünglicher Artikel vom 27. Mai mit der Überschrift: „Langsam ist wieder Normalität eingekehrt“
Sechs Monate sind nach dem Mord an der Rottacher Boutiquebesitzerin Ursula M. vergangen. Acht Wochen nach der Tat wurde die Täterin gefasst.

Wir blicken auf den Fahndungsverlauf und die heutige Situation rund um den Tatort in der Seestraße. In Kürze soll auch der Termin für den Prozess feststehen. Spätestens dann dürften die wahren Hintergründe der unfassbaren Tat öffentlich werden.

Heute deutet vor Ort nichts mehr auf die grausame Tat im November 2012 hin
Die Besitzerin der Rottacher Boutique Michael Fleck wurde vor rund sechs Monaten in ihrer Wohnung ermordet.

Anfang November herrschte große Aufregung in der Seestraße in Rottach-Egern. Eine Mitarbeiterin hatte die Besitzerin des Modegeschäfts Michaela Fleck tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Schnell war klar: die Frau wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.

Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf und gründete die „SOKO Seeblick“. Neben Spürhunden und Tauchern waren Ende November dann auch sogenannte “Profiler“, Spezialisten der operativen Fallanalyse, mit der Suche nach der Täterin beschäftigt.

Fahndungsfoto führte zum entscheidenden Hinweis

Dann veröffentlichte die Polizei das Bild einer Überwachungskamera, das die vermeintliche Täterin zeigte. Zudem setzten die Beamten eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Frau fest. 92 Hinweise aus der Bevölkerung gingen daraufhin bei der Polizei ein, drei davon brachten die Ermittler auf die richtige Spur.

Zur Polizei gegangen war die Täterin dann allerdings selber. Ihr Lebenspartner hatte sie auf die Ähnlichkeit mit dem Fahndungsbild, das in einem Münchner Einkaufszentrum aufgenommen wurde, hingewiesen.

Um ihre Unschuld zu beweisen, war die in Bad Wiessee wohnende Frau bei den Behörden vorstellig geworden. Doch das Manöver misslang, da die Polizei DNA-Spuren am Tatort gefunden hatte. Die Probe, die die Beamten von insgesamt 47 Frauen genommen hatten – darunter auch die der 48-Jährigen –, ergab den klaren Hinweis.

Die Wiesseerin musste die Täterin sein. Die Ermittlungen konzentrierten sich im Anschluss auf die Verdächtige und führten zu der Festnahme. Am 4. Januar wurde sie schließlich in Gewahrsam genommen. Seitdem wartet sie auf den Prozess.

Modegeschäft hat wieder geöffnet

In der Rottacher Seestraße und auch in der Boutique der Ermordeten ist mittlerweile wieder Alltag eingekehrt. Das Geschäft hat wieder geöffnet, und die Kunden strömen wieder in den Laden. „Der Laden läuft gut, natürlich reden wir gerade mit Stammkunden immer wieder über die schrecklichen Ereignisse“, so eine Mitarbeiterin auf Nachfrage.

Auch ein Anwohner betont, dass mittlerweile zum Glück wieder Normalität eingekehrt sei, er aber noch oft auf den Mord angesprochen werde.

Im Laden der ermordeten Rottacherin ist heute wieder Normalität eingekehrt ‒ er ist wieder geöffnet und hat eine neue Besitzerin
Auch in dem Laden ist heute wieder Normalität eingekehrt. Es ist wieder geöffnet.

Die Täterin hatte die Tat unterdessen bereits Ende Januar gestanden und eingeräumt, das Opfer mit dem Trageband ihrer Tasche erwürgt zu haben. Als Motiv gab sie Habgier und Geldsorgen an. Doch damit allein wollte sich die Polizei damals nicht zufriedengeben. „Man kann ja nicht einfach glauben, was gesagt wird. Man muss es auch hinterfragen und beweisen“, so Kripo-Chef Johann Schweiger Ende Januar.

Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Staatsanwaltschaft auf Mord plädieren wird. Endgültige Klarheit über die Tat selbst wird aber wohl erst der Prozess vor dem Münchner Landesgericht bringen. Wann genau das Verfahren eröffnet wird, dazu kann und möchte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich derzeit nichts sagen:

„Die Anklageschrift wird in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Erst dann wird ein Prozesstermin festgelegt.“


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