Endlose Debatte: Neue Schilder, altes Problem

Lebensgefahr in Tegernsees Schwaighofbucht?

An der Mündung der Rottach haben sich 60.000 Kubikmeter Schlamm angesammelt. Das stinkt nicht nur den Anwohnern seit 15 Jahren. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Dafür neue Schilder, die vor der Sogwirkung des Seebodens warnen: Lebensgefahr in der Schwaighofbucht.

Neue Schilder an der Schwaighofbucht warnen vor dem Schlamm. / Quelle: Klaus Wiendl

Die neue Beschilderung in der Schwaighofbucht signalisiert unmissverständlich auf mehreren Warntafeln, dass unweit des Rottacher Warm- und Freibades Gefahr im Verzug ist. Der tiefe Schlamm würde wie „Treibsand“ sein und einen Badenden in die Tiefe der Bucht ziehen. Der Seeboden habe eine „starke Sogwirkung“. Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn sieht es wohl auf Nachfrage gelassener. „Die Schilder wurden als Ersatz für die schon recht alten angebracht“.

Doch bei Andreas Scherzer vom Verein „Rettet den Tegernsee“ klingeln die Alarmglocken: „Der Schlamm saugt einen Badenden fest und zieht ihn nach unten“. Man gehe dort sehenden Auges das „Risiko eines Unfalls“ ein. Solche Schilder gebe es auf der „ganzen Welt nicht“. Der Schlamm müsse entfernt werden.

„Er ist eine Umweltsünde sondergleichen“, klagt Scherzer. Denn die Verschlammung sei nachgewiesenermaßen durch Menschenhand entstanden. „Das ist keine natürliche Geschichte, sondern der Mensch hat den Auslauf der Rottach verändert“. Die riesigen Schlammmengen reichen inzwischen bis zum Badestrand der Point, weiß Scherzer. „Alle Stege bis dorthin sind nichts mehr wert, weil niemand mehr ins Wasser gehen kann. Es ist eine Frechheit, dass sich die zuständigen Behörden absolut taub stellen“.

Workshop ohne Greifbares

Tatsache ist, dass die Stadt Tegernsee sich des Problems angenommen hat, aber nur Koordinator verschiedener Interessenvertreter ist. Denn die Zuständigkeit für den Tegernsee liegt beim Freistaat. Den Leidtragenden dauert jedoch das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten, die vom Freistaat, über Umweltministerium, Schlösser- und Seenverwaltung bis zum Wasserwirtschaftsamt (WWA) reichen, viel zu lange. Vor einigen Monaten hatte Scherzers Verein einen „Runden Tisch“ organisiert. Laut Scherzer mit den Bürgermeistern Johannes Hagn und Christian Köck, dem Wasserwirtschaftsamt, Umweltministerium, Fisch- und Vogelzüchtern.

Deutlich zu sehen: die Verlandung der Schwaighofbucht. / Quelle: Verein „Rettet den Tegernsee“

Dabei zeigte sich, dass Ausbaggern sowie Absaugen und anschließendes Einbringen des Schlamms in tiefere Seebereiche oder die Mangfall ebenso wenig wegen der extrem hohen Kosten möglich ist, wie die Entsorgung an Land. Scherzers Verein hatte als Alternative das Impfen des Schlamms mit chemischen, biotechnischen oder mikrobiologischen Stoffen ins Spiel gebracht. Diese Methode der Firma Söll sei schon in einem oberfränkischen Fischweiher erfolgreich getestet worden.

Scherzer Verein will Anwalt einschalten

Das Grobe müsste dennoch rausgebaggert werden. Das WWA habe bereits seine Bereitschaft signalisiert, „dass es dies machen könnte“. Das Ausbaggern von Baumstämmen und großen Steinen „müssten sie sowieso mal machen“, meint Scherzer. Doch er würde nun feststellen, dass es wieder in eine lange Schleife geschoben werde. „Wir werden demnächst anwaltliche Schritte gegen die einleiten, die das Verfahren wieder verschleppen“.

Die Sache würde Geld kosten, „das ist klar, aber sie dient doch dem Tegernsee“. Laut Scherzer ist die Wasserqualität in dieser Ecke am Schlechtesten. „Aufgrund der Gefahr durch den Schlamm müsste man die ganze Ecke einzäunen, damit niemand rein kann“, sorgt sich Vereinschef Scherzer. „Entweder wird der Schlamm jetzt beseitigt oder man macht einen Zaun als abgesperrte Zone herum“. Das würde an der Idylle Schwaighofbucht kratzen, denn der Werbeeffekt für das Tal wäre dahin. Fast schon resignierend attestiert Scherzer den Beamten: „Ihre Mühlen mahlen da mittlerweile sehr langsam“. Er glaubt, dass die neuen Schilder Niemandem das eigentliche Problem erklären würden. Die Verantwortlichen würden glauben: „Schild aufgestellt, Problem beseitigt“.

 


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