Versteigerung des Hotel Lederer: Strüngmann-Gebot kommt nicht zum Zug

Von Christopher Horn

Zweite Ergänzung vom 4. November / 16:01 Uhr
Heute war der entscheidende Tag der Lederer-Versteigerung, die eigentlich bereits am 6. Oktober hätte abgeschlossen sein sollen. Damals hatte der Eigentümer Josef Lederer zusammen mit einer Grünwalder Firma durch einen kurzfristig eingereichten Kaufvertrag das Amtsgericht Wolfratshausen etwas aus dem Konzept gebracht.

Die Entscheidung musste vertagt werden. Und nun hat die vierwöchige Hängepartie ein Ende. Eines, dass dem damals Höchstbietenden Thomas Strüngmann und Wiessees Bürgermeister Peter Höß jedoch nicht gefallen dürfte.

Freut sich über den Zuschlag: Eva-Maria Skoftisch von Alpen-Immo.net

Laut der zuständigen Maklerin Eva-Maria Skoftisch von der Schlierseer Immobilienfirma Alpen-Immo.net ist der Kaufvertrag mit dem kurzfristig aufgetauchten Käufer RDR Metropol-Portfolio München nun auch vom Amtsgericht bestätigt worden.

„Wir sind alle glücklich. Alles ist super. Und auch Herr Lederer freut sich über die Entscheidung,“ so Skofitsch auf telefonische Nachfrage.

Über den genauen Kaufpreis wollte die Maklerin nichts sagen.

Bürgermeister Peter Höß war für eine Stellungnahme am Freitag Nachmittag nicht mehr zu erreichen. Und auch die Firma, die nun den Zuschlag erhalten hat, wollte kein Statement zu den weiteren Plänen abgeben.

Ergänzung vom 21. Oktober
Viele Infos gibt es nicht, seit vor gut zwei Wochen das ehemalige Hotel Lederer in einer Zwangsversteigerung unter den Hammer kam. Insgesamt 6,23 Millionen Euro hat der Tegernseer Thomas Strüngmann für das 18.000 Quadratmeter große Gelände inklusive Hotel geboten.

Ob er damit den Zuschlag bekommen hat, ist allerdings unklar.

Josef Lederer hatte das Kunststück fertiggebracht, knapp zwei Stunden vor der Verhandlung einen Käufer zu präsentieren. Die Firma RDR Metropol-Portfolio München GmbH & Co. KG mit Sitz in Grünwald habe laut einem Fax des früheren Eigentümers einen notariellen Kaufvertrag unterschrieben. Das erscheint kurzfristig. Die zuständige Immobilienmaklerin hat jedoch gegenüber dem Merkur betont, dass der Käufer mitnichten „erst in letzter Minuten an Land gezogen wurde.“

Zu allen weiteren Einzelheiten hält sich Skofitsch bedeckt. Und so ist es derzeit auch nicht klar, wie hoch die eigentliche Kaufsumme ist. Klar ist nur, das Amtsgericht Wolfratshausen hat die endgültige Entscheidung auf den 4. November vertagt. Bis dahin bleibt auch der bisher Höchstbietende Strüngmann an sein Gebot gebunden.

Wir haben Wiessees Bürgermeister Peter Höß telefonisch befragt, wie er die Versteigerung und die jetzige „Hängepartie“ um das Lederer sieht:

Hallo Herr Höß, waren Sie von dem kurzfristigen Angebot der RDR Metropol-Portfolio München überrascht?

Höß: Man kann zwar bei einer öffentlichen Versteigerung nie genau sagen, wer sich letzlich am Bieterverfahren beteiligt, aber wir waren definitiv von dem kurzfristigen Angebot überrascht.

Wie wird die Gemeinde Bad Wiessee in der Zeit bis zum 4.November weiter verfahren?

Höß: Wir können im Moment diesbezüglich nichts unternehmen, und müssen einfach das Ergebnis am 4. November abwarten

Wie werden Sie ragieren, wenn Herr Strüngmann den Zuschlag nicht erhält?

Höß: Es wäre natürlich sehr schade für die Gemeinde Bad Wiesse und das gesamte Tegernseer Tal im Allgemeinen, sollte Herr Strüngmann nicht den Zuschlag erhalten.

Wie die Gemeinde in einem solchen Falle reagieren wird, kann ich derzeit noch nicht sagen, da wir nicht wissen wie die RDR Metropol-Portfolio München bei einem Zuschlag agieren wird.

Welche Pläne gibt es im Falle eines Zuschlags für Herrn Strüngmann?

Höß: Hier müssen wir das Ergebnis der Versteigerung abwarten, dazu kann ich derzeit noch nichts sagen.

Ursprünglicher Artikel vom 06. Oktober:

Das Amtsgericht in Wolfratshausen war heute Schauplatz der lang erwarteten Zwangsversteigerung des Hotels Lederer am See. Mehrere Bieterrunden, ein nervöser Wiesseer Bürgermeister und ein nicht anwesender Josef Lederer. Dazu ein knapp vor der Zwangsversteigerung aufgetauchter Käufer.

Die Verhandlung um das ehemalige Hotel Lederer hatte einiges zu bieten. Nur eine finale Entscheidung blieb sie am Ende schuldig.

Der Lieblingsinvestor als Meistbietender

Peter Höß und Thomas Strüngmann im Amtsgericht Wolfratshausen

Zwar hatten sich Peter Höß und der in Tegernsee lebende Thomas Strüngmann vor der Verhandlung viel zu sagen. Und es war offensichtlich, dass der Hexal-Gründer als Lieblingsinvestor der Gemeinde für den Kauf des Hotels vorgesehen war.

Das Spielbank-Gelände hätte es dann sozusagen oben drauf gegeben. Doch Höß und Strüngmann hatten die Rechnung ohne Lederer gemacht.

Dieser war zwar nicht anwesend, präsentierte aber – vertreten durch seinen Anwalt – knapp zwei Stunden vor der Verhandlung einen eigenen Käufer.

Per Fax lies Lederer das Gericht wissen, dass die Grünwalder Firma RDR Metropol-Portfolio München GmbH & Co.KG das traditionsreiche Hotel übernehmen möchte und bereits einen Vertrag unterschrieben hat. Der Preis soll über den 6,23 Millionen liegen, die Strüngmann als Höchstbietender der heutigen Versteigerung zahlen will.

Vertagt, da die Schulden den Erlös übersteigen würden

Damit ging eine Verhandlung zu Ende, die einige interessante Einblicke gewährte. Unter anderem, dass auf dem Hotel Grundbuchschulden von über 6 Millionen Euro, verteilt auf diverse Gläubiger, lasten. Alleine die Kreissparkasse, vertreten durch ihren Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme, hat Forderungen die über dem Verkehrswert von 5,5 Millionen Euro liegen.

Doch mit dem eigenen Angebot in Höhe von 5 Millionen Euro kam die Bank nicht weit. Und auch die anderen Bieter, darunter Thomas Althoff (Seehotel Überfahrt) mit einem Gebot von 6 Millionen, wurden am Ende von Strüngmanns Offerte übertrumpft. Einzig das Grünwalder Kaufangebot lag höher.

Reine Kulanz sei das, so Rechtspfleger Matthias Schwaighofer, der dem Noch-Eigentümer Lederer „die Möglichkeit zur Entschuldung“ geben will. Und „da vier Wochen nun auch nichts mehr ausmachen,“ vertagte Schwaighofer die endgültige Entscheidung. Strüngmann jedoch bleibt weiterhin an sein Gebot gebunden.

So dass man erst am 04. November und damit in vier Wochen endgültig wissen wird, ob der Grünwalder Bieter oder der Hexal-Gründer den Zuschlag bekommen. Bürgermeister Höß lies, zumindest in kleiner Runde, keinen Zweifel daran aufkommen, wen er bevorzugen würde: „Strüngmann wäre im Interesse des ganzen Tegernseer Tals.“


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