Untersuchungen in Wiessee fast abgeschlossen

Lederers Zwergfledermäuse

Von Nicole Kleim

Sie wiegen nur etwas mehr als ein Stück Würfelzucker und sind so groß wie eine Streichholzschachtel: Die Fledermäuse im ehemaligen Hotel Lederer in Bad Wiessee. Aber können die geschützten Tierchen den geplanten Abriss wirklich verhindern?

Die Zwergfledermäuse im ehemaligen Hotel Lederer – sichern sie Josef Lederers (rechts) Zuhause?

Noch liegt kein Gutachten vor. Zwar hatte das Landratsamt vor einigen Tagen mit dem von der Gemeinde Bad Wiessee beauftragten Gutachter gesprochen und erfahren, dass die Untersuchungen weitgehend abgeschlossen sind, aber noch könne kein Ergebnis präsentiert werden, so heißt es.

Zuvor müsse die Fledermaus-Lage vor Ort noch einmal geprüft werden. Und dafür sei laut Gutachter eine weitere Begehung des ehemaligen Hotel Lederer nötig, teilt Pressesprecher Birger Nemitz auf Nachfrage mit. Was der Gutachter aber habe sagen können ist, dass es sich bei der dortigen Population um Zwergfledermäuse handele – eine Fledermausart, die hierzulande häufig vorkomme.

Fledermäuse verzögern den Abriss wohl, verhindern ihn aber nicht

Nach Auskunft des Fachbereichs Umwelt- und Naturschutz, so Nemitz weiter, seien diese Tiere „artenschutzrechtlich relevant“. Was aber nicht zwangsläufig bedeute, dass die Anwesenheit der Fledermäuse nun den Hotel-Abriss automatisch verhindern.

Möglicherweise wird der Abriss nur ein bis zwei Wochen nach hinten verlegt.

In diesem Fall müsste die Regierung von Oberbayern eine Sondergenehmigung erteilen, so Nemitz, wobei eine „Inaussichtstellung“ der Abrisserlaubnis schon in wenigen Tagen erfolgen könne.

Zwergfledermäuse streng geschützt

Bei der Zwergfledermaus handelt es sich – wie alle europäischen Fledermausarten – um eine streng geschützte Art. Obwohl sie die häufigste Fledermausart in Deutschland ist, ist sie durch Quartierverluste gefährdet – beispielsweise aufgrund von Gebäudesanierungen sowie durch den Einsatz von Pestiziden.

Sie erreicht eine Körpergröße von 4,5 Zentimetern und eine Spannweite bis zu 25 Zentimetern bei einem Gewicht von 3,5 bis 7 Gramm. Sie wiegt also nur wenig mehr als ein Stück Würfelzucker und ist mit zusammengefalteten Flügeln so groß wie eine Streichholzschachtel.

Sollten die kleinen Streichholzschachteln eventuell nur ins „Sommerloch“ von Josef Lederer geflattert sein, wie man bei Familie Strüngmann vermutet? Bisher hatte der 78-jährige Lederer vehement gegen den von Strüngmann geplanten Abriss „seines“ Hotels und seiner Noch-Heimat gekämpft.

Gutachten liegt in den nächsten Tagen vor

Zuletzt versuchte er durch Hitlers einstigen Hotelbesuch, Denkmalschutz für den Gebäudekomplex zu erwirken. Jetzt sollen ihn die kleinen fliegenden Besucher retten. Die Gemeinde Bad Wiessee verweist in dieser Angelegenheit auf die Münchner Kommunikationsagentur Heller&Partner. Von dort ist zu erfahren, dass das Gutachten auf jeden Fall abgewartet werden soll, bevor es zu einem Abriss des Hotels kommt.

Man gehe aber davon aus, so Andreas Goebel von Heller&Partner, „dass das Gutachten so ausfallen wird, dass das Hotel abgerissen werden darf.“ Er geht davon aus, dass man in der nächsten Woche Näheres wisse. Ob dann der Abriss noch in diesem oder aber erst im nächsten Jahr erfolge, „müsse man sehen“.

In wenigen Tagen wird man mehr wissen.


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