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Spaenles „Streichkonzert“ und die Realität

Lehrermangel an der Grundschule Gmund

Von Klaus Wiendl

882 Planstellen an den Schulen wollte Kultusminister Ludwig Spaenle demnächst streichen. Doch damit zog er sich den Unmut seines Chefs zu. Horst Seehofer sprach zuerst von einer „Kommunikationskatastrophe“ und ruderte dann öffentlichkeitswirksam zurück.

Da Seehofer vor der Kommunalwahl nicht noch weiteren Ärger gebrauchen kann, bleiben die Stellen nun doch erhalten. Dabei sind in der Realität auch die bereits vorhandenen Stellen oft nicht ausreichend, wie man derzeit an der Grundschule in Gmund sieht.

Ein richtiger Klassenlehrer ist in Gmund oft Fehlanzeige / Archivbild

Die Lage ist für viele Schüler, Eltern und Lehrer nicht rosig, wie die Situation an der Grundschule in Gmund seit letzter Woche zeigt: Man hangelt sich dort von einer Notlösung zur nächsten, wie die Tegernseer Stimme aus dem Umfeld der Schule erfuhr. Lehrerinnen kehren vorzeitig aus dem Mutterschutz zurück, um den Unterricht in der 3. Klasse zu gewährleisten. Dennoch ist Gudrun Klotzsche als Schulleiterin froh, „dass der Übergang wenigstens nahtlos war. Zunächst hatte ich allerdings Sorge, keine zusätzlichen Lehrkräfte zu bekommen.“

Bereits vor vier Jahren war es in Gmund knapp mit den Lehrern. Damals fiel zuerst die Lehrerin der 1. Klasse aus, danach auch noch ihr Ersatz. Es sprangen zwei rund 80-jährige pensionierte Lehrerinnen ein. Ursula Hünerfeld und ihre inzwischen verstorbene Kollegin sagten damals zu. Doch sie seien mit gemischten Gefühlen an ihrer alten Arbeitsstelle für sechs Wochen eingesprungen, betonte Ursula Hünerfeld 2010. Denn ihr „Zorn auf das bayerische Bildungswesen ist groß. Zu wenig Lehrer und zu viel Stoff“, kritisierte sie die damalige Situation gegenüber „quer“ im Bayerischen Fernsehen.

Zweimal Teilzeit in einer Klasse

Und heute? Besser geworden ist es seitdem nicht. Nun teilen sich zwei Teilzeit-Lehrkräfte die 3. Klasse. „Hinzu kommen noch entsprechend ihrer Ausbildung Fachlehrer für Religion sowie Werken und Textiles Gestalten. Fachlehrer ergänzen die Kollegien an vielen Grundschulen“, teilt das Schulamt in Miesbach auf Anfrage mit, „es ist eine schwierige Vertretungssituation an der Grundschule in Gmund.“

Dies sei so aber in vielen Fällen üblich, beschwichtigt Kathrin Gallitz von Spaenles Ministerium, „beide Lehrkräfte mussten nicht ihren Mutterschutz vorzeitig beenden, sondern verkürzen freiwillig ihre Elternzeit. Eine der beiden Lehrerinnen hatte selbst beim Schulamt angefragt, ob dies für sie möglich sei, die andere gab auf Anfrage des Schulamts ihre Zusage.“

Auch in der 2. Klasse in Gmund fehlt die feste Klassenleiterin. Hier muss nun eine Lehrkraft aus der Mobilen Reserve täglich von Bad Reichenhall anreisen. „Dennoch“, behauptet Peter Huber vom Schulamt in Miesbach, „stehe die Mobile Reserve im Landkreis Miesbach vergleichsweise gut da.“ Die Frage bleibt, warum dann eine Lehrkraft aus dem Berchtesgadener Land anreisen muss.

Mobile Reserve aufgebraucht

Völlig anders sehen die Lage die betroffenen Lehrer, die meist den Kopf für den Lehrermangel hinhalten müssen. „Gmund ist kein Einzelfall, Gmund ist überall“, versichert Klaus Wenzel, der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), auf Anfrage. „Wenn jemand behauptet, wir hätten zu viele Lehrer, dann kennt er die Praxis nicht. In allen Landkreisen Bayerns gibt es zu wenig Lehrer. Allein in einem Schulamtsbezirk sind 20 Schulleitungen vakant.“

Für solche Fälle wäre ja eigentlich eine Mobile Reserve da, aber die ist schon seit September aufgebraucht, „weil es da auch schon zu wenig Lehrer gab.“ „Zu wenig Lehrer?“, fragte Christoph Süß vom BR-Magazin „Quer“, als er bereits vor vier Jahren einen Beitrag über den damaligen Lehrermangel in Gmund moderierte, „komisch nur, dass das zuständige Holzkirchner Arbeitsamt von geeigneten jüngeren Bewerberinnen weiß. Offenbar gibt es in Bayern nicht nur einen Bildungs-, sondern auch einen Organisationsnotstand.“

Seitdem hat sich offenbar nichts zum Guten gewendet, trotz aller Beteuerungen von CSU-Mann Spaenle. Ihm wird nun von allen Seiten Wahlbetrug vorgehalten. Selbst in der eigenen Fraktion rumort es. Inzwischen ist er ein Minister auf Bewährung. Und in Gmund kämpft man mit den Auswirkungen seiner Schulpolitik.

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