Leiden oder Leidenschaft in der Seestraße: Die Diva ist in die Jahre gekommen

Von Rose-Marie

Luxus ist Programm in der Seestraße

Wie eine eigenwillige Diva kommt die Rottacher Seestraße daher. Elegant wie eine bella macchina aus Turino oder anderswo vom Stiefel. Ihre Kurven und Buchten lassen manchen Autofahrer staunend stehen bleiben. Deshalb darf man dort auch nur ganz langsam fahren. Am liebsten hat sie es offenbar, wenn man sich auf ewig an sie erinnert. Deshalb soll man sich doch bitteschön ein Souvenir mitnehmen.

Maßanzug, exklusives Keramik oder einen Ring vielleicht. Bescheidenere kaufen ein paar Strümpfe oder ein kleines Tütchen belgische Pralinen. Und für die, die gar nicht mehr von der Diva lassen können, gibt’s auch reichlich Wohnungen im Angebot.

Die Diva ist in die Jahre gekommen

Aber wehe, wenn sie gerade ihre Launen hat. Dann ist es vorbei mit der Amore. Da kann es Ärger geben. Vielleicht ist sie inzwischen ein bisschen in die Jahre gekommen, die gute? Warum kommen die Bewunderer nicht mehr so zahlreich wie sonst? Ist der Lack matt geworden über die Jahre? Das macht zur Zeit so manchem Händler Kopfzerbrechen, denn das Geschäft lief schleppend in den vergangenen Wochen.

Max Schultes fordert mehr Unterstützung durch die Behörden

Während einige ihren Geschäftserfolg als zufriedenstellend angeben, wie Villeroy & Boch Pralinen Leysieffer oder Juwelier Rill, klagt man beispielsweise im Atelier Scherer darüber, dass die Passanten schlecht gekleidet seien und zu wenig Wert legen auf geschmackvolle Kleidung. Für Max Schultes aus der Strumpfboutique ist die Flaute ein strukturelles Problem. Er appelliert an die Behörden, sich stärker für Gewerbetreibende einzusetzen.

„Die Seestraße hat noch nie besser ausgesehen“

Vielleicht braucht sie einfach ein bisschen mehr Pflege – die Seestraße? „Einen sympathischen Eindruck erwecken“ nennt das Bürgermeister Franz Hafner. „Ich glaube, ich kann guten Gewissens behaupten, dass die Seestraße noch nie besser ausgesehen hat als zur Zeit.“ Das würden auch Rückmeldungen von Kurgästen bestätigen.

Die öffentlichen Anlagen seien vorbildlich angelegt und es gäbe ausreichend Parkplätze, sagt Hafner. Außerdem wolle der Gemeinderat in der kommenden Gemeinderatssitzung über eine kostenlose Kurzparkzeit abstimmen. „Mehr können wir nicht tun“. Dass die Händler Unterstützung bräuchten, sei ihm nicht bekannt. Hafner kann sich nicht erinnern, dass Gewerbetreibende jemals Verbesserungsvorschläge eingereicht hätten. „Wenn sie meinen, dass die Gemeinde ihnen die Leute rein trägt, dann täuschen sie sich.“ Für ihren Geschäftserfolg müssten die Händler schon selbst sorgen.

Sprich: Angebot und Werbung überdenken. Stimmt das Sortiment noch? Sollte man es verändern, verschlanken, verbreitern, vertiefen? Gute Angebote brauchen auch gute Werbung. Wenn niemand davon erfährt, helfen die besten Produkte nichts. Wenn das geschehen ist, könnte man endlich wieder richtig Gas geben.

Unternehmer sein ist nicht immer leicht

Die Diva braucht Pflege und will umworben werden. Das Beste, was man für sein Business machen kann, ist Kontakte und Beziehungen knüpfen. Ein Netzwerk macht vieles einfacher. Ein Netz aus Partnern und Kunden. Am besten solche, die einen über Jahre weg begleiten und auch bereit sind, mal zu schieben, wenn der Motor streikt. Solche, die lieber die lokalen Händler unterstützen, als in großen Handelsketten oder im Internet zu shoppen.

Pflege und Zuneigung braucht die Seestraße

Unternehmer sein ist nicht immer einfach. Das Problem ist meist nicht der eine Kunde, der gerade im Laden steht. Die Probleme entstehen schon weit vor dem Kampf um den neuen Kunden: Sei es eine kränkelnde Wirtschaftslage, mangelnde Akquise oder andere Faktoren wie Infrastruktur, Konkurrenz, aber auch vorübergehende Flauten. Bei allem Kampf ist Selbständigsein das große Privileg, seinen Arbeitsalltag selbst zu bestimmen. Eines Tages wird wieder ein neuer Auftrag kommen und ein neuer Kunde. Gerade in eine solch priviligierte Lage wie die Rottacher Seestraße. Wenn man mit voller Leidenschaft daran arbeitet.

Und das zeichnet sie schließlich aus, die Diven dieser Welt: Sie erwarten umgarnt zu werden, brauchen immer die vollste Aufmerksamkeit. Ein Nörgler wird sie nicht lange halten können. Sonst ziehen sie einfach weiter – dahin, wo sie bekommen, was sie verdienen: Bewunderung und ein stilvolles Leben.


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