Nur Kreuth parkt billig(er)

von Maxi Hartberger

Eine Münchnerin beschwerte sich vergangene Woche bei der Gemeinde Bad Wiessee bezüglich der Parkgebühren. TS-Leser forderten daraufhin ein einheitliches System und Vergünstigungen für Tal-Bürger. Doch die Gemeinden sehen das unterschiedlich.

Eine Münchnerin beschwerte sich über das Parkplatzsystem am Sonnenbichl und löste damit eine Diskussion aus.

Die meisten Parkplätze im Tegernseer Tal sind gebührenpflichtig. Ob in der Ortsmitte oder auf den Wanderparkplätzen – überall stehen Parkautomaten. Zuletzt beschwerte sich eine Münchner Tagestouristin mit einem Schreiben bei Bürgermeister Peter Höß über die Parkplatzpolitik in der Gemeinde Bad Wiessee.

Auf der TS entstand daraufhin eine Diskussion unter den Lesern: Warum kann man nur mit passendem Kleingeld die Parkgebühren bezahlen? Warum gibt es keine einheitliche Lösung für das gesamte Tal? Das vieldiskutierte Thema der Einheimischen-Vergünstigungen wurde ebenfalls angesprochen:

Wo wir schon beim Thema Parken in Tal sind: Wann gibt es endlich Einheimischen-Parkprogramme für die Wanderparkplätze? Zum Beispiel Jahreskarten für 50€! Wenn man wöchentlich mehrmals wandern geht, wird das nämlich extrem teuer, 10-15€ pro Woche bei 3x Wandern (!) keine Seltenheit. Meine Mutter – wanderfreudige Rentnerin – schreibt fast jährlich Briefe an alle Bürgermeister, aber angeblich sei dies nicht möglich. (…) Wo ein Wille ist…. Aber bei den Tegernseer-Tal-Bürgermeistern kommt ja in der Regel gar nicht erst der Verdacht auf, dass diese mal was für Einheimische tun wollten.

Florian Ruml, Geschäftsleiter der Gemeinde Gmund, kann diese Forderung durchaus nachvollziehen: „Natürlich wünschen sich Einheimische, dass wir solche Gebühren für sie vergünstigen.“ In Gmund habe man daher Saison- und Jahreskarten für die Parkplätze Seeglas, Kaltenbrunn und Neureuth eingeführt. „Die Saisonkarte für einen der Parkplätze kostet 20 Euro, für alle drei kostet sie 40 Euro.“ Ähnlich ist es bei der Jahreskarte: 40 Euro für einen Parkplatz, 80 Euro für alle drei.

Überall ein bisschen anders

Dieses Angebot werde laut Ruml von den Gmundern auch sehr gut angenommen. Allerdings bestehe es nicht nur für Einheimische, sondern auch für alle anderen. „Es ist rechtlich einfach nicht möglich, Einheimische in diesem Sinne zu bevorzugen und von ihnen weniger Gebühren zu verlangen als von Touristen.“ Dieses rechtliche Problem scheint allerdings in Kreuth nicht zu bestehen. Bürgermeister Josef Bierschneider erklärt auf Nachfrage:

Wir bieten für die Kreuther Bürger eine Jahreskarte für 30 Euro an. Mit der können sie frei auf allen gebührenpflichtigen Parkplätzen parken, die von der Gemeinde gepachtet werden.

Für Besucher aus anderen Gemeinde – und sei es nur aus den Nachbarkommunen – koste die Jahreskarte dann das Doppelte, also 60 Euro. „Diese Vergünstigung für die Kreuther gibt es schon seit Jahren und wird von unseren Bürgern auch sehr gut angenommen“, so Bierschneider zufrieden.

In der Stadt Tegernsee gibt es hingegen so genannte Parkabos, unter anderem für den Zentralparkplatz und an der Seesauna. „Dort gibt es Wartelisten, auf denen derzeit zwischen sieben und 20 Personen stehen“, erklärt Bürgermeister Johannes Hagn. Dieses Parkabo gilt für ein Jahr und kostet beispielsweise am Monte Mare 300 Euro. „Ich bezweifle, ob so ein Parkabo für alle Parkplätze in Tegernsee so viel günstiger wäre, als die täglichen Parkgebühren zusammen.“

Anders sieht es in Rottach aus: Dort gibt es weder Vergünstigungen für Einheimische, noch eine Art Jahresparkausweis, „da wir keine Wanderparkplätze haben, die gebührenpflichtig sind“, so die Begründung von Michael Diegner, Verkehrsreferent der Gemeinde. Ein Leser wiederum begründete die fehlenden Vergünstigungen so: “Die Diskussion um Rabatte für Einheimische finde ich jetzt irgendwann mal peinlich. Münchner bekommen auf der Wiesn auch keinen Spezialpreis fürs Hendl.”

Zukunftsgedanke: Bezahlen mit EC-Karte

Eines haben jedoch alle Gemeinden gemeinsam: Die Parkgebühren müssen stets mit passendem Kleingeld bezahlt werden, die Parkautomaten können nicht wechseln. „Alte Infrastruktur“, so die Begründung. In dem Beschwerdeschreiben der Münchnerin kam dies ebenfalls zur Sprache. Die Antwort von Michael Herrmann, Geschäftsleiter der Gemeinde Wiessee: „Dieses Problem ist uns bekannt und wurde eingehend geprüft, leider aber mit negativem Ergebnis.“

Das liege am hohen Aufwand für Parkautomaten mit Wechselfunktion, erklärt Diegner aus Rottach: „Wir hatten zwei Jahre lang Parkautomaten, die Geld wechseln konnten. Allerdings waren die sehr störungsanfällig und der Aufwand für das Personal, die Automaten dann immer wieder zu reparieren, war einfach zu hoch.“ Jedoch gebe es in Rottach immerhin einige Automaten, an denen es möglich sei, mit EC-Karte zu bezahlen.

Talweites System nicht in Sicht

Das sieht auch Tegernsees Bürgermeister Hagn als langfristige Lösung: „Ich erachte es durchaus als sinnvoll, Stück für Stück alle Parkautomaten im Tal aufzurüsten, damit überall mit EC-Karte gezahlt werden kann.“ Die Forderung nach einem allgemein einheitlichen Parksystem für das Tegernseer Tal liegt jedoch wohl noch in weiter Ferne:

Ein einheitliches System würde voraussetzen, dass jeder Parkplatz gleich ist. Dies ist aber nicht der Fall.

Die Stadt Tegernsee habe beispielsweise nur einen Wanderparkplatz. Dort sei es das Ziel, mit den Gebühren die Pacht wieder reinzuholen. „Die anderen Parkplätze, wie der Zentralparkplatz, haben ja eher eine Steuerungsfunktion, um Dauerparken zu vermeiden.“ So sei das von Kommune zu Kommune unterschiedlich, ein einheitliches System gebe es daher nicht, so Hagn abschließend.


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus