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Gastronomen und Hoteliers fordern klares Öffnungsdatum von Politik

Macht endlich auf!

Von Martin Calsow

“Es reicht”. Das ist der Satz, den man immer häufiger in diesen Tagen hört. Aus diesem Grund wurde nun ein Zusammenschluss von Initiativen organisiert. Im Rahmen des Bündnisses fand heute der bayernweite Aktionstag “lasst uns öffnen” mit Pressekonferenzen und Veranstaltungen statt. In Rottach-Egern fanden dabei Großgastronomen und andere Betroffene deutliche Worte Richtung Politik.

Ein sehr braungebrannter Andreas Scherzer auf der Pressekonferenz am Voitlhof in Rottach-Egern

Der letzte Schneeschauer war gerade vorbeigezogen, als Andreas Scherzer, sehr braungebrannt und voller Elan die Veranstaltung eröffnete. Am Voitlhof stellten sich die Tegernseer Initiatoren um Sepp Bogner und Andreas Scherzer der Presse. Diverse Sprecher anderer Branchen kamen ebenso zu Wort, und alle einte der Wunsch nach einem Ende des Lockdowns.

Fehlende Perspektive

Sepp Bogner macht am allermeisten “die fehlende Perspektive” Sorgen. “Wann geht denn nun für uns die Sommersaison los?”, fragte er, in eine Kamera blickend, denn der umtriebige Scherzer stellte den Auftritt natürlich auch ins Netz.

“Wir haben im letzten Jahr brav jeden Gast dokumentiert. Aber seltsamerweise nie eine Rückfrage vom Gesundheitsamt erhalten. Ich halte diese Krise für ganz schlecht gemanagt”, ärgert sich der Gastronom. Auch sein Kollege Korbinian Kohler, letztes Jahr noch an Corona erkrankt, war gekommen und äußerte sich mit überraschend milden Worten zu den Folgen des Lockdowns.

Ich möchte auf die vielen Angestellten im Gastro- und Hotelgewerbe hinweisen. Deren Grundgehalt wird durch das Kurzarbeitergeld bis 70 Prozent ersetzt. Aber diese Kräfte verdienen vor allem an den Sonderzuschlägen für Feiertags- und Nachtzuschläge. Dazu kommt noch das Trinkgeld, was nun komplett wegfällt.

Raumschiff “Ministerpräsidenten-Konferenz”

Immer wieder wird von den Betroffenen auf die unausgewogenen und nicht mehr nachvollziehbaren Regelungen verwiesen. “In Rottach-Egern arbeiten auf einer Baustelle bis zu 200 Bauarbeiter ohne Maske, und in der Gastronomie wird zugesperrt”, ärgert sich Andreas Scherzer.
Auf unsere Frage, warum das so sei, kommt schnell die Antwort vom Rottacher Busunternehmer: “Die Lobbygruppen der Baubranche haben schlicht den besseren Draht zur Kanzlerin.” Er habe das immer in seinen Gesprächen in Berlin miterlebt. “Die sind wie in einem Raumschiff mit ihrer Ministerpräsidenten-Konferenz – völlig abgehoben.”

Task Force der hohlen Worte

Auch von der “Task Force”-Runde des Landrats in der letzten Woche zeigten sich die Herren enttäuscht. Olaf von Löwis hatte mit der Stimmkreisabgeordneten Ilse Aigner und dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan 50 Unternehmer des Oberlands zu einer virtuellen Sitzung eingeladen. Am Ende blieb nur Frust ob er der hohlen Worte der Politiker. “Ich engagiere mich sehr, aber das hat mich frustriert. Du bekommst keine richtigen Antworten”, erklärt Bogner resigniert.

Putzig wurde es, als die zweite Vorsitzende des Rottacher Skiclubs, Christa Winkler, noch in einer länglichen Rede überschwänglich den Landrat lobte, “weil der das Skifahren am Sonnenbichl heuer erlaubt habe”, um kurz darauf, nach einem Blick aufs Handy, enttäuscht der Menge mitzuteilen, “dass das Landratsamt ihr soeben bis auf weiteres Sportaktivitäten mit Kindern untersagt habe.”

Ernstzunehmender Gegenwind oder nur Sturm im Wasserglas?

Ob Kunsthandwerker, Fitnessstudio-Betreiber oder Groß-Gastronomen – den Unternehmer fehlen klare und planbare Ansagen der Politik, einige sind schlicht erschöpft, andere verweisen darauf, dass sie “auch als CSUler vom Söder genug” haben. Ob das nur ein Sturm im Wasserglas ist, oder der Beginn eines für die Staatsregierung schwierigen Gegenwinds aus der Tourismusbranche, ist noch schwer auszumachen. Scherzer macht es mit seinen weitschweifenden Aussagen und Einschätzungen zur Krankheit selbst, den Kombattanten unnötig schwer.

Einig sind sich aber alle: Ungerechtigkeiten bei Öffnungen und Schließungen könnten für die Regierenden böse Folgen haben.


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