Männlich, ledig, jünger als 30

von Nicole Kleim

1.074 Flüchtlinge leben laut Miesbacher Landratsamt zur Zeit im Landkreis. Davon sind rund 30 Prozent Frauen und Mädchen. Nicht wenige fragen sich daher, ob nur junge Männer verfolgt werden. Doch die Erklärung für das Phänomen ist einfach.

Männlich, ledig, jünger als 30 - die Flüchtlinge im Landkreis.
Männlich, ledig, jünger als 30 – viele der Flüchtlinge im Landkreis sind Männer.

Zur Zeit leben 1.074 Asylbewerber im Landkreis. Laut Birger Nemitz, Pressesprecher des Landkreises Miesbach, stehen dem 1.251 Plätze in Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung. 177 sind daher unbesetzt.

In über 50 Plätzen, davon an vier Containerstandorten und zwei Traglufthallen, sind die Flüchtlinge untergebracht. Die meisten Asylbewerber kommen nach wie vor aus Syrien, Eritrea und Mali. Sieht man sich gerade die Containerdörfer in Gmund, Waakirchen oder die Halle in Tegernsee an, so fällt auf, dass dort hauptsächlich jüngere Männer leben.

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Auch der Jahresbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gibt dem Anschein recht (Stand 2014). Demnach sind rund 75 Prozent aller nach Deutschland kommenden ausländischen Zuzügler männlich und im Alter zwischen 18 und 40 Jahren.

“Eine Flucht kostet Kraft”

Dabei liegen die Gründe für den hohen männlichen Anteil in der Flucht selber. In einigen der Länder herrscht Krieg. Für die Hoffnung auf ein neues Leben in einem anderen Land würden die Flüchtlinge daher oft alles auf eine Karte setzen – oder auf den jüngsten Sohn. Laut der Regierung von Oberbayern würden sich aber auch junge Väter oft genug allein auf den Weg machen, um später als anerkannte Asylbewerber den Rest der Familie sicher und legal nachzuholen.

Aus den unterschiedlichsten Gründen ist das manchmal nicht möglich ist, deshalb würden sie ihre Familien in den Heimatländern von hier aus unterstützen. Familien flüchten vor allem aus Syrien und dem Irak. Aus Angst vor der Terrororganisation „Islamischer Staat“ fliehen sie in die Nachbarländer. Von dort machten sich meistens die Männer auf die Weiterreise nach Europa. Frauen und Kinder blieben in den Massenflüchtlingslagern zurück.

Viele Familien können sich keine gemeinsame Flucht leisten. Daher müssen die Männer abwägen, ob sie selbst das Risiko einer Flucht eingehen oder Frauen und Kinder zusätzlich in Gefahr bringen. Um die Familie nachholen zu können, ist eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung Voraussetzung. Nach geglückter Ankunft ein ebenso wichtiges Kriterium, das es zu berücksichtigen gilt, wie die Sicherheit der Familie während der Flucht.

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