Rottacher Sternerestaurant wird abgewickelt

“Maiwerts” pleite

Es war das falsche Konzept zur falschen Zeit. Nun gibt Spitzenkoch Dieter Maiwert auf. Das gleichnamige Sternerestaurant in Rottach-Egern musste Insolvenz anmelden. Wie wahrscheinlich ist ein Neuanfang am Tegernsee?

November 2014: Madeleine Maaßen und Sternekoch Dieter Maiwert freuen sich über den begehrten Michelin Stern.
November 2014: Madeleine Maaßen und Sternekoch Dieter Maiwert freuen sich über den begehrten Michelin Stern.

Sternekoch Dieter Maiwert, Freund großer Uhren und teurer Autos, zieht die Notbremse. Das gleichnamige Restaurant in Rottach-Egern wird in geordneter Insolvenz abgewickelt. Die Umsätze fließen derzeit auf das Konto eines Verwalters. Und von diesem werden die bestehenden Gläubiger bezahlt – sofern das möglich ist.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Madeleine Maaßen, auf deren Namen das Lokal eingetragen ist, arbeitet der 58-Jährige seit März 2010 in dem Betrieb. Zuerst leitete er es drei Jahre lang als Restaurant und Vinothek in der Ulrich-Stöckel-Straße, seit Anfang 2014 wurde es als Gourmetrestaurant in der Südlichen Hauptstraße wiedereröffnet.

Weniger Umsatz als erhofft

Von der TS auf die Zahlungsunfähigkeit angesprochen, muss Maiwert schlucken. An die große Glocke hängen möchte er das Thema verständlicherweise nicht. Dem Merkur gab er jüngst ein freundliches Interview zu seinem geplanten Umzug nach Dresden. Es sei alles nicht mehr so einfach im Tegernseer Tal. Das Wetter und Anfeindungen würden das Leben unnötig schwer machen.

Doch der eigentliche Grund für den Weggang ist die betriebswirtschaftliche Schräglage des Restaurants. Vergangene Woche erhielten die Gläubiger die Insolvenz-Bekanntmachung des Amtsgerichtes. Seither ist klar, ein “Weiter so” wird es für das “Maiwerts” nicht geben. Seit Februar schon fielen die Umsätze, wie der 58-Jährige auf TS-Nachfrage berichtet:

Es ist nicht schlecht gelaufen, aber eben nicht gut.

15 Prozent weniger Umsatz seien es im Vergleich zum Vorjahr gewesen, sagt er. Aus Vernunftsgründen habe man jetzt die Notbremse ziehen müssen, sonst hätte man sich noch mehr verschuldet. Erst Anfang Dezember hatte Maiwert zum dritten Mal hintereinander einen Michelin-Stern verliehen bekommen.

Zu wenig Bankettveranstaltungen

An der Qualität des Essens kann es also nicht gelegen haben, dass der Spitzen-Koch das Restaurant aufgeben muss. Stattdessen habe er wohl das falsche Konzept zur falschen Zeit gehabt, gibt er zu. 95 Prozent à la carte-Geschäft, aber zu wenig Platz für Bankettveranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern. Das habe man eindeutig zu spät erkannt, betont Maiwert. Eine Konzeptänderung sei allerdings nicht in Frage gekommen:

Dann hätte ich meinen Michelin-Stern verloren.

Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien sicher, beteuert Maiwert. Bis nämlich die Kündigung der Angestellten wirksam ist, übernimmt der Insolvenzverwalter die ausstehenden Zahlungen inklusive Lohnnebenkosten. Am meisten habe die Bank als Hauptgläubiger „bluten“ müssen, erklärt der Gastronom.

Nach mehreren Stationen und rund 14 Jahren im Tegernseer Tal, darunter im Rottacher Bichlwirt, im Hotel Am Sonnenbichl und in der Fährhütte, ist nun ein Ortswechsel nach Dresden angesagt. Er sei zwar traurig, dass er gehen müsse, weil man dort wieder bei Null anfangen würde, aber es sei das einzig vernünftige Angebot gewesen, sagt Maiwert. In Dresden plane man die Eröffnung eines Restaurants, samt Bistro und Café.

Die einzige Chance, um im Tegernseer Tal bleiben zu können, bestehe darin, eine Auffanggesellschaft zu gründen und eventuell weiterzumachen, deutet der Sternekoch an. Doch die Chance dafür sehe er bei nur einem Prozent. Der Neuanfang sei die wahrscheinlichste Option.


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