“Man muss für die Themen brennen”

von Filiz Eskiler

Das Amt einer/eines Behindertenbeauftragten wird frei. Bis zum 1. Januar will das Landratsamt Miesbach eine Person gefunden haben, die den bisherigen Beauftragten Anton Grafwallner ablöst. Er erklärt was es bedeutet, in diesem Amt tätig zu sein.

Anton Grafwallner ist seit 20 Jahren im Amt des Behindertenbauftragten des Landkreis Miesbachs, nun wird ein/e NachfolgerIn gesucht. / Quelle: Landratsamt Miesbach

Der Landkreis Miesbach sucht zum 1. Januar 2021 einen neuen Beauftragten/eine neue Beauftragte für Menschen mit Behinderungen. Jemanden, der ein offenes Ohr hat. Jemanden, der sich auskennt, helfen möchte und vielleicht sogar selbst betroffen ist. Jemanden mit viel Herzblut. Anton Grafwallner hat dieses Ehrenamt 20 Jahre ausgeübt. In die Suche nach einer Nachfolge möchte er sich aktiv einbringen und erklärt deshalb was es bedeutet, in diesem Amt tätig zu sein.

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Herr Grafwallner, welche Aufgaben hat der oder die Beauftragte für Menschen mit Behinderungen?

Anton Grafwallner: Eigentlich macht der oder die Behindertenbeauftragte genau zwei Dinge: Er oder sie setzt sich für die barrierefreie Infrastruktur im Landkreis ein und bietet stille Hilfe für Menschen mit Behinderungen an.

Das müssen Sie bitte genauer erklären.

Grafwallner: Beim Ausbau der barrierefreien Infrastruktur im Landkreis haben wir noch einiges zu leisten. Der oder die Behindertenbeauftragte behält den Überblick beispielsweise über behindertengerechte öffentliche Toiletten, Freizeiteinrichtungen und Kulturveranstaltungen. Er berät Bauherren, Bauämter, Gemeinden und Veranstalter und gibt dieses Wissen natürlich an die BürgerInnen weiter. Vor allem das Thema barrierefreies Bauen ist wichtig: Es reicht nicht, nur einen Aufzug ins Haus zu bauen. Hinzu kommt die barrierefreie Gestaltung von Tourismus und Internet – alles Themen, die in Zukunft noch viel wichtiger für jeden von uns werden. Wir Behindertenbeauftragten sind auf diesen Gebieten Experten, nur ohne Zertifikat.

Und was darf man sich unter ihrer zweiten Aufgabe vorstellen, der „stillen Hilfe“?

Grafwallner: Die oder der Behindertenbeauftragte braucht ein offenes Ohr für die Probleme und Anliegen von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen. Unser Sozialstaat ist grundsätzlich gut, aber an vielen Stellen knirscht es. Die oder der Behindertenbeauftragte gibt keine Rechtsberatung. Aber man sucht nach Lösungen, liefert Ideen, Alternativen, Vorschläge.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die BewerberInnen mitbringen sollten?

Grafwallner: Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Der oder die Behindertenbeauftragte handelt unabhängig und weisungsungebunden. Man muss einfach für das Thema brennen, denn es ist nicht immer leicht. Und man muss authentisch sein. Man muss nicht unbedingt selbst eine Behinderung haben, aber auf jeden Fall jemandem in seinem Umfeld, sodass man die Herausforderungen im täglichen Leben eines behinderten Menschen nachvollziehen kann.

Haben Sie einen Tipp für Ihre Nachfolge?

Grafwallner: Er oder sie braucht einen langen Atem. Ich erinnere mich an den Aufzug bei der Wallfahrtskapelle Birkenstein. Sieben Jahre habe ich dafür gekämpft. Und jetzt sind alle glücklich. Noch heute erhalte ich Anrufe oder Postkarten von Menschen, die nach Jahrzehnten wieder die Kapelle besuchen können. Das ist sind Momente, in denen klar wird: Der lange Atem hat sich ausgezahlt, wir kämpfen für die richtige Sache.

Manchmal lassen sich alle Ansprüche nur schwer unter einen Hut bringen…

Grafwallner: Dafür habe ich Verständnis. Aber auch Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch darauf, gehört zu werden und ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu sein. Nehmen wir das Beispiel der neuen LINT-Züge der Bayerischen Regionalbahn. Es gibt keine barrierefreien Zugänge zu diesen Zügen! Wie sollen Menschen mit Behinderungen Zug fahren, wenn sie sie nicht mal betreten können? Niemand erwartet, dass diese Züge jetzt wieder eliminiert werden. Aber es muss eine Verbesserung geben. Dafür kämpfe ich und ich erwarte, dass auch meine Nachfolge sich dafür einsetzt!

Stichwort Erwartungen: Wie läuft die Übergabe? Kann Ihre Nachfolge weiter auf Sie zählen?

Grafwallner: In den 20 Jahren, in denen ich dieses Ehrenamt nun ausfülle, habe ich einiges an Wissen angehäuft. Es ist mir ein Herzensanliegen, meine Nachfolge gut einzuarbeiten. Niemand wird ins kalte Wasser geworfen. Die genauen Details, wann und wie die Übergabe stattfindet, mache ich dann mit den BewerberInnen direkt aus.

Die Bewerbungsdetails sind auf der Seite des Landratsamts Miesbach zu finden. Bewerbungsschluss ist am 25.08.2020.

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