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Rottachs Bürgermeister Christian Köck im TS-Interview

„Es ist nicht so leicht, wie es scheint“

Von Christopher Horn

Seit gut 100 Tagen ist Christian Köck (CSU), neuer Bürgermeister von Rottach-Egern, im Amt. Im TS-Interview zieht er ein erstes Zwischenfazit.

Zudem äußert sich Köck zum aktuellen Streit rund um die Orthopädische Klinik an der Point und zur angespannten Finanzlage der Gemeinde.

Seit gut 100 Tagen sitzt Christian Köck nun auf dem Chefsessel im Rottacher Rathaus.
Seit gut 100 Tagen sitzt Christian Köck nun auf dem Chefsessel im Rottacher Rathaus.

Tegernseer Stimme: Guten Tag Herr Köck, Sie sind etwas mehr als 100 Tage im Amt, wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Christian Köck: Nach der kollegialen Übergabe durch meinen Vorgänger Franz Hafner ist es gleich sehr intensiv losgegangen. Zahlreiche Termine standen auf dem Programm. Ich habe mich rasch eingearbeitet. Es herrscht ein gutes Arbeitsklima in der Verwaltung und im Gemeinderat. Ich bin also zufrieden, wie es bisher gelaufen ist.

Tegernseer Stimme: Haben Sie sich das Amt des Rottacher Bürgermeisters so vorgestellt, oder gab es eine böse Überraschung?

Christian Köck: Ich war mir durchaus bewusst, dass diese Aufgabe sehr arbeitsintensiv ist. Es kam außerdem noch hinzu, dass ich parallel meinen heimischen Betrieb noch abwickeln musste. Ich wollte aber von Anfang an alles für die Gemeinde geben und das habe ich aus meiner Sicht bislang auch getan.

Tegernseer Stimme: Also wussten Sie, worauf Sie sich einlassen?

Christian Köck: Als Gemeinderat war ich in den vergangenen Jahren so manches Mal der Ansicht, dass bestimmte Prozesse auch schneller absolviert werden können. Hier habe ich mich mittlerweile eines Besseren belehren lassen. Jetzt habe ich einen noch tieferen Einblick in viele Themen und auch die rechtlichen Gegebenheiten, die damit einhergehen. Bestimmte Dinge gehen einfach nicht so leicht, wie es oftmals scheint.

Tegernseer Stimme:Haben Sie Ihren Vorgänger Franz Hafner schon mal um Rat gefragt?

Christian Köck: Es gab gleich zu Beginn meiner Amtszeit zwei Terminanfragen, bei denen ich ein schlechtes Gefühl hatte. Ich hatte den Eindruck, da kommt einer mit einem Anliegen, das schon mal abgelehnt wurde, und versucht es bei einem neuen Bürgermeister nochmal. Also habe ich mir die nötigen Unterlagen angesehen und dann zum Telefonhörer gegriffen und mich mit Franz Hafner unterhalten. Da hat sich gezeigt, dass mein Gefühl richtig war.

Schadensbegrenzung bei der Bebauung

Tegernseer Stimme: Im Wahlkampf haben Sie betont, dass Ihnen die bauliche Entwicklung in Rottach-Egern und die zunehmende Verdichtung der Flächen Sorgen bereiten. Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Christian Köck: Ich stehe mit dem neuen Landrat Wolfgang Rzehak in Kontakt. Es geht auch darum, zu vermitteln, dass den Verantwortlichen der Gemeinde hier oft die Hände gebunden sind. Es gibt klare rechtliche Vorgaben, die den Handlungsspielraum der Gemeinde einschränken. Die Entscheidungen werden der Gemeinde weitestgehend abgenommen. Das Landratsamt ist die Genehmigungsbehörde.

Tegernseer Stimme: Was kann die Gemeinde denn tun?

Christian Köck: Der Gemeinderat versucht, hier Schadensbegrenzung zu betreiben, wo es geht. Wir wollen den Charakter unseres Ortes erhalten und uns für die Zukunft rüsten. Es geht auch darum, junge Familien im Ort zu halten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Projekte, die von großen Bauträgern verwirklicht werden, sind meistens weit von dieser Maxime entfernt.

Tegernseer Stimme: Wie wollen Sie diesen bezahlbaren Wohnraum schaffen? Scheitert es nicht schon an den nicht vorhandenen Flächen?

Christian Köck: Wir arbeiten akribisch an Lösungen. Es muss etwas sein, was bezahlbar ist und auch von der Lage her passt. Hier gibt es einige Ideen, die wir aber noch weiterentwickeln müssen. Das Potential unserer Gemeindewohnungen wurde nochmal geprüft. Es gilt, diese noch effektiver zu nutzen. Zwei alleinstehende Mieter erklären sich beispielsweise bereit, in kleinere Einheiten zu wechseln. Dadurch entsteht Raum für Familien. In einem Objekt können wir so Platz für zwei Familien schaffen. Zudem müssen wir schauen, welche Grundstücke sich eignen, um ein neues Objekt zu errichten und so bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Tegernseer Stimme: Das müsste dann die Gemeinde auf eigene Kosten umsetzen, kann Rottach sich das leisten?

Christian Köck: In unserem Ort gibt es zum Glück auch Personen, die bereit wären, mit der Gemeinde zu kooperieren und uns zu unterstützen. Hier laufen bereits Verhandlungen. Es ist allerdings noch zu früh, über Ergebnisse zu sprechen.

Klage wegen Orthopädischer Klinik weiter möglich

Tegernseer Stimme: Der geplante Neubau der Orthopädischen Klinik an der Point ist ein Streitpunkt zwischen Ihnen und der Stadt Tegernsee. Rottach will als Nachbar auch ein Wort darüber mitreden, was an der Point passiert. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Christian Köck: Es gibt hier eine Vereinbarung zwischen dem Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn und mir, dass wir uns beide zu diesem Thema vorerst nicht mehr öffentlich äußern. Wir wollen das Verhältnis zwischen Rottach-Egern und Tegernsee nicht weiter belasten. Wir haben im Rahmen der öffentlich ausliegenden Pläne eine Stellungnahme abgegeben und uns klar positioniert.

Tegernseer Stimme: Es ist kein Geheimnis, dass die Gemeinde Rottach-Egern die Planungen der Orthopädischen Klinik in dieser Form als zu überdimensioniert ablehnt. Wie sehen nun die weiteren Schritte aus?

Christian Köck: Der Ball liegt bei der Stadt Tegernsee. Wir müssen abwarten, ob der Stadtrat unsere Stellungnahme berücksichtigt und sich auch mehrheitlich gegen die Pläne in der jetzigen Größenordnung entscheidet. Ansonsten haben wir ja bereits angekündigt, wie die weiteren Schritte von unserer Seite aussehen werden.

Tegernseer Stimme: Eine Klage ist also weiterhin ein Thema?

Christian Köck: Ich hoffe, dass es nicht so weit kommen wird. Es geht hier nicht darum, irgendwelche Drohgebärden aufzubauen. Ich denke aber, wer A sagt, muss auch B sagen.

Die Pläne der Deutschen Rentenversicherung an der Point sorgen nach wie vor für Spannungen zwischen Rottach und Tegernsee.
Die Pläne der Deutschen Rentenversicherung an der Point sorgen für Spannungen zwischen Rottach und Tegernsee.

Tegernseer Stimme: Kommen wir wieder zurück auf das Rottacher Gemeindegebiet. Wo sehen Sie weitere Baustellen, die angegangen werden müssen?

Christian Köck: Es sind einige sehr zeitintensive Projekte am laufen. Zum einen steckt die neue Turnhalle mitten in der Mache. Zudem werden wir die energetische Sanierung unserer Gemeindehäuser weiter vorantreiben. Ein Ingenieurbüro ist momentan damit befasst, zu klären, welche Bereiche wir zum Beispiel am Rathaus angehen müssen. Danach geht es dann Schritt für Schritt mit den Gemeindehäusern weiter.

Tegernseer Stimme: Projekte wie der Neubau der Turnhalle haben die Gemeinde in eine angespannte Haushaltslage gebracht. Der Schuldenstand wird bis zum Ende des Jahres von derzeit 1,46 Millionen auf dann 2,36 Millionen Euro ansteigen. Welche Konsolidierungsmaßnahmen sind hier geplant?

Christian Köck: Wir dürfen Rottach-Egern nicht tot sparen, aber wir müssen schauen, was ist machbar, was macht Sinn und was ist Luxus, den wir uns momentan nicht leisten können. Wir müssen mit Augenmaß wirtschaften. Es kommen einige größere Projekte auf uns zu.

Tegernseer Stimme: Von welchen Projekten sprechen Sie?

Christian Köck: Es geht einmal um unseren Bauhof. Hier brauchen wir Verbesserungen. Ob wir diese über einen Neubau, eine Teilsanierung oder einen Umbau erreichen, müssen wir genau abwägen und dann entscheiden, was finanziell vernünftig ist und was nicht. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, verschiedene Modelle auszuarbeiten. Spruchreif sind diese aber noch nicht. Wir wollen die bestmögliche, aber auch eine erschwingliche Lösung.

Tegernseer Stimme: Auch die Grundschule ist in Teilen sanierungsbedürftig, wie geht es hier weiter?

Christian Köck: Die Schule befindet sich zwar in Rottach-Egern. Eine Entscheidung wird aber gemeinsam mit dem Schulverband Tegernseer Tal gefällt. Zunächst wurde die Rektorin der Grundschule, Frau Brück, mit einer Erhebung der zu erwartenden Schülerzahlen beauftragt. Der Standort muss gesichert sein. Zudem müssen wir auch wissen, für wie viele Schüler die Grundschule ausgelegt werden sollte, bevor wir Baumaßnahmen beschließen. Neben dem Schulbetrieb spielen hier auch die Themen Mittags- und Ganztagsbetreuung eine wichtige Rolle. Im Herbst werden wir das weitere Vorgehen besprechen.

Köck
Christian Köck will mit Augenmaß wirtschaften.

Tegernseer Stimme: Welche neuen Projekte wollen Sie noch in diesem Jahr umsetzen?

Christian Köck: Wir haben in kleinen Schritten geplant. Es gibt für heuer keine weiteren größeren Vorhaben. Es wäre zu viel verlangt, von mir und dem Gemeinderat, im ersten Jahr irgendwelche Wunder zu erwarten. Unsere Planung ist mittel- und langfristig ausgelegt. Es gibt ja laufende Projekte von meinem Vorgänger, die wir weiter voranbringen wollen.

Tegernseer Stimme: Wie gehen Sie mit Anregungen von Bürgern um?

Christian Köck: Ich rufe alle Bürger der Gemeinde dazu auf, sich ständig um den Ort Gedanken zu machen. Meine Türe steht immer offen. Wer in mein Büro oder ins Rathaus kommt, oder sich schriftlich beziehungsweise telefonisch an uns wendet, dem wird Gehör geschenkt. Wir können nur gemeinsam etwas bewegen.

Tegernseer Stimme: Herr Köck, vielen Dank für das Gespräch.

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