Am 1. April startet die Radlsaison im Tal
Manko Mountainbike-Strecken

von Nicole Kleim

Mit Beginn der Radlsaison sind Konflikte zwischen Wanderern und Radlern wieder vorprogrammiert. Noch immer fehlen ausreichend Mountainbike-Trails. Doch woran liegt das? Während die einen grübeln, werden die Mountainbiker im Tal aktiv.

Mit dem Mountainbike die Tegernseer Berge hinunter.

Sowohl Mountainbiker als auch Wanderer wollen auf den Berg – und kommen sich dabei oft in die Quere. Abhilfe schaffen eigens für Mountainbiker angelegte Strecken, sogenannte Trails. Dort können Mountainbiker so schnell fahren, wie sie wollen, ohne ruhesuchende Wanderer zu stören. In der Langenau bei Kreuth wurde 2012 ein solcher Trail in einer Gemeinschaftsaktion zwischen TTT, ATS, Bayerische Staatsforsten und einer Gruppe Trail-begeisterter Biker geschaffen: Der BaySF-Trail.

Über dessen positive Wirkung sind sich die Verantwortlichen einig: „Der Trail hilft, die Konfliktsituation zu entspannen. Besonders die, die schneller unterwegs sind, können sich dort austoben. “Außerdem ist es für viele Biker ein weiteres Angebot“, sagt der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider. Gelöst sei das Problem damit aber noch lange nicht. „Radler, die noch nicht so sicher sind oder in erster Linie bergauf fahren wollen, nutzen den Trail nicht. Es wird also auch in Zukunft immer Mountainbiker geben, die abseits der vorgegebenen Wege fahren.“

Nur eine offizielle Mountainbike-Strecke

Auch beim Rottacher Mountainbike-Hersteller Bionicon sieht man auf jeden Fall weiteren Bedarf an Trails. Gerade, weil der Tegernsee ein Ausflugsziel sei, müsse in diesem Bereich mehr getan werden. „Viele alteingesessene Landbetreiber wollen einfach nicht, dass über ihren Grund gefahren wird“, sagt Bionicon-Ingenieur Stefan Sack. Zwar gebe es viele inoffizielle Mountainbike-Strecken, aber die einzig offizielle sei nach wie vor der Langenau-Trail. An diesem waren waren Bionicon-Mitarbeiter maßgeblich beteiligt. „Wir haben den Trail anfangs betreut, pflegen ihn aber inzwischen nicht mehr“, so Sack.

Als Alternativ-Routen waren schon die im Sommer nicht genutzten Skihänge im Gespräch. „Zum Beispiel am Sonnenbichl oben, da wäre das Gelände gut. Man könnte den Lift benutzen und den Wald links und rechts befahren.“ Aber trotz der guten Voraussetzungen und – obwohl man die Thematik angesprochen habe – sei nichts vorwärts gegangen, sagt Sack. Von der Idee, Skihänge im Sommer für Biker zu nutzen, hält die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) wenig. Dies sei schwer mit dem Nachhaltigkeitsansatz zu vereinbaren, so heißt es. Grundsätzlich würde man sich aber freuen, wenn man das Angebot – besonders für Übernachtungsgäste von weiter weg – ausbauen könnte.

Mountainbike-Festival heuer am Achensee

Auch Stefan Niedermaier, Streckenchef des einstigen Mountainbike-Festivals am Tegernsee, scheiterte mit dem Mountainbike-Festival im Tal, weil die nötigen Strecken fehlten. Zwei, drei Tage vor der Veranstaltung hätten Grundstückseigentümer noch mit ihm die Streckenführung klären und mehr Geld rausschlagen wollen, berichtet Sack. Heuer findet das Radsport-Event deshalb nach 13 Jahren erstmals woanders statt. Und zwar am 27. und 28. Mai an Tirols größtem See – dem Achensee. Die Strecke dort sei hinsichtlich Steigung und technischem Anspruch moderat, heißt es. Es gebe zwar keine Trails, dafür eine traumhafte Landschaft.

Ein beliebtes Ziel sowohl für Wanderer als auch für Radler ist die Neureuth. Jetzt haben sich die Mountainbiker aus der Region zusammengetan und wollen den Sommerweg von Tegernsee aus Richtung Neureuth am 8. April erneuern. Durch den Regen sind starke Ausspülungen entstanden. Damit wollen die Mountainbiker „ihren“ Beitrag zum Erhalt der Wege und für die Wanderer leisten, zusammen mit der lokalen Vertretung der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB). Der Bauhof der Stadt Tegernsee stellt dafür das nötige Werkzeug zur Verfügung.

Noch keinen Schritt weiter

Es besteht also Aufholbedarf bei Angebot und Vermarktung des Tals als Mountainbike-Region. „Die Gemeinden müssen etwas tun, denn der Bedarf ist da. „Wir haben diverse Trails, die zwar befahren , aber nicht beworben werden, sagt Sebastian Freund, Produktmanager der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). „Die meisten Biker fahren aber gleich weiter nach Österreich oder Italien.“ Hier im Tal habe man einen schweren Stand, mehr Strecken freizugeben. Noch sei man „keinen Schritt weitergekommen“.

Die Frage bleibt, ob ein solches Angebot überhaupt von Grundstückseigentümern und Gästen gewünscht sei. Bürgermeister Bierschneider kennt die Schwierigkeiten. Der seit langem von der Gemeinde angedachte zweite Trail konnte nicht verwirklicht werden, weil ein privater Grundstückseigentümer seine Zustimmung verweigert hatte, den Weg über sein Grundstück laufen zu lassen. Dabei hätte es dafür keine neue Trasse gebraucht, da es sich um einen alten, nicht genutzten Ziehweg handelte.

Bis sich also etwas tut, müssen Mountainbiker mit dem Langenau-Trail Vorlieb nehmen. Am 1. April wird er wieder geöffnet.


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