Lanserhof Marienstein: Gemeinderats-Ping-Pong zwischen Gmund und Waakirchen

Von Steffen Greschner

Vierte Ergänzung vom 26. September / 11:46 Uhr
Zwischen Waakirchen und Gmund geht es derzeit hin und her. Der Auslöser für das Gemeinderats-Ping-Pong ist die Befürchtung Gmunds, dass bei den Planungen für das 50-Millionen-Euro-Vorhaben zwei wichtige Punkte nicht ausreichend beachtet werden könnten.

Bereits Mitte Juli hatte sich der Gmunder Gemeinderat mit den Plänen für den Neubau des Lanserhofs Marienstein befasst. Und Georg von Preysing machte damals schon klar, dass die Gemeinde ihre Interessen wahren wird:

„Wir mischen uns nicht in die Belange anderer Gemeinden ein, aber in diesem Fall geht es uns auch was an,“ so die Ansage des Gmunder Bürgermeisters.

Ein erstes Größen-Modell des Lanserhofs oberhalb von Marienstein

Zwei Punkte sind es vor allem, die die Gemeinde massiv stört: das Abwasser soll bitteschön über einen bestehenden Kanal in Richtung Waakirchen abgeleitet werden. Damit wäre Gmund entlastet. Und zum zweiten steht die Forderung nach einer klaren Regelung zur Abwicklung des Verkehrs während der Bauarbeiten im Raum.

Zu beiden Themen hatte der Waakirchner Gemeinderat zwar Anfang August eine Stellungnahme verfasst. Doch diese war nicht nach der Vorstellung der Gmunder Ortsvorsteher ausgefallen. Aus dem Grund erneuerte der Gemeinderat seine Forderungen nach einer Entwässerung über einen Kanal in Richtung Waakirchen. „So ein riesiges Projekt wie der Lanserhof muss ordnungsgemäß an einen Kanal angeschlossen sein,“ bekräftige von Preysing die vorherrschende Gmunder Meinung.

Zum Thema „Nutzung der Zufahrt über Steinberg“ machte der Bürgermeister ebenfalls klar, dass mit ihm kein regelmäßiger Bauverkehr über den Gmunder Ortsteil zu machen sei. Im höchsten Fall könne man während der Bauzeit für ein paar Tage eine Ausnahme machen. Aber das sei dann auch schon das höchste der Gefühle.

Ob diese „Ausnahme“ im Interesse der Steinberger Bürger ist, die vor knapp zwei Wochen eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen haben, darf allerdings bezweifelt werden.

Dritte Ergänzung vom 02. August

Der bestehende Margarethenhof oberhalb von Gmund und Marienstein soll umgebaut werden. Entstehen soll ein etwa 50-Mio-Euro teures Gesundheitszentrum nach dem Vorbild des Tiroler Lanserhofs. Quelle: www.margarethenhof.com

In einer ausführlichen Stellungnahme zum geplanten Gesundheitszentrum auf dem Gelände des Margarethenhofs oberhalb von Marienstein positioniert sich der Bund Naturschutz mit eindeutigen Worten gegen das Vorhaben:

Der Bund Naturschutz lehnt die Flächennutzungsplanänderung und die neu geplante Bebauung (Lanserhof) der Gemeinde Waakirchen entschieden ab.

Zur Begründung in dem vierseitigen Schreiben, dass der Gemeinde letzte Woche zugegangen ist, hat der Bund Naturschutz insgesamt 18 Punkte gegen das Vorhaben aufgeführt. Darunter der „damit verbundene Flächenverbrauch in der freien Landschaft“, negative Auswirkungen der „Bodenversiegelung in der Größe von über 10 ha“ oder auch der Schutz der auf dem Gebiet lebenden Gelbbauchunken, Erdkröten oder des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings.

Die gesamte Stellungnahme kann man sich hier herunterladen und nachlesen (öffnet als PDF-Dokument).

Der Waakirchner Gemeinderat wird sich unter anderem mit den Stellungnahmen des Bund Naturschutz wie auch der von der Gemeinde Gmund (siehe Artikel vom 21. Juli weiter unten) in seiner nächsten Sitzung, noch vor der Sommerpause, auseinandersetzen. Dabei dürfte es auch um das geplante Bürgerbegehren einiger Waakirchner gehen.

Zweite Ergänzung vom 21. Juli
„Wir mischen uns nicht in die Belange anderer Gemeinden ein, aber in diesem Fall geht es uns auch was an,“ so Georg von Preysing auf der Gemeinderatssitzung in Gmund, in der unter anderem das Thema Lansmed Waakirchen auf der Tagesordnung stand.

Waakirchen muss im Zuge der Planungen für das etwa 50 Millionen Euro teure Gesundheitszentrum seinen Flächennutzungsplans ändern. Und die Nachbargemeinden dürfen sich dazu auch äußern. Gmund erweist sich dabei als kritscher Nachbar. Denn allzu einfach wollen es die Gemeinderäte den Waakirchnern nicht machen. Soviel steht zumindest nach der letzten Sitzung am Dienstag Abend fest.

Zwei Punkte sind es, die die Anwohner wie auch die Gemeinde stört. Auf der einen ist es der geplante Teich, in dem das Klärwasser wie auch das Oberflächenwasser des geplanten Gesundheitszentrums strömt. Abfließen soll dieser in Richtung Festenbach. Und damit direkt in das im letzten Jahr eröffnete Rückhaltenbecken in Moosrain. „Damit verschärft sich für uns die Situation am Becken. Vor allem bei Starkregenfällen reicht der dann eventuell nicht mehr aus,“ so die Aussage des Bürgermeisters.

Das Abwasserkonzept ging in der eingereichten Form auch nicht durch den Gmunder Gemeinderat. Dieser sprach sich für eine Kanallösung aus. Waakirchen wird nun in einer der nächsten Sitzungen dazu Stellung nehmen müssen.

Als viel kritischeren Punkt sahen die etwa 30 Zuhörer die Nutzung der eigentlich nicht genehmigten Zufahrt über Steinberg. Vor allem während der Bauphase, so die Befürchtung der Anwohner, könnte das Verbot für die schweren Fahrzeuge gelockert werden. Doch das will in Steinberg niemand.

Bereits heute werde die Zufahrt unrechtmäßig genutzt. Und das nicht zu knapp, meinten einige Zuhörer aus dem Zuschauerbereich.

Von Preysing versicherte zwar, dass der „Erschließungsverkehr ausschließlich über Waakirchen erfolgen soll.“ Doch in nicht-öffentlicher Sitzung wurde bereits über eine Teilöffnung der Zufahrt für die Gäste des Margarethenhofs diskutiert.

Zumindest während der Bauzeit ist das also eine mögliche Option, die bisher jedoch noch nicht abschließend beschlossen wurde. Und die auch die Anwohner nicht sonderlich freuen wird.

Ergänzung vom 21. April / 11:48 Uhr mit der Überschrift: „Bis zu 50 Millionen Euro Invest – Waakirchen entscheidet sich für Lanserhof“
Die Ausmaße sind das Problem. Viel zu groß, überdimensioniert und einfach nicht passend in das Gebiet oberhalb Mariensteins. So die Argumente der Gegner im Waakirchner Gemeinderat, die am Ende die Abstimmung trotz allem mit 7 zu 13 Stimmen verloren geben mussten.

Dabei sind die Vorteile eines neuen Gesundheitszentrums auf dem Geländes des Margarethenhofs nach dem Vorbild des Tiroler Lanserhofs gigantisch: Der im Dornröschenschlaf befindliche Margarethenhof wird zusammen mit dem Golfplatz wiederbelebt. Ein zweites Maximilian, so die Befürchtung einiger Gemeinderäte, wäre dann sehr unwahrscheinlich. 75 Zimmer sind für das gesamte Areal mit altem und neuen Hotel geplant. Insgesamt etwas über 100 Arbeitsplätze wären ein großes Pfund – nicht nur für die Heimatgemeinde.

Ob sich das Projekt auch direkt finanziell für Waakirchen auszahlen würde, ist allerdings noch offen. Der Margarethenhof hat bisher noch nie Gewerbesteuer gezahlt. Und auch beim geplanten Lanserhof könne man in der derzeitigen Phase keine validen Aussagen zu Höhe und Eintrittswahrscheinlichkeit treffen. Geplant sei es allerdings, sonst könne man das ganze auch gleich lassen. So die Aussage von Christian Harrisch, dem Eigentümer des Margarethenhofs.

50 Millionen Euro sollen investiert werden – und das Geld muss auch wieder rein

Alleine die geplante Investitionssumme zeigt, wie groß das neue Areal werden wird. Insgesamt knapp 50 Millionen Euro will der neue Eigentümer in das Projekt inklusive der Maßnahmen am Margarethenhof reinstecken. Bis sich das rentiert, wird viel Abwasser den Berg hinunter Richtung Marienstein fließen. Oder andersrum, viele Autos den Berg hoch zum Lanserhof fahren müssen.

Die Abwasseranbindung, auf der letzten Sitzung noch eines der überragenden Probleme, war gestern plötzlich vom Tisch. Alles nicht so schlimm und mittlerweile auch soweit geklärt, klang es einträchtig aus der großen Runde.

Bei der Mitentscheidung der Bürger zeigte man sich im Gemeinderat ebenfalls relativ einträchtig. Der Bürger soll zwar mit einbezogen werden. Schaugerüste sollen helfen, sich mit dem Projekt anzufreunden und einen ersten Eindruck zu erhalten. Weitere Informationsveranstaltungen sind geplant. Aber am Ende, so die Meinung aus dem Rat, ist der Gemeinderat auch dafür gewählt worden, damit er die Entscheidungen trifft, und nicht der Bürger.

Und das tat er dann auch wie Eingangs berichtet: Mit 13:7 für den Ausweis einer Sonderbebauungsfläche und für die weitere Planung auf Basis des vorgestellten Konzeptes.

Ursprünglicher Artikel vom 13. April:
Eine grundsätzlich positive Stimmung war gestern im Waakirchner Gemeinderat zu verspüren. Das Thema Margarethenhof stand auf der Tagesordnung und gekommen war unter anderem der Investor Christian Harisch. Dessen Aussagen „Wir wollen Waakirchen nicht belasten, sondern als Partner agieren“ klangen wie das Bekenntnis zur intensiven Zusammenarbeit mit der Gemeinde und zum Betrieb des bisherigen Margarethenhofs. Behutsam wolle man das bestehende Areal ausbauen und weitere Dienstleistungen anbieten, so Harisch weiter.

Bereits im letzten Herbst hatte der neue Eigentümer etwa eine halbe Million Euro in den laufenden Betrieb investiert. Die Zimmer wurden aufwändig renoviert. Doch nun soll es weitergehen. Nach dem Vorbild des Lanserhofs in der Nähe von Innsbruck, an dem Harisch auch beteiligt ist, möchte der Unternehmer ein Gesundheitszentrum oberhalb von Marienstein errichten. Zusätzlich zum bestehenden Hotel soll es ein Badehaus und ein Behandlungszentrum geben.

Im ersten Schritt wollte der Eigentümer noch eine Fläche von 145 x 145 Metern bebauen. Das war der Regierung von Oberbayern aber zu viel und sie empfahl die Maximalmaße von 80 x 80 Metern. Dem kam der Bauherr nach und sicherte sich somit auch die Zustimmung der obersten Behörde.

Das Problem mit dem Abwasser: Eigene Kläranlage oder Anbindung ans Netz?

Ein Hindernis war damit weg. Doch nun tut sich ein weiteres auf dem Weg zur endgültigen Genehmigung Waakirchens auf. Die Abwasserproblematik. Denn der neue Margarethenhof würde soviel Kapazität im bestehenden Kanalsystem Mariensteins beanspruchen, dass gegebenenfalls lokale „Häuslebauer“ negativ betroffen wären, da für sie dann diese Kapazitäten fehlen würden.

Aus dem Grund hatte Christian Harisch eine Margarethenhof-eigene Kläranlage nordwestlich des Geländes präsentiert und sich auch bereits die grundsätzliche Zustimmung des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim eingeholt. Organische Reststoffe würden in dem Fall monatlich zu den Kläranlagen Gmund oder Tölz transportiert werden. Auch auf Befürchtungen, dass sich eine eigene Anlage negativ auf den Tegernsee auswirken könnte, ging Harisch ein:

Bei einer eigenen Kläranlage kommt im Tegernsee kein hygenisiertes Wasser an.

Trotzdem ist die Gemeinde Waakirchen tendenziell für die große Lösung. Die Anbindung an das örtliche Kanalnetz habe viele Vorteile. Alleine der wirtschaftliche Nutzen sei im ersten Schritt sehr groß. Das Risiko allerdings liege in einer möglichen Überlastung des Kanalsystems. In diesem Fall wären hohe Investitionen in das Kanalnetz nötig.

Um das klären zu können, soll nun ein Gutachten erstellt werden, welches die Durchführbarkeit eines Anschlusses an das Kanalnetz von Piesenkam analysiert. Dort sind noch ausreichend Kapazitäten frei, und über einen Umweg (die Umnutzung des südlichen Waakirchens) stünde dem Anschluss des „Lanserhofs“ ans öffentliche Netz nichts mehr im Wege.

Grundsätzlich jedoch war die Resonanz positiv. Und trotzdem hat man am Ende die Entscheidung vertagt. Warum erklärte Bürgermeister Hartl folgendermaßen:

Um auch im Sinne von Waakirchen entscheiden zu können, haben wir noch erheblichen Informationsbedarf. Aus dem Grund werden wir zusätzlich zur heutigen Sitzung in einer öffentlichen Sondersitzung am 20. April um 18 Uhr informieren und dann auch entscheiden.


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