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Zwei beliebte Berghäuser machen dicht

Marode Bausubstanz und Hygienemängel

Das Forsthaus Valepp und die Erzherzog-Johann-Klause werden auf unbestimmte Zeit geschlossen. Erforderlich sind dringende Sanierungen, deren Kosten für beide Häuser bei über zwei Millionen Euro liegen dürften.

Das Forsthaus Valepp in besseren Zeiten.
Das Forsthaus Valepp hat schon bessere Zeiten erlebt.

Beide Traditionsgebäude sind von Enterrottach aus zu erreichen. Sie liegen im Dreieck Tegernsee, Spitzingsee und dem Inntal in Tirol auf über 800 Metern Höhe. Beliebt sind sie bei Wanderern und Bikern. Doch damit ist vorerst Schluss. Neben dem Geld fehlen Pläne und Pächter.

Nun stehen die Erzherzog-Johann-Klause und das Forsthaus Valepp verrammelt da, obwohl sie beide eine lange Tradition aufweisen können. Das Forsthaus Valepp wurde unter der Regentschaft von König Max II. im Jahr 1841 erbaut. Nach Beendigung des königlichen Jagdbetriebs erfolgte der Umbau zum Gasthof. Der vormalige Stallteil wurde im Erdgeschoss zur Küche umfunktioniert, im Obergeschoss das Fachwerk der Tenne durch massive Blockwände ersetzt und somit die Unterbringungsmöglichkeiten erweitert.

Berghütte oder Hotel?

Doch das ist lange her. Inzwischen müsste es dringend saniert werden. Dafür hatte der Lenggrieser Archtitekt Peter Schwarzenberger bereits im August 2014 ein Sanierungskonzept für die Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer auf den Weg gebracht. Der Eingabeplan wurde im Juni 2015 vom Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und dem Denkmalamt genehmigt.

„Man hatte ein kritisches Auge darauf, weil es ein besonderes Gebäude ist: ein Villenbauwerk im Schweizer Stil des 19. Jahrhunderts“, erklärt Schwarzenberger das „sehr edle Stück“ auf Nachfrage der TS. Es musste dann auch noch ein Bodengutachten gemacht werden, weil der Küchentrakt an den Hang „gerutscht“ wurde. So verging laut Schwarzenberger die Zeit, weil es im Februar 2015 bei den Staatsforsten nach Führungswechsel auch noch „einen Paradigmenstreit“ gab, wie Schwarzenberger formuliert.

Man war sich nicht einig, ob es mehr eine Berghütte für 30 Leute oder ein Hotel mit Bädern werden soll.

Als Hotel hätten sich aber die Bettenzahlen ganz „schnell wieder reduziert“, weil dafür nur ein Obergeschoss zur Verfügung stehe. „Es ist eine hochkomplexe Baustelle, da in dem uralten Haus noch so mancher unentdeckte Bauschaden stecken könnte.” Der gesamte Küchenblock müsse abgerissen und von Grund auf neu gebaut werden. „Dies dauert mindestens schon ein dreiviertel Jahr, erst dann könne man darüber weitermachen“, urteilt Fachmann Schwarzenberger, der die Kosten auf „deutlich über einer Million Euro“ kalkuliert.

Diese Summe hänge auch von der Inneneinrichtung für den künftigen Pächter ab. Ob es ein 08/15-Inventar werde oder für etwas gehobene Ansprüche.

Eröffnung vielleicht in zwei Jahren

„Wir sind nun in Gesprächen mit potenziellen Pächtern und den Architekten, die das Projekt weiterführen sollen. Noch haben wir noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Die Fertigstellung wird wohl erst im Laufe des Jahres 2018 erfolgen können“, erklärt Christoph Baudisch von den Staatsforsten in Schliersee auf Anfrage.

Ist es beim Forsthaus Valepp offenbar nur eine Frage der Zeit, um den traditionsreichen touristischen Standort zu erhalten, so stehen die Chancen für den Erhalt der Erzherzog-Johann-Klause in der Valepp wesentlich schlechter. Sie könne “dieses in die Jahre gekommene Haus den Leuten nicht mehr zumuten“, klagt Pächterin Claudia Ledermair. Zwei Jahre habe sie und ihr Mann Walter mit den Bundesforsten in Österreich als Eigentümerin darüber gesprochen, dass eine Renovierung dringend notwendig wäre.

Denn wir können so nicht weiterarbeiten, weil ein weiterer Betrieb gegen alle Gesetze verstößt. Es ist Jahrzehnte nichts mehr in das Haus investiert worden. Zwischen urig und schäbig ist der Grat sehr schmal.

Deswegen habe man nach elf Jahren den Pachtvertrag gekündigt, obwohl er noch zehn Jahre weitergelaufen wäre. „Wir hätten auch eine neue Küche reingestellt, doch der Untergrund ist zu brüchig. Man kann auch keine neue Toilette bauen, wenn die Fäkalien nicht abtransportiert werden. Es geht hier um ganz grundlegende Dinge wie das Trinkwasser, das wir nicht mehr hatten oder die Hygiene in der Küche, die nicht mehr gewährleistet werden konnte. Das Haus verfällt, es ist jetzt innen schon ganz feucht und schimmlig“, beschreibt die jahrelange Wirtin den Zustand der Klause.

Die Erzherzog-Johann-Klause liegt auf österreichischer Seite.
Die Erzherzog-Johann-Klause liegt auf österreichischer Seite.

Eine dringend notwendige Sanierung des Gasthauses bestätigt auch Pia Buchner, Pressesprecherin der Bundesforsten: „So muss etwa die Wasserversorgung komplett neu gemacht werden, ebenso gehört das Dach gänzlich saniert, auch die Gastro-Standards müssen angepasst werden. Eine erste Grobschätzung hat Instandsetzungskosten von über einer Million Euro ergeben“.

Da der Staat Österreich offenbar knapp bei Kasse ist, reicht das Geld vorerst nur noch für einen Bauzaun, der das Gasthaus umgeben soll. „Wir haben jetzt ausgeräumt. Nun werden die Fenster zugenagelt, damit auch die Wanderer, die in Bergnot geraten sind, nicht mehr einsteigen können. Auch dies will der Forstbetrieb so. Wir haben die Tür auch im Winter offengelassen. Als Pacht bekommen die Forsten etwa 10.000 Euro im Jahr. Lassen sie einen Einser-Hirsch rausschiessen, bekommen sie 15.000 Euro. So rechnen die“, klagt Ledermair.


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