Maßlose Erweiterung oder maßvoller Neubau?

von Christopher Horn

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Der Westerhof-Eigentümer Dr. Andreas Greither hat Großes vor mit seinem Hotel. Seine Pläne: den derzeitigen Bestand abreißen und bis 2017 ein neues Hotel oberhalb von Tegernsee errichten. Um das zu erreichen, wurde vor einiger Zeit ein Masterplan eingereicht. Kritiker sprechen dabei von einer „Erweiterung in maßlosem Gewand“. Greither will indes mit dem Neubau nur eine alte Tradition fortsetzen.

Geht es nach Dr. Andreas Greither, soll sich der Westerhof bis 2017 zu einem zeitgemäßen, attraktiven und umweltgerechten Qualitätshotel entwickeln. Damit das gelingt, sind aus seiner Sicht große Veränderungen erforderlich. Der Plan rund um den Neubau sieht vor, den fast 1.000 Jahre alten Westerhof neu zu errichten sowie um drei Häuser zu erweitern. Außerdem werden eine Kapelle sowie eine Tiefgarage entstehen. Dabei soll auch an die Nutzung als früheres Sanatorium angeknüpft werden.

Die neuen Räume würden dann Platz für 136 Zimmer mit insgesamt bis zu 300 Betten bieten. Dazu kommen noch 22 Personalzimmer. Zum Vergleich: derzeit hat das oberhalb von Tegernsee gelegene Hotel nur rund 100 Betten.

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Für das Projekt werden auch umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt, durch die die Einrichtungen des Hauses und damit auch beispielsweise die große Tiefgarage direkt in den Berg hineingebaut werden können. Die vorhandenen Gebäude des bisherigen Hofs müssen für die neuen Planungen komplett weichen und werden abgerissen. Die Grundzüge des dafür eingereichten Masterplans hat die Stadt Tegernsee bereits genehmigt. Der Plan basiert dabei im Wesentlichen auf den Vorgaben eines seit über 15 Jahren bestehenden Bebauungsplans.

Aktuell sieht der Westerhof noch so aus. Die derzeitigen Gebäude werden einem Neubau jedoch komplett weichen.
Aktuell sieht der Westerhof noch so aus. Die derzeitigen Gebäude werden einem Neubau jedoch komplett weichen.

Nun geht es um die Detailplanungen. Gerade läuft die erste Auslegungsphase. Behörden oder auch öffentliche Unternehmen, aber auch die Bürger haben in den kommenden Wochen Gelegenheit, sich die im Tegernseer Rathaus ausliegenden Pläne anzusehen und dazu Stellung zu nehmen.

Kritik von Nachbarn und Schutzgemeinschaft

Vor allem vonseiten einiger Nachbarn, aber auch der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) erwarten die Verantwortlichen massive Kritik. So ist beispielsweise in den Augen der SGT die geplante Erweiterung des Westerhofs maßlos. In einer von der Schutzgemeinschaft heute veröffentlichten Stellungnahme heißt es in Bezug auf die vielen Neubauten in Tegernsee:

Niemand verwehrt sich gegen eine vernünftige Weiterentwicklung, einen Ausbau der Hotel- und Gästehäuser-Kapazitäten, aber in landschaftlich verträglichem Maße. Nun sollen der massive Neubau des Westerhofs, der Neubau des a-ja-Hotels, die Erweiterung des Hotels „Das Tegernsee“ oder das Almdorf die rückläufige Zahl der Gästebetten nach oben treiben, ohne Rücksicht auf die massiven Veränderungen in unserem Landschaftsbild.

Bereits am Samstagnachmittag hatten rund 350 Bürger im Rahmen eines Protestmarsches ein Zeichen „gegen den Ausverkauf des Tals“ gesetzt und die vielen Neubauprojekte am Tegernsee beklagt.

Greither betont indes, dass man über eine transparente Planung und offene Kommunikation möglichst umfassend über das Projekt informieren wird. Gleichzeitig verteidigt er die Erweiterung auf bis zu 300 Betten als maßvoll.

Durch den Neubau reduzieren wir die sichtbaren Massen sogar. Vieles liegt dann nicht mehr im Sichtbereich zum See, sondern ist auf den hinteren Teil des Grundstücks ausgerichtet. Zudem integrieren wir einen großen Teil des neuen Baukörpers in den Berghang.

Durch diese Bauweise sei es möglich, die Höhe der Dachgiebel trotz größeren Bauvolumens fast auf der derzeitigen Höhe des Westerhofs zu belassen. Das Dach des Haupthauses soll dabei einen halben Meter höher ausfallen. Ziel sei es, so Greiher, dass sich der Westerhof weiterhin harmonisch in das Tegernseer Tal und die Umgebung integriere. Um hier Wort zu halten, will er den Neubau so umweltverträglich wie möglich gestalten und auch keine bestehenden Bäume auf dem weitläufigen Grundstück fällen lassen.   

Die Schutzgemeinschaft sieht das allerdings völlig anders und betont: „An dieser besonders exponierten Stelle erscheint die jetzt vorgestellte Planung überdimensioniert.“ Der zukünftige Bau würde weithin die Ansicht des Sees und der Stadt prägen und sich vor allem als Fremdkörper nicht in die Tallandschaft einfügen.

So sehen die neuesten Pläne für den Westerhof aus / Quelle: Der Westerhof
So sehen die neuesten Pläne für den Westerhof aus / Quelle: Der Westerhof

Aus Greithers Sicht gibt es aus ökonomischer und ökologischer Sicht jedoch keine Alternative zu dem geplanten Neubau, der im Optimalfall 2017 eröffnet werden könnte. So wurden bei Untersuchungen schwerwiegende Mängel an der Bausubstanz des derzeitigen Gebäudes festgestellt. Darüber hinaus sei eine kleinere Erweiterung nicht wirtschaftlich. „Eine Bebauung am Hang ist rund 30 Prozent teuer. Je mehr Zimmer dort entstehen, desto bessere Angebote können wir dann letztlich auch machen.“

Mehr und bessere Wege

Sein Konzept sieht dabei ein Erholungshotel für die ganze Familie vor. Man sei zwar nahe an der Idee des Lanserhofs in Waakirchen. Der Westerhof werde aber sicher kein zweiter Lanserhof werden, so Greither. Das Ziel formuliert er so: die Gäste sollen für eine längere Aufenthaltsdauer als bislang begeistert und vor Ort auf dem Areal gebunden werden. Gleichzeitig will der Mediziner an das frühere Ansatz des Westerhofs als Sanatorium anknüpfen.

Möchte der Gast einen Ausflug in die Tegernseer Stadtmitte machen, soll das nach Möglichkeit nicht mit dem eigenen Auto passieren. Zudem plädiert Greither auch dafür, das vorhandene Wegenetz intensiver zu nutzen und dieses noch besser auszubauen. So könnten die Gäste dafür begeistert werden, sich zu Fuß auf den Weg zu machen.

Dafür müssen wir jedoch an der Wegequalität am Tegernsee arbeiten und zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Bisher sind viele der Strecken zu steil und zum Beispiel nicht kinderwagentauglich. Das muss sich ändern.

Als Alternative bringt er erneut auch einen Lift ins Spiel und nennt Orte wie den Mönchsberg in Salzburg als Vorbilder. Über eine Liftlösung und die anderen Fortbewegungskonzepte will Greither auch das von der Schutzgemeinschaft befürchtete „vorprogrammierte Verkehrschaos“ auf der nur einspurig befahrbaren Straße zum Westerhof verhindern.

Auch Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen wies solche Befürchtungen jüngst zurück: „Das angeforderte Verkehrsgutachten hat ergeben, dass die Zufahrt zwar nicht perfekt, aber nach einigen Ausbesserungen ausreichend ist“, so Janssen Mitte November im Tegernseer  Stadtrat.

Ob das auch die dortigen Anwohner so sehen, wird man spätestens im Rahmen der Stellungnahmen sehen, mit denen sich der Stadtrat in den nächsten Monaten befassen muss. Mit Widerstand vonseiten einiger Westerhof-Anlieger rechnet der Bauherr dabei jetzt schon. Gleichzeitig lädt er die Kritiker zu einem offenen Dialog ein und betont:

Ich kann verstehen, dass manche Tegernseer offene Fragen und einige direkte Nachbarn noch Bedenken haben. Mir ist aber wichtig, zu betonen, dass wir alle seriösen Argumente rund um das Projekt ernst nehmen.

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