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Pläne zu Gesundheitszentrum - „Euphorie“ im Wiesseer Gemeinderat

Matteo Thun zum Zweiten

Neue Planungen Matteo Thuns für das Jodbadareal lagen gestern Abend auf dem Ratstisch. Entgegen seinem ersten Modell von Januar 2013 mit einem durchgehenden Riegel, soll sich nun das Gesundheitshotel mit 114 Zimmern der betagten Wandelhalle unterordnen. Ein Konzept, das in Wiessee für Euphorie sorgt. Doch nicht bei allen.

Das Model zeigt: Vorne und links ist das geplante Hotel, oben der OP-Trakt.
Das Model zeigt: Vorne und links ist das geplante Hotel, oben der OP-Trakt.

Schon lange war das Interesse am Gemeinderat in Bad Wiessee nicht mehr so groß, wie bei der Sondersitzung am Dienstagabend, bei der es um die Zukunft des vor sich hin dümpelnden Kurortes ging. Selbst zusätzliche Stühle reichten nicht aus, um allen Besuchern gerecht zu werden. Hoch war deren Erwartungshaltung. Immerhin sollten dem Herzstück des Ortes nach Jahren des Stillstandes neues Leben eingehaucht werden.

Die Entwürfe stammten wieder von Matteo Thun, diesmal aber wesentlich abgespeckter. Kein Betonriegel durchtrennt mehr das Areal für das Hotel. Es wird in einen Süd- und Westflügel aufgeteilt und die Wandelhalle mit Event- und Gastronomiebereich „komplett freigestellt“, erklärte Gerald Schnell vom Architekturbüro Thun.

Ähnlich dem Turm der Wandelhalle soll ein solcher auch die Hotelanlage zieren. Dieser soll „Dreh- und Angelpunkt“ des „Aktivitäts“-Hotels und dem „sportlichen Charakter des Tegernseer Tales gerecht werden“, so Florian so Florian Kamelger von der Schweizer Sports Excellence Group (SME). Von den urspünglich geplanten 65 Zimmern sei man abgekommen, da diese sich „nicht rechnen“. Für die Rentabilität erforderlich seien 114 Zimmer und Suiten im Süd- und Westflügel, erklärte Kamelger.

Dem Bestand der Wandelhalle in der Höhe unterordnen soll sich der Südflügel mit nur zwei Stockwerken. Im Erdgeschoß sei der gesamte SPA- und Wellnessbereich. Für die Zimmer im Obergeschoß sind verglaste Wintergärten mit „Klimapufferzonen“ als energetischer Beitrag vorgesehen. Die angestaute Wärme will man im Winter ins Heizungssystem führen.

Behandlung soll bezahlbar bleiben

Der Westflügel vor der Traglufthalle der Sportarena wird dreigeschossig. Die Zufahrt in die Tiefgarage mit etwa 150 Stellplätzen erfolgt über eine Rampe von der Wilhelminastraße. Auf gleicher Höhe sei auch die Rezeption, auch für die Sportsclinic am nördlich Rand gegenüber dem Badepark.

Zwei Operationssäle im Erdgeschoß sollen den „sportiven Menschen gerecht werden“ und deren Bewegungsapparat auf Vordermann bringen. „Wir bieten eine Regeneration an, die für jeden bezahlbar sein muss“, sagt Kamelger zu. Dem wolle man Rechnung tragen. Die zweite Etage soll die Therapieräume aufnehmen.

Versen: „Kein Seeblick“

Trotz der Euphorie am Ratstisch gab es auch einen Wermutstropfen. Als Einzige stimmte Ingrid Versen (CSU) dagegen. Ihr fehle der Seeblick bei den 64 Zimmern im Südflügel.

Mir genügt es nicht, dass ich erst auf den Balkon treten muss, um einen Seeblick zu erheischen.

Während ihr Höß sportiv entgegnete, „die Leute sollen sich bewegen und nicht den ganzen Tag im Zimmer sitzen“, widersprach Schnell. „Auch vom Südflügel sieht man über die Häuser hinweg den See“. Konsens der Planer war, dass die Wandelhalle nicht mit einem vorgelagerten Hotel verbaut werden soll.

Das Gesundheitszentrum. Oben links die Wandelhalle.
Das Gesundheitszentrum. Oben links die Wandelhalle.

Diese bekommt ein neues Innenleben: zwei begehbare Kisten, um die denkmalgeschützte Bausubstanz nicht anzutasten. Diese beiden „Kisten“ sollen für Events jeglicher Art geeignet sein, aber auch für die Lounge und die Bibliothek. Zudem sollen sie die Gastronomie aufnehmen, die für Jedermann gedacht ist, nicht nur für Hotelgäste.

Betreiber springt ab, SME springt ein

Offenbar ein wunder Punkt dieses Konzepts ist der Betreiber des Hotels, wie sich auf Nachfrage von Jupp Brenner (FWG) zeigte. Erst nach einigem Zögern räumte SME ein, dass das kürzlich noch genannte Münchner Unternehmen Kull & Weinzierl inzwischen aus dem Rennen sei, da es sich nun bei anderen Projekten engagiere, nicht aber in Bad Wiessee.

„Wir werden es nun selber betreiben und uns eine Fachperson aus der gehobenen Hotellerie holen, die bei uns, der SME, angebunden sein wird“, erwiderte Kamleger darauf. Als einzige Erkenntnis blieb den Gemeinderäten: „Man sei in Gesprächen“. Gastronom Brenner genügte dies nicht: „Für mich ist der Betreiber schon wichtig“. Auch Florian Sareiters (CSU) Begeisterung erhielt mit dieser Nachricht einen Dämpfer. Er hoffe, dass bald ein neuer Betreiber präsentiert werde.

Wichtig ist, dass der Laden läuft.

Ansonsten herrschte Aufbruchsstimmung am Ratstisch. „Wir bekommen etwas, was nicht aus den Nähten platzt und im Rahmen bleibt“, lobte Klaudia Martini (SPD). Wenn man nun eine Planung bekomme, die weniger an einen Flugzeugträger erinnere, „so sehe ich vor allem den Rückbau der Adrian-Stoop-Straße kritisch“, wandte Rolf Neresheimer (ranBW) ein. Er befürchte ein „Stellplatzproblem“ und ein „Verkehrschaos“.

Höß räumte ein, dass der Bebauungsplan dies berücksichtigen müsse. Bernd-Kuntze-Fechner (SPD) euphorisch: „Ich finde die verzahnten Einheiten sehr klar. Da ist Bewegung drin. Ein Konzept mit Hand und Fuß“. Dass die Wiesseer Bürger das Konzept annehmen, glaubt Fritz Niedermaier (FWG). „Ich bin froh, dass wir den Bebauungsplan nun auf den Weg schicken können“. Dieser soll bereits zur nächsten Gemeinderatssitzung im Januar erstellt sein.

Gemeinde als Bauherr des Badehauses

Ebenerdig, aber teils auf Stelzen wegen des Gefälles, soll das neue Jodbad werden. Mit dem neuen Gebäude vor dem Badepark, dem die Wasserrutsche aus Platzgründen weichen muss, hofft Höß auf eine bessere Auslastung des Badehauses von jetzt fünf halben Tagen auf eine ganze Woche.

Das Hotel in der Mitte und im linken Teil des Models. Der OP-Bau befindet sich rechts.
Das Hotel in der Mitte und im linken Teil des Models. Der OP-Bau befindet sich rechts.

Springbrunnen im Inneren und eine Verglasung der „Zellen“ für die Wannenbäder sollen das Gebäude luftig erscheinen lassen. Die Gemeinde sei nun selbst Bauherr, da es sich das ursprüngliche Konzept östlich des Kirschbaumhügels mit monatlich 30.000 Euro Pacht nicht leisten konnte.

„Damit hätten wir kein Land gesehen, jemals in die schwarzen Zahlen zu kommen“, erläuterte Höß die Kehrtwende. Die Gefahr hätte bestanden, dass das Badehaus in dieser Größe für „alternative Zwecke“ hätte genutzt werden können. Und dies wolle man nicht. So wird es nun „ein kleines Jodbad“, so Sareiter, „damit wir uns nicht übernehmen“. Birgit Trinkl (FWG): „Das Jodbad wird unser Alleinstellungsmerkmal“. Vielleicht schon im Mai 2017, dann soll das „japanische Badehaus mit viel Holz“ in Betrieb gehen.


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