May-Klinik in Kreuth: Sanierungsbedürftig und schwer vermittelbar

Von Steffen Greschner

Die ehemalige Kreuther May-Klinik: Eines der Stiefkinder auf der letzten SMG-Investoren-Runde und auch sonst ist nur wenig über die wahren Ursachen der schwierigen Käufersuche für das ehemalige Areal der Klinik bekannt.

Ehemalige Dr.-May-Klinik in Kreuth / Quelle: SMG

Sanierungsbedürftig und nach zwei Jahren Leerstand nur schwer vermittelbar. So zumindest unser Eindruck, der sich nach dem Investorentreffen Mitte Oktober und Gesprächen mit den Verantwortlichen verfestigt.

Unsere Recherche führt uns dabei zum Insolvenzverwalter Dr. Josef Hingerl, dem Kreuther Gemeinderat Wolfgang Rebensburg sowie Josef Bierschneider, Bürgermeister von Kreuth.

Alle drei eint der Wunsch nach einer neuen Nutzung des Areals. Wie genau, da gehen die Meinung jedoch auseinander. Von “der Investor entscheidet” (Dr. Hingerl) über “eine Klinik oder ein Hotel wäre schon gut” (Josef Bierschneider) bis zum “betreuten Wohnen” (Wolfgang Rebensburg) reichen die Möglichkeiten.

Wieviel Geld will der derzeitige Eigentümer – und wer ist überhaupt der rechtmäßige Eigentümer?

Richtige Schwierigkeiten macht bei der Suche vor allen aber die unklare Rechtslage über den wahren Eigentümer der Klinik. Nach der ersten Insolvenz im Jahr 2006 hatte die irische Investmentgesellschaft Cooley-Group das Gelände gekauft und es an die Krankenanstalt (Dr. May OHG) weiterverpachtet. Diese Anstalt hatte dann im Jahr 2008 Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Wolfrathshausen ernannte daraufhin Dr. Josef Hingerl zum Insolvenzverwalter. Doch die Probleme fingen erst an. Dazu Josef Bierschneider:

Bevor die Cooley-Group ins Grundbuch als Eigentümer eingetragen werden konnte, wurde ein Insolvenzvermerk ins Grundbuch eingetragen, so dass nach wie vor die (insolvente) Krankenanstalt Dr. May OHG im Grundbuch als Eigentümerin steht. Diese OHG in Insolvenz wird rechtlich durch den Insolvenzverwalter vertreten. Die Cooley-Group müsste sich nun die Eintragung ins Grundbuch erstreiten.

Bedeutet, die Cooley-Group hatte das Gelände im Jahr 2006 zwar gekauft, wurde aber aufgrund der vorgenommenen Eintragung ins Grundbuch defakto nicht Eigentümer des Areals. Denn maßgeblich für den Verkauf ist der Grundbuchstand. Und da kommt Insolvenzverwalter Hingerl ins Spiel. Der meint zu der unklaren Rechtslage:

Über diese Eintragung ist der Streit entbrannt. Da gibt es jedoch unterschiedliche Rechtsmeinungen. So oder so ist das nicht einfach zu klären. Die Cooley-Gruppe hatte damals 2 Millionen Euro gezahlt. Dazu wurde auch noch etwa 1 Million in den Betrieb investiert. Wenn wir also nicht prozessieren wollen – schätzungsweise 10 Jahre würde der Rechsstreit dauern – kommen wir nicht drumherum einen Investor zu finden. Dieser müsste einen bestimmten Betrag bezahlen, der für die Cooley-Group interessant genug erscheint, von einem Prozess abzusehen.

TS: Aber ist diese rechtliche Unsicherheit nicht auch hinderlich bei der Suche nach einem Investor?

Ich gebe Ihnen Recht. Das macht es nicht einfacher. Aber es sind immer wieder Interessenten da. Nach der SMG-Veranstaltung hatte sich beispielsweise einer gemeldet. Und ansonsten gibt es auch etwa 1 Investor pro Monat, der bei uns nach dem Klinik-Areal fragt.

TS: Haben die Investoren, mit denen Sie bisher gesprochen hatten, eine klare Präferenz bezüglich der zukünftigen Nutzungsform?

Nein, die Vorstellungen sind da sehr unterschiedlich. Am Ende entscheidet aber das Gesamtpaket. Also Konzept und Preis. Eine zukünftige Nutzung als Klinik ist allerdings unwahrscheinlich.

Bei der Nutzung ist auch der Kreuther Gemeinderat sehr offen, wenn auch realistisch. Das einzige, was man aber überhaupt nicht möchte, ist eine Wohnnutzung. Laut Wolfgang Rebensburg ist diese “nach den bisherigen Entscheidungen des Gemeinderates ausgeschlossen”.

Lageplan der Dr.-May-Klinik in Kreuth / Quelle: SMG

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