Auf Kneipentour am Tegernsee

„Mehmedl“ – Wirt der Daily Coffee Bar

Von Martin

In der Vergangenheit hatte es Mehmet Cinaz oft nicht leicht. Immer wieder kam es vor, dass gebürtige Tegernseer es ablehnten, bei dem gebürtigen Türken etwas trinken oder essen zu gehen. „Das waren harte Zeiten für mich und meine Familie.“

Rund um den See hatte der heute zweifache Familienvater Bars und Cafés. Mittlerweile hat „Mehmedl“, wie er aufgrund seines leicht bayerischen Akzents von seinen Stammgästen gerufen wird, in Bad Wiessee eine Bar, in der auch ein Hauch von Völkerverständigung stattfindet.

Gastronom, Haustechniker, Türsteher

In Adana im Süden der Türkei geboren, kam Mehmet mit elf Jahren sowie seinen vier Geschwistern und den Eltern an den Tegernsee. Heimweh habe er bis heute. „Sehr sogar. Vor allem im Winter.“ Da habe es am Mittelmeer 20 Grad Celsius. „Schnee habe ich als Kind zum allerersten Mal in meinem Leben am Tegernsee gesehen.“

Bald zogen alle zusammen in die Nähe von Nürnberg, wo Mehmet eine Lehre als Kunstschlosser absolvierte, ehe es ihn wieder zurück an den Tegernsee verschlug. Mehmet fand hier schnell einen Job in der Hotellerie, arbeitete als Haustechniker und verdiente nebenbei ein paar Mark als Türsteher in einer Tölzer Diskothek.

Doch plötzlich war er von heute auf morgen Geschäftsführer eines Rottacher Nachtclubs und damit für alles verantwortlich. Der Laden lief gut. Nach vier Jahren verkaufte der damalige Besitzer den Club, und Mehmet, frisch verheiratet, stand auf der Straße.

„Da beschloss ich, mich selbstständig zu machen, und eröffnete 1996 am Tegernseer Bahnhof mein erstes eigenes Café.“ Das „Orient Café“ fing schnell an, sich zu etablieren. Doch dann machte das Krankenhaus dicht, und Mehmet verlor viel Laufkundschaft. Wieder mussten er und seine Frau neu anfangen.

Seit fünf Jahren in Bad Wiessee

Ehe Mehmet dann Ende 2006 in Bad Wiessee aus einem ehemaligen Sonnenstudio das heutige Daily Coffee gemacht hat, betrieb er noch einen Nachtclub. „Keine Lust, immer bis in die Morgenstunden hinter der Theke zu stehen“, war der Grund, warum er das Geschäft aufgab. „Ich wollte einfach mehr Zeit mit meiner Familie verbringen“, sagt Mehmet.

Die Lebenserfahrungen haben ihn geprägt. Ein positiver Mensch sei er schon immer gewesen. „Ich habe gelernt, mit beruflichen Rückschlägen umzugehen.“

Mehmet Cinaz (links im Hintergrund) - auch "Mehmedl" genannt.

 

Beim „Daily Coffee“ hat der 47-Jährige von Anfang an vieles richtig gemacht. Beispielsweise bei der Namensgebung. Die überließ er seiner Kundschaft. Wegen Ihres häufigen Kommens und Kaffeekonsums regten mehrere „Daily Coffee“ an. „Ich wusste anfangs nicht, dass „daily“ täglich bedeutet, und musste fast gezwungenermaßen meinen Ruhetag abschaffen“, lacht Mehmet.

Ein anderer Wunsch der immer zahlreicher werdenden Gäste, war es, ein Bezahlfernsehabo abzuschließen. Die Kundschaft versprach, die Kosten komplett zu übernehmen. „Das haben sie natürlich nicht gemacht.“ Das zusätzliche Angebot sei aber geblieben.

„Habe immer ein offenes Ohr für Wünsche und Sorgen. “

Im Gegensatz zu seinen Anfängen als selbstständiger Wirt ist vor allem eines gewichen: die ablehnende Haltung wegen seiner Herkunft. Das Publikum wurde immer bunter. Einheimische, Auswärtige, Jung und Alt, unterschiedlichste Nationalitäten aus allen Berufsschichten. „Fast eine Art Völkerverständigung und gelebte Integration“, meinen Mehmets Gäste.

Neben Ideen kommen Barbesucher regelmäßig mit alltäglichen Problemen wie „ich bin arbeitslos geworden“ oder „wir suchen dringend Aushilfen für unser Hotel“ auf den Wirt zu. „Da kommt es schon mal vor, dass ich den Jobvermittler spiele“, berichtet Mehmet.

„Ich muss aber nicht immer mitreden. Oft höre ich einfach nur zu. Und eines habe ich in meiner langen Zeit als Wirt gelernt: In Sachen Sport und Politik muss man sich als Lokalbesitzer raushalten. Da kann man es niemandem recht machen.“

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