Bergwacht im Dilemma

Mehr Einsätze, zu wenig Retter

Doppelt so viele Einsätze wie vor zehn Jahren hat die Bergwacht in Rottach-Egern. Gerade aber an Wochentagen wird das ehrenamtliche Personal knapp und Rettung zum Problem. Damit das gewährleistet ist, wird nun ein hauptamtlicher Einsatzleiter gefordert. Dies soll auch Thema der nächsten Tal-Bürgermeisterrunde werden.

Die Bergwacht im Tegernseer Tal kommt an Grenzen

Derzeit habe seine Bergwacht etwa 230 Einsätze pro Jahr mit steigender Tendenz, sagt Adi Boemmel als neuer Bereitschaftsleiter der Bergwacht für das Tegernseer Tal. „Wir werden von München aus brutal mit Wanderern, Bergsteigern, aber vor allem Bikern und im Winter mit Schneeschuh-Wanderern überrannt. Das nimmt alles wahnsinnig zu“. Inzwischen seien es mehr Einsätze unter der Woche als an  Wochenenden, vor allem wegen Rentnern und Leuten, die andere Arbeitszeitmodelle haben. Auch mit den E-Bikes könnten nun auch weniger sportliche Menschen die Berge erkunden.

„Dünne Personaldecke“

Das Problem dabei sei, so Boemmel, der Engpass bei Einsatzleitern wochentags, die allesamt ehrenamtlich tätig sind. Bei ihnen seien bestimmte Qualifikationen und Prüfungen Voraussetzung. „Laut Rettungsgesetz müssen sie sich innerhalb von zwei Minuten nach Alarmeingang über Piepser bei der Leitstelle in Rosenheim melden“, um anschließend zeitnah auszurücken. „Da die Einsatzleiter aber berufstätig sind“, so Boemmel, „ist es unter der Woche schwierig sie vorzuhalten“.

Da sei es mit nur 15 Leuten schon vorgekommen, “dass wir sagen mussten, wir haben keinen“. Denn die Personaldecke werde durch Beruf und Familie immer dünner. „Insgesamt haben wir etwa 40 aktive Bergwachtler. Mit ihnen lösen wir am Wochenende das Problem gut. Aber wochentags finden wir oft keine zwei bis drei Leute für einen Einsatz“.

Früher hätten die Retter im Tal im Ernstfall ihren Arbeitsplatz verlassen können. „Das war kein Problem“. Wenn diese aber heute drei- bis viermal in der Woche ausrücken, würden sie Probleme mit ihren Arbeitgebern bekommen. „Das ist heute nicht mehr gerne gesehen“. Deshalb müsse wochentags eine hauptamtliche Stelle für den Einsatzleiter geschaffen werden, „damit wir ruhig schlafen können“.

Gefordert wird ein hauptamtlicher Einsatzleiter

Nach Ansicht Boemmels müsse dies keine Vollzeitstelle sein, weil nicht immer etwas passiere. Der Retter könnte bei einer Tourist-Info oder einer Gemeinde angestellt sein, beispielsweise zu 50 Prozent im Bauhof und die andere Hälfte bei der Bergwacht. Er müsste aber im Ernstfall jederzeit ausrücken können, so Boemmels Forderung.

Wir wollen sichergestellt wissen, dass ein Mitarbeiter der Bergwacht abgestellt ist, den Einsatz unter der Woche zu leiten.

Noch gebe es hauptamtliche Mitarbeiter nur in der Verwaltung der Bergwacht Bayern. Aber da, wo die Arbeit vor Ort gemacht wird, gibt es keine. „Da lässt man uns ein bisschen hängen“, beklagt der 54-Jährige. „Daher wollen wir alle ins Boot holen, bis hin zur Bergbahn, um eine solche Stelle zu schaffen“. Denn bislang wolle die Bergwacht Bayern aus finanziellen Gründen nichts dazu beisteuern.

Ehrenamtliche Retter „reiben sich auf“

„Wir wollen als Rettungsdienst einfach sicherer aufgestellt sein“. Dies habe er zuletzt auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner am Rosstag und Umweltminister Thorsten Glauber bei einer gemeinsamen Tour zur Tegernseer Hütte erklärt. Sie sei ein besonderer Brennpunkt im Tal. Bis zu 1.000 Leute pro Tag würden zum Ross- und Buchstein unterwegs sein. „Mehrere tausend Wanderer“ seien es im gleichen Zeitraum zur Aueralm und Neureuth. Ein ehrenamtlicher Einsatzleiter „reibt sich da in der Woche auf“, weil er nicht mehr zu einer normalen Arbeit komme. „Bei meinen Vorgängern spielte der Arbeitgeber nicht mehr mit“.

Das neue Bergwacht-Team: Rupert Gleißl (v.l.), Bereitschaftsleiter Adi Boemmel und Markus Schober / Foto: Bergwacht

Da dies nicht so bleiben könne, wolle man nicht nur die Talbürgermeister mit ins Boot holen, sondern auch das Innenministerium, das für den Rettungsdienst zuständig ist. Inzwischen würde sich laut Boemmel schon „etwas bewegen“. „Denn wir wollen sichergestellt wissen, dass ein Mitarbeiter der Bergwacht abgestellt ist, den Einsatz unter der Woche zu leiten“.

Problem von den Talbürgermeistern erkannt

Unterstützung bekommt Boemmel jedenfalls schon von Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider. Der Chef des „Bergsteigerdorfs“ ist sich mit seinen Talbürgermeistern einig, „dass die Bergwacht eine sehr wichtige Arbeit für uns leistet“. Man habe nun eine Initiative gestartet und die Vertreter der Bergwacht Bayern zu einem Gespräch noch im September in die Bürgermeisterrunde eingeladen. „Hier wollen wir unserer Forderung Ausdruck verleihen, dass die Bergwachtbereitschaft Tegernseer Tal mit einer hauptamtlichen Stelle ausgestattet wird“.

Dennoch wolle man den Freistaat, der primär für den Rettungsdienst verantwortlich ist, nicht aus der Verantwortung entlassen. Laut Bierschneider muss es im Tal als zweitgrößtes Gebiet aller Bergwachtbereitschaften möglich sein, “dass die Versorgung gewährleistet ist“. Boemmels Befürchtung: „Wenn in einem Touristengebiet der Rettungsdienst nicht funktioniert, dann wirkt das negativ nach außen“.


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